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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 61

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 61 (sequence 15)
Language
German
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61 sches Dokument sein und bleiben, und kommende Geschlechter werden mit Abscheu und Staunen lesen, zu welchen Verirrungen und Gemeinheiten große Teile der deutschen akademischen Jugend sich erniedrigt hatten. Von Tag zu Lag würde es schlimmer, und jede Nummer hatte einen neuen Ausbruch einer fast pathologisch anmutenden Wut zu vermerken. Alle Verbände wurden rassenantisemitisch, den Corps und Landsmannschaften folgte sogar der von Juden mitgegründete A. D. B. Der Hochschulring deutscher Art wurde geschaffen, der nur Ariern gegenüber die Satisfaktion gestattete. Die Deutsche Burschenschaft nahm den Beschluß an — er kann nicht oft genug vor dem Forum der Kulturwelt wiederholt werden, — daß ein Burschenschafter ein „jüdisches oder farbiges Weib" nicht heiraten dürfe! Dazu traten die persönlichen Beleidigungen, die sich meist mit widerlicher Feigheit paarten. Man suchte unseren K. C. von der Beteiligung an akademischen Festen fernzuhalten, man nahm — wenn man das Chargieren nicht hindern konnte — von ihm Abstand, es kam zu tätlichen Angriffen auf die Träger der „Iudencouleur", wobei prinzipiell immer eine mindestens zehnfache Uebermacht auftrat, und nur zu. oft nahmen die akademischen Behörden gegen uns Stellung. Alles das berichten die K. C.- Blätter, aber sie wissen dabei auch von Tröstlicherem zu künden. Sie schildern auch mit Stolz die heldenmütigen Taten der kleinen Schar, die sich nicht unterdrücken ließ, die den Kampf gegen die Aebermacht tapfer aufnahm und durch Zähigkeit sich wenigstens das gleiche Recht erkämpfte. Einige K. C.-Verbindungen wurden suspendiert, es minderte ihren Mut nicht, und das ist. das kostbarste, wovon in der schweren Zeit der „Friedens"jahre die K. C.-Blätter zu erzählen wissen. Sie rühmen Persönlichkeiten, junge Studenten, die einem überstarken Gegner zum Kampfe sich stellen, die im Rücken von anderen jüdischen Studenten angegriffen werden, die bei der jüdischen Allgemeinheit nicht eine Spur von Verständnis für ihren Kampf finden, und die doch kämpfen und kämpfen und nicht ermatten! Und wie aus den Feldpostbriefen in der Kriegszeit, so spricht auch aus den schlichten Verbindungsberichten der Geist des K. C., der niemals durch seine Massen wirken wird, sondern immer nur durch die Kraft der jugendstarken, zielbewußten Persönlichkeit. Etwas aber, von der Entwicklung zu einer Art von Massenbewegung ist gleichfalls in der Zeit, da ich den K. C.-Blättern diente, zu verspüren. Der K. C. wurde sehr stark. An fast allen Universitäten wurden K.-C.-Verbindungen gegründet, und die Zahl der Aktiven nahm gewaltig zu. .Oft - ist die Frage erörtert worden, ob man daran recht getan hat. Denn daß in Rostock, Greifswald und anderswo auf die Dauer Verbindungen nicht zu halten waren, hat man im K. C.. gewußt. Wir vertraten aber stets die Idee — und ich halte sie heute noch für richtig — daß es in erster Reihe darauf ankommen müsse, jeden geeigneten Studenten zu gewinnen. Es war ebenso sinnlos, junge, für den K. C. in Betracht kommenden Juden nur deshalb zu verlieren, weil die zu gründenden Verbindungen sich, am Orte auf. die Dauer nicht halten konnten, wie-es sinnlos war und ist, Verbindungen mit Gewalt durch das Heranziehen ungeeigneterFüchs^ezu stützen. Selbstverständlich mußten manche Verbindungen wieder verschwinden,- in der Inflationszeit, als alles dem Kausmannsstande zuströmte, gingen selbst starke und gefestigte Stätten des K. C.- Geistes zurück, in kommenden Zeiten wird es sich aber erweisen, wie gut es war, daß der K. C. sich nach dem Kriege auch in kleinen Universitätsstädten bekannt gemacht und Stützpunkte gewonnen hat. Alles in allem darf man sagen, daß der K. C. den Stürmen der Kriegs- und Revolutionszeiten trotzen konnte, weil seine Idee klar und gut ist und weil seine Alten Herren nicht nur. durch persönliche Bande sich mit ihren Verbindungen eins fühlen, sondern weil sie sich auch im Philisterium als Pioniere einer Idee, betrachten. Weit mehr als in anderen Verbänden lebt bei uns der Alte Herr nicht nur im Kreise seiner Freunde aus der Studentenzeit, sondern in den Aufgaben des K. C. Gewiß ist das nur relativ — eben im Vergleiche mit anderen Gruppen — richtig, und wir sind weit davon entfernt zu glauben, daß alle Alten Herren sich der Arbeit im Verband widmen. Jedenfalls habe ich es stets als die vornehmste Aufgabe der K. C.-Blätter betrachtet, dieses Zusammenwirken zwischen jung und alt zu stärken. Die Aufforderung des jetzigen Redakteurs, auf die Zeit meiner eigenen redaktionellen Tätigkeit einen Rückblick zu. werfen und von ihr zu erzählen, zwang mich zweiunddreißig Hefte der K. C.- Blätter wieder zu lesen, und das große Geschehen, das in ihnen sich abspiegelt, stand mir wieder in seinem Werden vor Augen. Aber nicht ohne Bewegung, die Trauer und Wehmut geschaffen hat, habe ich sie wieder aus der Hand gelegt. Mit so vielen Gefährten, die im Leben mir nahestanden, und die jetzt die kühle Erde deckt, mit so manchem der für das Vaterland dahingegangenen Helden habe ich eine wehmütige Stunde seelischen Wiederfindens gefeiert. Und die Fülle dessen, was uns allen, was mir persönlich entrissen worden ist, stimmt mutlos und traurig. Auch anderes ist lebendig geworden: Stunden eiftiger Arbeit, die dem Wiederaufbau des K. C.

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