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KC-Blätter · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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11 von der anderen Seite geschieht, vielleicht sogar die ganze Politik, die in studentischen Dingen betrieben worden ist, auch nicht mit seinen Auffassungen von Wahrung der Ehre und Wahrung des Ansehens des deutschen Judentums für vereinbar halt. Auch vom Standpunkt des Zionismus kann die deutsche Iudenfrage in Deutschland nicht mit einer freiwilligen Rückkehr in das Ghetto gelöst werden, und etwas anderes ist die studentische Politik des K. I. V., im Gegensatz zu der seiner österreichischen Freunden, nicht. Daß in dem, was manche K. C.-Korporation in den letzten Jahren in mühevoller Arbeit zu leisten hatte und geleistet hat, sich ein Mangel an Selbstbewußtsein zeigt, ist etwas, was keiner unserer jungen Kartellbrüder sich sagen lassen muß. Auch hier könnte leicht das Urteil nach der anderen Seite ebenso scharf ausfallen, wenn wir nicht grundsätzlich auf dem Standpunkt ständen, daß man jedem das Recht seiner Ueberzeugung lassen soll. Wir würden es begrüßen, wenn der K. I. V. eine Basis finden würde, aus der auch in studentischen Dingen eine Zusammenarbeit möglich würde, sie kann aber nicht gefunden werden, wenn man sich selbst von jeder Mitarbeit fernhält, aber den Standpunkt des anderen und seine Handlungsweise dadurch zu kritisieren sucht, daß man seine persönliche Ehre verletzt. Rarl tiaymaim (nassoviaot. Am 10. Januar 1926 ist mein lieber Freund Karl Haymann in Frankfurt a.M. gestorben. Frisch und lebensfroh haben wir ihn kürzlich noch vor uns gesehen. Um so schmerzlicher und unfaßbarer ist der Verlust, den wir durch seinen Tod erlitten haben. Karl Haymanns Wesen wurzelte tief in seiner herrlichen Heimat. In Saarburg (Bezirk Trier) stand seine Wiege. Von diesem trauten Fleckchen Erde aus hat er den Sinn für alles Schöne in Natur und Kultur, in Kunst und Literatur mit in die Welt genommen. Eins hat ihn fast nie verlassen, die Freude am Leben. Mit Liebe und Hingebung beobachtete er die Vorgänge der Natur, betrachtete er ein schönes Landschaftsbild, ließ er ein Gemälde auf sich wirken. In stillen Stunden dachte er dann über all das nach, was er erlebt und gesehen hatte. Diese Stunden verbrachte er gern im Kreise seiner Freunde. Da wurden Erinnerungen wachgerufen und Erlebnisse erzählt und immer wieder war es Karl Haymann, der neue Anregungen gab und auf Wissenswertes hinwies. Seine Unterhaltungen würzte er mit goldenem Humor, nie aber war dieser Humor verletzend. Wie gerne lauschten wir ihm auch, wenn er auf seiner gemütlichen Studentenbude Märchen und Erzählungen vorlas. Er liebte es, aus dem Leben des Alltags ins Reich der Märchen zu entfliehen, sich in jene längst vergangenen Zeiten zurückzuversetzen, in denen die Menschen noch nicht ganz in der Hast des Alltags aufgingen. Das war eine Erholung für ihn. In solchen Feierstunden sammelte Karl Haymann auch neue Anregungen für sein eigenes Wirken und Schaffen. Er war Jurist und leistete in seinem Berufe außerordentlich tüchtige Arbeit. Dabei kamen ihm seine glänzende Begabung und sein immer auf das Praktisch? gerichteter Sinn sehr zustatten. Das ist das Kennzeichnende für Karl Haymann gewesen, daß er mit seiner tiefen Neigung für das Schöne in der Welt und mit seinem Interesse für alles, was Menschengeist geschaffen hat, eine besondere Fähigkeit zu praktischem Arbeiten verband, sich aber nie im Theoretischen verlor. Den Blick des gereiften Mannes bewies er schon, als er noch junger Student war. Seinen Freunden stand er stets mit klugem Rat und hilfreicher Tat zur Seite. Nie soll in unserer Erinnerung der Dank für seine Treue erlöschen. Für Karl Haymanns Stellung zum K. C. war zweierlei entscheidend, seine tiefe Heimatliebe und sein Gerechtigkeitssinn. Er duldete nicht, daß ihn jemand in seinem Vaterlande einen „Fremden" nannte, nein er war so fest verwurzelt in seiner Heimat, wie wenig andere. Der Kampf gegen den Antisemitismus bedeutete ihm aber auch ein Streiten für Wahrheit, Recht und Menschenwürde. Zu früh ist er seinen Angehörigen, seinem Berufe, dem K. C. und seinen Freunden entrissen worden. Er ist wenig mehr als 25 Jahre alt geworden. Es läge nicht im Sinne des lieben Verstorbenen, seine Charaktervorzüge hier einzeln hervorzuheben, dafür war er zu bescheiden. Denen, die ihn kannten, möge er ein leuchtendes Vorbild sein. Seine Freunde werden ihn nie vergessen. Paul Sänger.

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