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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 62

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 62 (sequence 16)
Language
German
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62 galt, Stunden frohen Rückblicks auf mühsam errungenen Erfolg. Und aus ihnen allen leuchtet das Größte, was die Verbindung zu geben vermag: Freundschaft und Treue! Eine ungewöhnlich große Fülle von Arbeit in meinem Amte als Rabbiner einer Großgemeinde zwang mich, die Redaktion der K. C.-Blatter niederzulegen, aber wenn ich auch zuletzt nur in stillen Nachtstunden auf Kosten des Schlafes die Redaktionsgeschäfte erledigen konnte, mit unendlichem Danke und mit stolzer Freude sehe ich auf die sechs Jahre zurück. Denn sie haben mich einer großen Anzahl von gleichgesinnten Gliedern des Bundes nähergebracht, sie haben mir Freunde .gegeben, sie haben mich, dem spät in den K. C. Aufgenommenen, derart fest auf den Boden des persönlichen Zugehörigkeitsgefühls gestellt, daß mir heute so ist, als hätte ich bereits als junges Füchslein die Farben des K. C. getragen. So hat mir die Redaktionszeit unersetzlichen seelischen Gewinn gebracht, und ich kann meinen Rückblick nu-. mit einem Worte herzlichen Dankes dahin schließen, daß es mir vergönnt war, an so verantwortlicher und so hervorragender Stelle dem K. C. zu dienen. Ich hoffe, daß ich noch lange Mitarbeiten kann, und ich wünsche meinem Nachfolger von Herzen, daß ihm seine — hoffentlich über Jahrzehnte sich erstreckende Redaktionszeit — ebenso viel Freude und ebenso großen inneren Gewinn bringe wie mir. Der K. C.-Gedanke iti der Gegenwart. Von Dr. Hermann Berlak (Spr.,Fr.-Gh.) (K. C.-Redakteur seit 1923). Die Frage, ob der K. C. Schiffbruch erlitten hat, ist in den letzten Jahren immer wieder aufgeworfen worden von Freunden und Gegnern unserer Sache. Und diese Frage lag nahe. Wird doch gegen uns Sturm gelaufen von zwei verschiedenen Gegnern, zwei Gegnern, die erst aufgetaucht sind zu einer Zeit, zu der der K. C. bereits bestand, und die beide aus der Tatsache ihrer Existenz heraus die Existenzberechtigung und Existenzfähigkeit des K. C. glauben leugnen zu können. Beide sind sich einig in der Auffassung vom Wesen des Nationalen, beide sind geneigt, Volksbindungen der Blutsprobe zu unterwerfen, und doch sind beide entstanden aus verschiedenen Ideenwelten und aus diesen Ideenwelten heraus ist auch ihre Stellung zu uns bedingt. Der Zionismus war eine Frucht des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ein Gedankenbau nur verständlich, wenn man berücksichtigt, daß er geschaffen wurde von einem Mann, der die Assimilation des 19. Jahrhunderts in stärkster Steigerung verkörpert, der jüdische Bindungen nicht kannte und der den Zionismus nicht schuf als eine nationale Bindung im Sinne der Naturgegebenheit eines jüdischen Volkes, sondern ihn theoretisch aufbaute zur Beseitigung der Iudennot, zur Behebung der Randspannungen, zwischen Juden und Nichtjuden. Menschlichkeits-Ideale waren es, die letzten Endes seine Ideenwelt beeinflußten, Hoffnungen, wie sie entstehen konnten nur auf dem Boden des 19. Jahrhunderts. Anders die Ideenwelt der Völkischen. Dem liberalen Weltbürgertum des beginnenden 19. Jahrhunderts hatte dessen weiterer Verlauf die Reaktion des christlichen Staates entgegengestellt. Das Staatsrecht, das noch aufgebaut war auf den liberalen Traditionen der Emanzipation kam so in Widerspruch mit der auf dem Gedanken des unduldsamseinmüssenden christlichen Staates ausgebauten Staatsidee. In diesem Staat mußte der Antisemitismus als Verwaltungsprellerei eine Notwendigkeit werden und so mußte bei denjenigen, denen dieser Widerspruch zwischen staatsrechtlichen Gegebenheiten und Staatspolitik bewußt war, der Wunsch auftauchen nach der einen oder anderen Seite hin, Politik und Recht miteinander in Einklang zu bringen. So stand der K. C. auf der einen Seite, als Organisation derer, die im Bewußtsein ihrer selbst als deutsche Juden ihren Platz in der Heimat forderten, der Antisemitismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts auf der anderen Seite. Der Krieg brachte, so hofften wir alle, die Entscheidung dieser Frage in unserem Sinne. Aber er endete mit dem Zusammenbruch, und was lag näher, als daß Teile des Volkes suchten den Grund des Zusammenbruchs in sich zu finden, in der Struktur der Volksgemeinschaft und die daher versuchten, verstärkt nach der internationalen Welle, die nach dem Kriege über die Länder ging, all dem Großen die Reaktion entgegenzustellen, eine Volksgemeinschaft im engsten blutmäßigen Sinne zu schaffen. Nichts wäre falscher als völkischen Geist politisch als eine Einheit zu betrachten. Die Schattierungen dieser Bewegung sind außerordentlich mannigfaltig, und die Kämpfe, die innerhalb des V. D. St. und innerhalb des Hochschulrings Deutscher Art um die Frage: Republik oder Monarchie gegenwärtig ausgetragen werden, sind der naturnotwendige Ausdruck dieser Spannungen. Die völkische Bewegung legt uns — und in dieser Negation ist sie sich einig — die Frage vor: Was wollt Ihr ferner, da doch Euer Versuch, die Gleichberechtigung zu beweisen, erfolglos ist, nachdem wir von Euch verlangen, wenn Ihr Gleichwertigkeit fordert, daß Ihr gleichartig seid? Ebenso wie die Antwort des Zionismus falsch ist, der sagt: „Weil letzten Endes gefühlsmäßige Abneigungen nicht überwunden werden können, weil

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