KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (April 1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Lähmung." Er erblickt also in dem ständigen Rückgriff auf die biblischen Motive und Frömmigkeitsäußerungen ein Zeichen religiöser Erstarrung und fordert um einer lebendigeren, wirklichkeitsnaheren, schöpferischen Frömmigkeit willen die Loslösung der Kirche vom A. T. und ein stärkeres „Sich-auf-eigene-Füße-stellen". Was Marcion wollte, und was Harnack wieder aufnimmt, war, so falsch es war und ist, doch immerhin religiös bestimmt und hatte nicht bloß religiöse Ziele, sondern auch religiöse Voraussetzungen. Run aber wird von einer ganz bestimmten Gruppe dieses Ziel ausgenommen, aber es wächst jetzt nicht aus einer religiösen Anschauung heraus, sondern entspringt der bewußten völkisch-rassischen Einstellung, und aus ihr heraus wird die Forderung erhoben, das A. T. beiseite zu schieben und ein nur auf germanische Seelenhaltung gestütztes Christentum aufzurichten, die christliche, d. h. ^protestantische, Kirche so umzubauen, ' daß in ihr jede Beziehung auf irgend eine mit dem jüdischen Volk zusammen-' hängende Persönlichkeit fallen gelassen werde, nur Persönlichkeiten germanischen Geblütes als Vorbilder anerkannt werden, Erzählungen aus diesem Kreis zur Erziehung verwandt werden und nur die Gedankenwelt und Seelenhaltung germanischen Volkstums als Typ der dem deutschen Volke adäquaten Frömmigkeit empfunden werde. Oder mit anderen Worten: „Aufrichtung eines deutsch bestimmten Glaubens", sie selbst sagt: „Aufrichtung eines deutsch bestimmten Christentums", aber es ist völlig unerfindlich, mit welchem Rechte man das, was hier erstrebt wird, Christentum nennt, es sei denn, es wäre schon ein vollgültiges Zeichen des Christentums, von der Persönlichkeit Jesu phrasenhaft zu reden. Zweierlei ist nun notwendig, um dieser deutschkirchlichen Bewegung das Eigenwüchsige zu, verleihen, das sie haben muß, um das innere Recht auf Existenz zu besitzen, es muß das Alttestamentliche als schlecht und minderwertig charakterisiert werden, und es muß zwischen Jesus und der germanischen Seelenhaltung eine deutliche Verwandtschaft aufgezeigt werden. Beide Wege werden gegangen, und in der Art, wie sie gegangenwerden, richtet sich diese deutsch-kirchliche Bewegung selbst und erweist sie sich in ihrer Haltlosigkeit. Damit kein Mißverständnis entstehe, es wäre schon denkbar, daß man den Versuch machte, eine deutsche Volkskirche aufzurichten, schließlich war das ja auch ursprünglicher Sinn des deutschen Protestantismus. In einen solchen edel gehaltenen Versuch sich jüdischerseits einzumischen, wäre taktlos,. aber es ist unser gutes Recht und unsere Pflicht, an der Methode der Begründung Kritik zu üben, wenn sie sich im wesentlichen aufbaut auf der Konstruktion eines minderen Charakters biblischer, jüdischer Frömmigkeit. Um das A. T. als niedrigstehend zu brandmarken, werden Behauptungen aufgestellt, etwa wie die von den „schlüpfrigen Erzdätergeschichten", die mit ihrer „sittlichen Minderwertigkeit" das Herz der Kinder nicht ergreifen können. Run mag es richtig sein, daß in den Erzählungen der Bibel das Geschlechtliche nicht beiseite gelassen ist, — ist es in der deutschen Sagenwelt, die als Ersatz angeboten wird, ausgeschaltet? — Aber welches Recht hat man, Erzählungen, in denen derartige Dinge genannt werden, um das Sündige herauszuarbeiten und Bußstimmung zu erzeugen, als schlüpfrig zu bezeichnen? Schlüpfrig wären sie, wenn sie erzählt wären mit Behagen und mit dem Willen, Lüsternheit zu erregen und mit der Lüsternheit zu spielen, aber sobald sie erzählt sind, um aus den Ernst dieser Vorgänge hinzuweisen, sind sie getreues Spiegelbild des Lebens, Versittlichung des Lebens, Wahrhastigkeitszeugnis. Um der deutsch zu begründenden Frömmigkeit, die einzig dastehende Höheit zu sichern, werden sämtliche Ladenhüter. einer heute bereits glücklich überwundenen Epoche der Bibelkritik wiederholt, nur mit der einzigen Abwandlung, daß man vom Germanischen jetzt das sagt, was man einstens vom Christlichen im Gegensatz zum Jüdischen behauptete, dafür jetzt einen Gegensatz vom judaistischalttestamentlich bestimmten Lateinchristentum und deutsch-verwandter Iesusreligion konstruiert. Man stellt ein ganz festes Schema solcher Unterschiede zwischen jüdischer und christlich-jüdischer einerseits und deutsch-christlicher Frömmigkeit andererseits auf, etwa so: judaistisch deutsch-christlich Gott:, eine Einzahl, ein Gott: eine innere Einheit, arithmetischerBegriff, erunerforschlich und unforschlich und persönlich. persönlich. Religion: ein Vertrags- Religion: ein inneres Ververhältnis zwischen hältnis des Menschen Mensch und Gott zu Gott, ein Einswerden mit Gott. Glaube: eine Tätigkeit, ein . Anerkennen bestimmter fest formulierter Wahrheiten. Sühne: Losgesprochenwerden von den Folgen der Tat. Sittlichkeit: ein Landein in der Loffnung auf Lohn, in der Furcht vor Sttafe. Oberster Bestimmungsgrund das: Du sollst. , Glaube: ein Vertrautsein mit Gott, ein innerliches Erschauen. Sühne: innere Wandlung des Willens, Neugeburt. Sittlichkeit: ein Landeln aus innerster Notwendigkeit. Oberster Bestimmungsgrund das: Ich will.