KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 63 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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auch im dem besten, dem sogenannten „verborgenen Deutschland" ein Fremdheitsgefühl gegenüber dem Juden lebt, darum ist die Emanzipation gescheitert, darum müssen wir Konsequenzen ziehen, darum müssen wir anerkennen, daß überstaatliche Nationalbindungen die Juden einen,"'darum fort mit.Euren Bekenntnissen", ebenso falsch wäre die Antwort der Völkischen: Weil wir Eure Gleichberechtigung nicht anerkennen, darum fort aus dem sichtbaren Kreis, darum verzichtet auf Eure Rechte, darum erkennt an, daß Ihr Fremdlinge seid. Was ist es zunächst um diese Gefühlssremdheit des deutschen Volkes? Es ist richtig, daß in weiten Kreisen der Bevölkerung ein solches Fremdheitsgefühl besteht. Aber dieses Fremdheitsgefühl ist das Gefühl der Fremdheit, das man gegenüber allem Unbekannten besitzt. Jahrhunderte hindurch war der Jude in seine eigenen Mauern verbannt, mußte zurückgebannt sein, nicht weil er es wollte, sondern weil die Staatsidee des Mittelalters, die Ausnahme von der Regel nicht kannte und kennen konnte, in dem Ghetto den Ausweg gefunden hatte, in dem sie den Juden die Möglichkeit einer menschlichen Existenz gewährte, ihn als brauchbares Hilfsmittel ausnutzte, ohne hierbei gegen den Grundsatz der einheitlichen Staatsreligion zu verstoßen, dieses Prinzip, daß der mittelalterliche Staat aus dem altertümlichen Staat mit Nationalgottheit übernommen hat. Die Emanzipation als tatsächliche Bewegung hat nur eine Generation gedauert, dann setzte die Reaktion des christlichen Staates ein. Ueberall wieder versuchte man, den Verkehr zwischen den Glaubensgemeinschaften abzuschließen, und es fehlte die Möglichkeit, Brücken der Verständigung zu bauen. So kommt es, daß heute gerade das „verborgene Deutschland" den Juden gar nicht kennt, jedenfalls nicht das „verborgene deutsche Judentum", sondern ihn nur kennt aus dem politischen Tageskampf, ihn nicht zu verstehen weiß und das Wort, das einem immer wieder begegnet: „Wären doch alle Juden wie sie", so unangenehm es für den Einzelnen ist, so typisch ist es. Dieses Fremdheitsgefühl entstammt nicht der gefühlsmäßigen Ablehnung, sondern der Unkenntnis. So ist dieses Fremdheitsgesühl nichts, das uns veranlassen könnte, uns in unserer Stellung beeinflussen zu lassen, um so mehr wenn wir den Gedankengängen der Völkischen folgen und einmal fragen, was denn letzten Endes Natibnalgeist im Sinne des Völkischen ist. Hierfür ist typisch ein Satz in der Oktobernummer der „Akademischen Blätter", der Zeitschrift des V.D. St., der im Zusammenhang mit der Freimauerei folgendes sagt: „Schon allein der Umstand, daß die Maurer ihr Volkstum dadurch zu fördern meinen, indem sie zugestandenermaßen ihre reiche Symbolik und ihr gesamtes. Ritual auf die englische, also ausländische, Logengründung von 1717 zurückführen und in dieser Form auch heute noch bewußt erhalten, ist alles andere als ein Hüten von Volkstumbelangen." Ist völkisch nun, wie es im Alltagsleben meist gedeutet wird, germanischer arischer Geist, dann ist auch englischer Geist germanisch-arisch, denn noch keiner der völkischen Studenten hat daran gedacht, selbst die Ungarn, trotz ihres mongolischen Einschlags,.geschweige die Engländer wegen ihres keltischen als Nichtarier zu bezeichnen, oder man geht so weit und scheidet völkische Belange als rein germanische, dann ist der völkische Staat eine Utopie, weil Slawen und Germanen, nordische und alpine Rassen in Deutschland sich so mischen, daß eine Scheidung nicht möglich ist, ohne daß eine eigene Rasse entstand. Dann aber wiederum rechtfertigt nichts, mögen völkische Bande noch so eng sein, den Juden aus der Volksgemeinschaft auszuschließen, weil er Jude ist, sich seiner Herkunft, seiner Ideale bewußt. Wenn also der K. C. heute noch besteht, so besteht er darum — ohne daß seine Idee gescheitert ist — weil das Ideal; das er sich setzt, der Kampf um die Ideale der Emanzipation nichts anderes ist, als der Kampf um die besten Ideale des deutschen Volkes, der Kampf um die Kulturgemeinschaft, wie sie letzten Endes für die Staaten der Zukunft, das einzig mögliche Unterscheidungsmerkmal ist. Das Beispiel, das uns von beiden Seiten immer wieder als typisch für die Richtigkeit ihrer Theorien hingestellt wird — für die Möglichkeit doppelter nationaler Bindungen von der Seite der jüdisch-nationalen, als Beweis für völkisches Empfinden von der anderen Seite — spricht deutlicher für als gegen uns. Gewiß der Deutsch-Amerikaner empfindet in der ersten Generation noch vielfach national-deutsch. Aber schon in der zweiten Generation wandelt sich das nationale Band in ein rein kulturelles und verblaßt mit den Generationen schließlich ganz. Aber die Trennung der Weltanschauungen bleibt nirgends stärker als in dem freien Amerika. — Man bedenke nur die Sektenbildung. — Und wenn dieses Aufgehen bei anderen Völkern insbesondere bei den Chinesen in Amerika nicht eingetreten ist, so ist auch dies erklärlich, weil hier das Band fehlt, das uns mit Deutschland verbindet, das Band der Kulturgemeinschaft. Chinesische und amerikanische Kultur ist einander weltenfern. Um hier Brücken zu bauen, sind längere Zeiträume erforderlich, als die, die wir überblicken. Hier kann das nationale Band bestehen bleiben, weil die Kulturtrennung das Entstehen eines anderen Nationalgefühls verhindert.