KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (April 1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 16 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Kirche: eine Einrichtung, die Kirche: Dienerin der relisich zur Lerrin über die giösen Idee, sich aufewige Seligkeit aufwirft, bauend aus der Gesinaußerhalb deren es keine nungsgemeinschaft, viele Religion gibt, die nur ' Wege des Gottsuchens einen Weg zu Gottkennt anerkennend, persönlich, und international gevölkisch sich aufbauend, richtet ist. Wie muß es um die Güte einer Sache bestellt sein, wenn man, um sie zu erweisen, zu so handgreiflichen Unrichtigkeiten seine Zuflucht nehmen muß! Man sehe sich dieses Schema der Gegenüberstellungen einmal an, Wort für Wort ist seine Unhaltbarkeit zu erweisen. Alles, was dort als deutsch-christlich benannt wird, ist uraltes jüdisches Erbgut, wobei gar nicht besonders darauf eingegangen werden soll, daß so manches, was da als judaistisch bezeichnet wird, von jeher vom Judentum bekämpft wurde. Gerade das ist das Kennzeichen des jüdischen Gottesbegriffes, daß in ihm Gott nicht bloß als eine einzelne Macht gegenüber den vielen Machten des Heidentums erscheint, sondern als einheitliche sittliche Persönlichkeit, die der Inbegriff von Güte, Liebe und Gerechtigkeit ist und das von den Menschen fordert. Um nur ein Beispiel anzuführen, Jeremia bezeichnet als Wesen der Gotteserkenntnis „wissen, daß ich, der Ewige, Liebe, Recht und Gerechtigkeit aus der Erde übe und daß ich daran Wohlgefallen habe". (Jerem. Kap. 9 V. 23). Gerade das ist Kennzeichen der jüdischen Frömmigkeit, daß der Vertragsgedanke ausgeschaltet wird, das Bundesverhältnis zwischen Gott und Israel, zwischen Gott und Mensch begründet Verpflichtung nur für den Menschen und ist kein Gegenseitigkeitsverhältnis. Gerade an der Frage des Glaubens hat von Anfang an die jüdische Frömmigkeit der christlichen entgegengestanden und hat als Sinn der Frömmigkeit nicht das- Bekennen eines Glaubenssatzes, eines Dogmas, sondern das tiefe, innige, demütige Verbundensein mit Gott empfunden, wie es sich ausprägt in Worten, wie die des Psalmisten: „wenn ich nur Dich habe, was brauche ich dann mehr im Himmel und aus Erden" (Ps. 73 V. 24), oder „Zum Jubelsang würden mir Deine Gesetze" (Ps. Il9 V. 55), oder „auch wenn ich wandle im Tal des Todesschattens fürchte ich nichts- Böses, denn Du bist bei mir" (Ps. 23), oder der talmudischen Gebete: „Deines Volkes Begehren ist groß, doch die Einsicht nicht weit, gib jedem, wessen er bedarf", und „In Deinem Willen droben im Himmel, gibt Seelenruhe auf Erden denen, dje in Ehrfurcht vor Dir wandeln, tu aber was gut ist in Deinen Augen". (Berachoth 29b) u. a. m.. Bei der Sühne ist gerade das Kennzeichen j ü - di scher Frömmigkeit, daß sie sich sperrt gegen jede Lossprechung des Sünders, ohne daß er zuvor sich selbst gereinigt, daß sie sich sperrt gegen jede Einseitigkeit der reinen Gnadengabe und die Wandlung des Willens verlangt, alle prophetische Predigt hat das zum inneren Sinn. „Schaffet Euch ein neues Herz und einen neuen Geist" (Ezechiel Kap. 18 V. 31). Jüdische Art war es gerade, die sittliche Forderung ohne Rücksicht auf Lohn und Strafe zu erheben; „seid nicht wie die Knechte, die ihrem Herrn um des Lohnes willen dienen, sondern seid wie solche, die ihrem Herrn nicht um des Lohnes willen dienen" (Spr. d. Väter 1,3), klassische Ausdrucksform der Forderung, eine Sache nur um ihrer selbst willen zu tun. Es gibt darum in der jüdischen Lehre nicht die Ausmalung von Höllenstrafen oder die Ausmalung der Wonne der ewigen Seligkeit. Und jüdisch, nur jüdisch bislang, ist die Ablehnung einer Kirche als Einrichtung, die die ewige Seligkeit ausspendet, gewährt oder versagt, die die Ausschließlichkeit des Heils als nur in ihr ruhend behauptet, und die Gleichsetzung der Kirche mit der Vereinigung aller durch gleiche religiöse Gesinnung Verbundenen, die Freistellung und Forderung des ewigen Suchens nach Gott, „suchet mich, so werdet aller Völker haben Anteil am ewigen Leben" (Maimonives Hilshoch Teischübah III, 5). So erweist sich Punkt für Punkt das Willkürliche und Falsche des ganzen Schemas, auf dem Recht und Eigenart der deutsch-kirchlichen Bewegung aufgebaut wird. Alles was als wesentliches Element der neuen Frömmigkeit benannt wird, ist gerade das alte jüdische Gut. Und wo das Schema einmal richtig ist, da kann man getrost das Urteil der Welt, der Geschichte und Nachwelt erwarten. Wenn die Erfassung Gottes als einer Persönlichkeit jüdisch ist, gut, bekennen wir uns dazu, man wird in wirklicher Frömmigkeit Gott nie anders erfassen können als persönlich, anders kann man nicht beten, es wäre der Tod der Frömmigkeit, nicht einen persönlichen Gott vorauszusetzen. Wenn es jüdisch ist, Sittlichkeit als ein „Du sollst" und nicht als ein „ich will" zu empfinden, so ist demgegenüber zu sagen, daß nur das „Du sollst" die Unterordnung unter ein für alle gültiges Gesetz verbürgt, in einem „ich will", so wertvoll es ist, wenn es das „Du sollst" bekräftigt und bejaht, wenn es für sich allein steht, ist jeder Möglichkeit der Ausartung des Instinkts, des Machtinstinkts Tür und Tor geöffnet, ist eben dem Instinkt die Herrschaft gegeben und der Mensch zum Maßstab der Dinge gemacht. Und wenn es richtig ist, daß es jüdisch ist, Religionsgemeinschaft international zu fassen, so wäre dazu zu sagen, daß darin in der Tat der Wert aller Religion besteht, daß sie über die gegebenen nationalen Verschiedenheiten hinaus Men-