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KC-Blätter · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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9 halten konnte. Das darf und wird uns nicht beirren, und wir bedauern diejenigen, die aus einem an sich verständlichen Pessimismus das „lerne werden" und das „lerne warten" nicht in sich ausgenommen haben und nun zu denjenigen Theorien übergegangen sind, die, den Völkischen nachgebildet, nun auch im Judentum das Völkische als das allein Seligmachende erblicken. Der K. C. ist ein Kind des politischen und namentlich bes kulturellen Liberalismus. Er will die Zeiten vorbereitenhelfen, in denen die Menschen und namentlich die Akademiker rm besten Sinne des Wortes liberal sind, das heißt an den Kommilitonen sittliche Wertmaßstäbe und nichts anderes legen. Und darum muß unser Standpunkt der sein: Wir glauben an diesen Liberalismus, und unsere Jugend soll an ihn glauben, weil er Menschen auf ihre eigene Füße stellt, Menschen frei macht, und weil die Freiheit des Menschen seine Selbstverantwortlichkeit und seine ewige Mission darstellt. Und wenn uns Juden als Menschheitsaufgabe das Wort von seiten der Urväter mitgegeben wurde: „Ihr sollt mir sein ein Volk von Priestern und heiliges Volk", so ist hierin auch unsere Aufgabe gekennzeichnet. Sie ist nicht erfüllbar ohne die Erziehung zur Persönlichkeit. Diese wird immer die Grundlage unserer Arbeit sein müssen. Der junge Mann soll sich fühlen, indem er sich fügen lernt, indem er einen Teil seines Selbst in der Gesamtheit aufgehen läßt, indem er die Freundschaft, die ihn mit seinen Bundesbrüdern verbindet, nicht nur als Genuß, sondern auch als Ausgabe empfindet. Und die Gesamtheit der Verbindung muß und wird darauf bedacht sein, daß ihr stets ein geistiges Niveau zu eigen bleibt, d. h. daß sie stets sich bewußt ist, daß auch sie nur ein Mittel zum Zwecke sein kann. Von ihr muß verlangt werden die Ausbildung des jüdischer: und des deutschen Akademikers, der stolz und bewußt seiner jüdischen Abstammung alle diejenigen Geisteskräfte besitzt, die ihn befähigen, auf der einen Seite Judentum und Deutschtum zu vermählen, auf der anderen Seite die Geistigkeit, die seine Väter auszeichnete, hinüber zu tragen — in tiefer Erkenntnis des Umstandes, daß es der Geist ist, den, in ewigem Streben und härtestem Ringen auszubilden, dem Sohne der Alma mater vor allem ändern ziemt. Das bringt unserem Aktivsein die Freude und den Segen. Wir fechten mit der Waffe und wir fechten mit dem Geiste. Die Waffe kann man uns nehmen, man kann ihr Anerkennung versagen. Den Geist wird uns niemand nehmen, und der Geist ist stärker als die Waffe. Den Rüpeleien der Außenwelt gegenüber mögen wir manchmal ohnmächtig sein. Dem Rufe nach sittlicher Anerkennung unserer geistigen Waffen wird man sich auf die Dauer nicht wiedersetzen können. Als geistige Waffenträger wollen wir das neue Jahrzehnt beginnen, und wir wollen unsere Jugend mannhaft erziehen. Nicht verweichlicht, sondern gestärkt sollen sie werden, an Körper durch Sport und Spielaber über allem diesen Körperlichen soll das Gemüt erhoben, der Wille gekräftigt, das Wissen gefördert und der Geist im ganzen gestärkt werden. Der Inhalt unserer Arbeit läßt sich nicht nach Art von Studienprogrammen zusammenfassen, weil er dem Einzelnen die Freiheit läßt, womit und wie er sich hauptsächlich ausbilden will. Aber an unseren Endzielen, der Schaffung und Förderung der Persönlichkeit, die opfert um der Sache willen, die sich fteut um der Freunde willen, die die Freunde liebt, um die Freundschaft zu erhalten, an allen diesen Zielen müssen und werden wir Weiterarbeiten. And wir wissen, diese Ziele sind ewig. Gottes Flamme soll sich in die Herzen senken, die Flamme unseres Gottes, dessen Erhabenheit uns übermittelt ist durch die Jahrtausende. Der alte Stamm wird neue Früchte tragen, wenn wir sein Wesen recht verstehen lernen und wenn wir namentlich uns eines vor Augen halten: Daß wir unserem Vaterlande nur dienen können, wenn wir uns selbst getreu sind. Dann werden wir ein Jahrzehnt des Aufschwunges erleben, und dieser Aufschwung ist es, den zu sördern wir uns alle geloben, ob alt, ob jung, ob ergraut im Dienste des Lebenskampfes oder beseelt von dem Vorwärtsdrängen einer unausgegorenen Jugend. So lieben wir unser grün-weiß-schwarzes Band und so lesen wir aus seinen Farben alles das heraus, was unsere Jugend mit ihm als Ideal mit verbunden hat. Laßt uns Kämpfer sein auch für die Zukimft, laßt unseren Wahlspruch „Recht geht vor Macht" für alle Ewigkeit in unserem Leben durchsetzen: Dies sei der Wunsch des heutigen Abends. st.e.kiäm!

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