KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 K.C. ttnd K. A. U. Eine Randbemerkung. Von Hermann Berlak (Spr., Fr.-Gh.) Die Zeitschrift „Der jüdische Student", das offizielle Organ des K. 2. V., 'beschäftigt sich in ihrer Nummer vom Februar 1926 aus Anlaß des Aufsatzes von Kartellbruder Stern in den K. C.-Mitteilungen über die Bonner Vorkommnisse mit einigen grundsätzlichen Fragen der K. C.-Politik. Wir stimmen mit der Schriftleitung des Jüdischen Studenten insofern überein, als auch wir durchaus anerkennen, daß vielleicht von beiden Seiten nicht übermäßig geschickt vorgegangen worden ist; aber wir glauben, daß die Verhältnisse dem Vorgehen unserer Verbindung „Rheno- Silesia" durchaus Recht gegeben haben. Das beweist der Bericht, den die „Rheno-Silesia" in der heutigen Nummer der K. C.-Mitteilungen über die weiteren Ereignisse und die Regelung der Lhargierordnung, veröffentlicht. Wenn wir aus den Aufsatz überhaupt noch an dieser Stelle eingehen, so darum, weil er versucht, grundsätzliche Fragen der K. E.-Politik zu kritisieren und diese Ausführungen doch einer Beantwortung zu bedürfen scheinen. Zunächst muß einiges vorausgeschickt werden. Daß die Polemik zwischen K. C. und K. 2. V. in den letzten Jahren fast eingeschlafen ist, ist richtig. Aber es ist selbstverständlich nicht angängig, diese Polemik wieder aufleben zu lassen in der Weise, wie sie in diesem Artikel vorgenommen wird, von dem hohen Kothurn desjenigen herab, der das Recht für sich in Anspruch nimmt, unfehlbar zu sein und der ohne weiteres den anderen als den dummen, gedankenlosen, ungeistigen Menschen hinstellt. Es ist leider eine trübe Erscheinung, in der sich Zionisten und Völkische gern begegnen, daß sie dem anderen nicht das Recht seiner Heber« zeugung lassen und daß ihnen häufig das abgeht, was letzten Endes für jede gedeihliche Diskussion erforderlich ist, der Respekt vor der Auffassung des anderen. Das gilt auch für die Polemik, die hier begonnen, worden ist und in deren zweiten Satz man behauptet, daß die Polemik der früheren Zeit nicht durch Schuld des Zionismus unftuchtbar geblieten ist, denn wenige Zeilen später heißt es wörtlich: „Nicht nur die geistige oder vielmehr ungeistige Stellungnahme des K. C. zu jüdischen und deutschen Dingen bleibt unverändert...." Auf dieser Basis kann eine Diskussion selbstverständlich nicht geführt werden, wenigstens nicht eine solche, von der man sich einen Erfolg verspricht und die weiter führen soll als zu gegenseitigen Beschimpfungen oder Herabsetzungen. Der Verfasser des Aufsatzes „K. C.-Politik" geht davon aus, daß die national-jüdische Studentenschaft und weite Kreise deutscher Studenten aus den Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit neue Lehren gezogen haben, und daß es sinnlos ist und zu einer demütigenden Nachgiebigkeit, zur demonstrativen Geste oder zum Mißerfolg führen muß, wenn der K. C. diese Politik nicht mitmacht. Gerade in dieser Auffassung aber klafft ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen K. C. und K. 2. V. Daß dies nicht ein Gegensatz zwischen dem bodenständigen deutschen Juden und dem nationalen Judentum selbst ist, sondern ein Gegensatz der persönlichen Auffassung und der Einstellung zu studentischen Fragen, beweist am besten der Hmstand, daß dem K. I. V. befteundet auch heute noch die wehrhaften nationaljüdischen Studentenverbindungen in Oesterreich bestehen, die in bezug auf die studentischen Mittel auch heute noch die gleichen Wege gehen wie der K.C. bei aller Verschiedenheit ihrer Einstellung zu deutschen und Jüdischen Dingen gegenüber dem K. C. Was also hier an die Adresse des K.C. gerichtet wird, richtet sich auch nicht minder an diese Gesinnungsgenossen. im national-jüdischen Lager. Es würde zu weit führen, hier die Gründe darzulegen, aus denen heraus der K. C. auch heute noch an seinen alten Mitteln festhält. Hieraus wird in nächster Zeit in anderem Zusammenhänge einzugehen sein. Aber prüfen wir heute nur einmal die Frage, ob der Weg, den das K. 2. V. gegangen ist, zu größerem Erfolge geführt hat. Das K. 2. V. hat es allerdings nicht nötig zu warten, welchen Erfolg die antisemitische Bewegung auf dem Wege des gesellschaftlichen Boykotts zeitigt, es hat die Ghettomauern selbst um sich aufgerichtet, es hält sich von allem fern, was studentische Gesellschaft ist, auch in Fällen, in denen der Kreis der Studentenschaft sich keineswegs aus die völkische Studentenschaft beschränkt; ja es zeigt sich nicht einmal bei allgemeinen studentischen Ver-. anstaltungen wie Sportfesten usw. Gewiß ein bequemer Standpunkt 1 Ein Standpunkt, der zu Differenzen irgendwelcher Art nicht führt und schon darum nicht führen kann, weil es solche Differenzen mangels gemeinsamer Berührungspunkte einfach nicht gibt. Wer so handelt, hat es mit sich auszumachen, ob seine Heberzeugung von'Mut, seine Heberzeugung von Wahrung der Gleichberechtigung, von Wahrung der Ehre des 2udentums und der Ehre des jüdischen Studenten gestattet, zu verzichten, Schwierigkeiten zu umgehen, statt sie zu beseitigen, sich selbst abzusondern und den anderen den Weg freizugeben. Aber er hat dann mindestens das Recht verloren, wenn der andere diese Auffassung nicht teilt und einen Weg einschlägt, den er von seinem persönlichen Standpunkt aus nicht für richtig hält, diesen Standpunkt als ehrenrührig zu bezeichnen. Es könnte manchen recht guten K.C.er und recht guten deutschen 2uden geben, der auch manches, was