KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 60 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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. 60 Als der Waffenstillstand kam, wurden.wir vom ' Druckort der Zeitung in Aachen abgeschnitten, wir mußten neue Druckereien suchen, die wir der Druckpreise wegen öfters wechselten. Denn Inflation und Not machten sich auch bei uns bemerkbar. Das Papier wurde immer teurer und schlechter, die Hefte erschienen schließlich nur noch alle zwei oder drei Monate, sie wurden immer dünner. Immer dringender erklangen die Hilferufe an unsere Verbandsbrüder, denn gerade in der Zeit der Inflation, als es den Akademikern meist.geradezu miserabel erging, bedurfte es der größten denkbaren Opferwilligkeik, um die Zeitschrift aufrecht zu erhalten. Eine Zeitlang hatten K. C,-Büro und Redaktion keine andere Sorge als die Beschaffung der Mittel für die nächste Nummer, und hatten wir nicht in der größten Not immer wieder die Hilfe des „großen Bruders", des Zentralvereins gehabt, wer weiß, ob wir hatten durchhalten können. Die Opfer sind gebracht worden, aber es war bedauerlich, daß wir gerasde in d e r Zeit die Tücke des Objekts so sehr verspürten, da ein häufiges Erscheinen und ein verstärkter Umfang unserer Zeitschrift dringend vonnöten gewesen wären. Das alte Spiel aus der Gründungszeit der Viadrina wiederholte sich. Der Antisemitismus tobte sich auf akademischem Boden am stärksten aus, und die jüdische Öffentlichkeit kümmerte sich um die Besonderheiten des akademischen Gleichberechtigungskampfes und um seine Aufgaben nicht. Nur zu oft geben unsere Blätter in deü sechs Jahren meiner Redaktionstätigkeit dem Gefühle der tiefsten Niedergeschlagenheit über diese Blindheit der jüdischen Welt Ausdruck. Man konnte tun, was man wollte. Akademische Fragen waren in den Augen der jüdischen Welt eben „guerelles allemrmäe8". Das Gefühl unserer Vereinsamung wurde verstärkt durch das Verhalten der jüdischen Studenten. Das K. 2. V. löste nach dem Umsturz jede Beziehung zum deutschen Studentenwesen und verbot — ganz im Gegensatz zu den österreichischen Zionisten — sogar die Satisfaktion! Daß es sich damit auch aus der Kampffront gegen den spezifisch studentischen Antisemitismus löste und sich selber maßlos geschwächt und beinahe zerstört hat — eine Zeitlang hatte es sich sogar mit dem Blau-Weiß verbrüdert — war ebenso bedauerlich wie die heftigen Kämpfe, zu denen es an manchen Universitäten bei den Wahlen vor Asta zwischen den jüdischen Studenten der verschiedenen Richtungen kam. Auch das Verhältnis zu.den paritätischen Korporationen — meine ehrliche persönliche Gegnerschaft ihren Grundlagen und Bestrebungen gegenüber hat sich während meiner Beschäftigung mit dem hochschulpolitischen Leben ganz bedeutend vertieft — war deshalb kein erfreuliches, weil die zahlreichen jüdischen Mitglieder dieser Verbände für einen Kampf gegen den Antisemitismus^ in unserem. Sinne und mit unseren Mitteln naturgemäß nicht in Betracht kamen. Von den Kämpfen und Auseinandersetzungen über diese Dinge erzählt besonders die „Umschau", die ebenso von der Entwicklung der „Kameraden" berichtet. Auch dieser Verband, der an sich in unseren Ideen wirkten, in dem früher Kartellbrüder eine führende Rolle spielten, hat sich gerade während dieser sechs Jahre organisatorisch immer weiter vom K. C. fort entwickelt. Sein Versuch, seine Vereinigungen auch auf akademischem Boden zu gründen, ist freilich bald in sich selbst zusammengebrochen. Die Zeit war reich an neuen Ideen, das Bewußtsein, daß nach dem Kriegserleben manches anders geworden sein müsse und daß dies im akademischen Leben sich auswirken solle, war allgemein. Unsere Vertrauliche Beilage war ein Tummelplatz für alle Meinungen. Keine wurde unterdrückt, mochte sie auch oft genug gegen das Herkommen des Verbandes, gegen seine Prinzipien und gegen seine Ideen streiten. Und es war nicht immer leicht, bei der Fülle und der Heftigkeit der sich bekämpfenden Ueberzeugungen die sachliche Ruhe zu hüten. Allmählich kam aber die Klärung. Nachdem der Breslauer K.C.-Tag allseitige Entschiedenheit in der Ablehnung des Zionismus bewiesen hatte, . setzte sich die Richtung durch, welche die Redaktion in den K.C.-Blättern von jeher betont hatte, daß der K. C. — ohne im Komment, im Fechten und in der Couleur Selbstzweck zu erblicken — ein deutscher stu - dentischer Verband mit deutschen studentischen Formen bleik/en müsse! Als sichtbares Ergebnis der Zeit des Sturmes und Dranges wirkt nur die durchaus erfreuliche Betonung des Sportes und die ebenso dringende Forderung der Vertiefung in jüdischenFragen! Auf diesen letzteren Punkt habe ich selbstverständlich — meiner jüdischen Einstellung gemäß — den größten Wert gelegt, und eine Reihe von gediegenen Aufsätzen aus der Feder von Kartellbrüdern und Männern der jüdischen Wissenschaft haben in diesem Sinne Einfluß auf die jungen Kartellbrüder zu gewinnen vermocht. Auch zu allen Fragen jüdische r Politik, die in dieser Zeit die Welt bewegten — Ostjudenfrage, Palästina, nationaldeutsches Judentum — haben wir Stellung genommen. Alle inneren Probleme verblassen aber vor dem Judenhaß, den die K.C.-Blätter während der Berichtszeit in ihren Abwehrartikeln widerspiegeln. In diesem Punkte werden sie histori-