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KC-Blätter · 1926-01-01 · Heft 1 (Januar 1926) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 1 (Januar 1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 ist, ob man den Mut hat, zu der Idee sich zu bekennen, ob man den Willen hat, für sie zu streiten. „Gebt mir eine große Idee, daß ich an ihr gesunde", hat Herder auf dem Sterbebette ausgerufen. Daß auch die Völker und Staaten den ewigen Gesetzen derSittlichkeit unterworfen sind, die sie ungestraft niemals verletzen dürfen — das ist die große Idee, die von den Propheten, von Dante uns überkommen ist: an ihr und nur an ihr kann unser kranke Zeit gesunden. 3o$ef Rirscb <*■»., tu so 3abr. m 31. Januar ds. Zs. feierte vr. Josef Hirsch (Spreviae/Lieariae) seinen 50. Geburtstag. Dr. Josef Lirsch ist zurzeit Vorsitzender des A. H. B. SPrevia und gleichzeitig Vorsitzender des Landesverbandes Brandenbürgischer K. C.er. Mit seiner Persönlichkeit verbindet sich ein großer Teil der K. C.-Geschichte. In den gut 30 Jahren, in denen er K. C.er ist, hatte er ohne Unterlaß an den gemeinschaftlichen Aufgaben wärmsten Anteil genommen. Sein Interesse für den K. C. ist in all den schweren Zeiten, die auch unsere Bewegung zum Teil miterleben mußte, nicht nur nicht gesunken, sondern hat sich ständig gesteigert. Stets hat er die ihm angetragenen Ehrenämter im K. C. übernommen, niemals Aussiüchte suchend und auf eine Arbeitslast hinweisend, die auch andere haben, sondern hat sich mit ganzem Herzen und mit allen Kräften der großen Sache des K. C. zur Verfügung gestellt. Gewiß ist die Tradition seines Elternhauses, das wahrhafte Patriziat einer jahrhundertelangen Vergangenheit, die seine Ahnen an der Spitze des Judentums stehend gesehen hat, ihm ein Vorbild gewesen, das ihn verpflichtete und auch verpflichten mußte. Aber er ist dieser Verpflichtung stets mit Freuden nachgekommen. Er hat sie im Gefühl der Verantwortung ohne jede Lleberheblichkeit in sich gespürt. Er, der überaus erfolgreiche Frauenarzt, der über eine große, ausgedehnte Praxis in allen Schichten unserer Bevölkerung verfügt und der weit über den Nahmen des Lieblichen Arme und Bedürftige unentgeltlich behandelte und sie unterstützte, hatte sür seinen Bund, für seine Kartellbrüder und sür den K. C. immer noch Zeit gehabt. Der sittliche Wert einer Betätigung für unsere Sache kann lediglich nach dem Opfer beurteilt werden, das der Einzelne ihr zu bringen gewillt ist. Llnd dieses Opfer hat Josef Hirsch gebracht, durch Opfern von kostbarer Zeit und Arbeitskraft. Es begrüßten und beglückwünschten am 31. Januar ds. Js. große Kreise des K. C. und die Leitung des Geschäftsführenden Ausschusses, sowie der A. H. B. Licaria und Sprevia unseren jugendlichen Freund, der mit 50 Jahren noch sein junges Herz bewahrt hat. Wir rufen ihm in Freundschaft das alte Wort zu: maete rruer virtute ina sic venis ad astra! L. H. Ansprache gehalten beim 3Üjährigen Stiftungsfeste der Verbindung „Licaria" in München am 9. Januar 1926 von Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer. Meine Herren! Es war längst mein Wunsch, in Ihren Reihen zu weilen und so bin ich denn herzlich gerne Ihrem Rufe gefolgt, an Ihrem 30jährigen Stiftungsfest teilzunehmen. Ich bringe Ihnen hierzu die Glückwünsche der Gemeinde, der Körperschaft, zu der Sie in einem besonders engen und vertrauensvollen Verhältnis stehen, ich bringe Ihnen die Glückwünsche des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der öffentlich-rechtlichen Vertretung der Juden in Bayern, die mit Stolz auf ihre akademische Jugend blickt. Sie verwirklichen an ausgesetzter Stelle die Kräfte einer Bevölkerungsgruppe, die, im deutschen Vaterlande fest und unauflöslich verwurzelt, doch zum Wohle des Ganzen ein gewisses Eigenleben führt nach besonderen Gesetzen und besonderen Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen sind nicht willkürlich, sie beruhen nicht aus politischen oder religiösen Gegensätzen, sie liegen fieser, es sind durch die Natur und durch die Geschichte gegebene Tatsachen. Es sei mir gestattet, auf'einzelne dieser Tatsachen einzugehen, da sie unsere Stellung und unser Wirken vernehmlich bedingen und den am feinsten empfindenden Teil unserer Gemeinschaft, unsere Jugend, in erster Linie beeinflussen. Das ist einmal die Form unserer Gemeinschaft. Sie ist eine durchaus demokratische. Es ist erstaunlich, wie der Gedanke der Gleichberechtigung, der Brüderlichkeit seit Jahrhunderten unsere Gemeinschaft beherrscht. Es ist erstaunlich, wie rasch die Gesellschaftsschichten, soweit sie überhaupt bestehen, sich verwischen, wie die unteren emporsteigen und in verhältnismäßig kurzer Zeit sich den oberen eingliedern und die Empfindung des Emporgekommenseins alsbald vergessen lassen. Es ist erstaunlich, wie die Disposition für Bildung und Besitz latent in allen Schichten und zu allen Zeiten vorhanden ist, wie die Fähigkeit sich in Wirklichkeit umsetzt, sowie nur die äußere Gelegenheit gegeben ist, wie aber auch ein jeder ganz anders als in unserer Umwelt den Anspruch erhebt, dem anderen gleich behandelt zu werden.

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