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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 59 (sequence 13)
Language
German
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59 Händen. Es handelt sich nur darum, sie anzuspannen und wirksam zu gebrauchen. Man wende hier nicht ein, daß eine Vereinigung von jugendlichen Menschen nicht solche Aufgaben erfüllen können; der K. C. ist nicht nur eine Jugendorganisation. Nur ein verhältnismäßig kleiner Teil seiner Mitglieder gehört zur eigentlichen Jugend. Die größere Zahl steht mitten im Leben, mitten in den Kämpfen des Geistes, der Wirtschaft und der Politik, die unser Leben heute erfüllen. Wir können daher den K. C. nicht mit irgend einer Jugendorganisation vergleichen und sein Organ nicht mit irgend einer Jugendzeitschrift in Parallele setzen. Es ist schließlich eine bekannte Tatsache, daß der Jude ganz besonders von den geistig Gebildeten eine starke Leistung erwartet. Mademische Organisationen wie der K. C. sind an sich dem Juden ftemd. Wir brauchen uns auch darüber keiner Täuschung hinzugeben, daß wir nicht immer mit freundlichen Augen angesehen werden. Diese Skepsis, die man uns gegenüber empfindet, kann und muß man dadurch überwinden, daß wir unsere geistigen Kräfte nach größter Möglich« keit verwenden. Die K. C.-Blätter haben schon viel dazu getan, das Ansehen des K. C. in den Augen der jüdischen Mitbürger zu heben. Das mögen wir nicht vergessen. Mit allem Ernste sei in dem Augenblick, in„ dem wir auf eine 16 jährige Geschichte der K. C.- Blätter zurückblicken können, auf die große Bedeutung unseres Organs hingewiesen. Es ist eine Lebensfrage für den K. C.er, daß sein Blatt die Aufgaben, die hier kurz skizziert sind, erfüllt. Wir binden unsere Mitglieder an uns, und wir verbreiten unser. Werk. Nicht uns selbst dienen wir, sondern dem deutschen Judentum, an dessen Arbeiten wir führend teilnehmen wollen und müssen. Führen kann aber nur der, der von dem Vertrauen derer, die er führen will, getragen wird. Kriegs- und Unisturzerrmierrmgerr eines K. C.-Klalter-Re-akteurs. Von Dr. Felix Goldmann (Thur., Saxobav.) (K. C.-Redakteur 1917— 1923). Nachts um V20 Uhr — es war im Mai des Jahres 1917 und ich lebte noch in der idyllischen Ruhe Oppelns — lautete das Telephon Sturm und weckte das ganze Haus. Als ich zagend und unruhig den Hörer abnahm, teilte mir das Telegraphenamt mit, daß soeben ein Telegramm eingegangen sei, dessen Wichtigkeit nach Ansicht der verantwortlichen Dienststellen ein Liegenbleiben bis zum Morgen nicht gestatte. Es lautete: „Bür eingezogen, Du mußt Redaktion übernehmen. Alexander." Da war nun nichts zu machen. Kriegsdienst ist eben Kriegsdienst. Für mich ebenso wie für Alexander. In der angenehmen Hoffnung, daß der Krieg bald zu Ende gehen und daß der Friede Alexander bald wieder in seine Rechte und Ehren einsetzen werde, empfing ich ein Postpaket mit den Redaktionsutensilien und ging mit frischem Mute ans Werk. Das 17. Heft der Kriegsausgabe (Mai/Juni/Juli 1917) war das erste, das ich herausgab, imd fast sechs Jahre — bis zum 1. April 1923 — hat es gedauert, bis sich ein neuer Redakteur fand und der G. A. imstande war, meine wiederholt vorgebrachten Bitten um Entlassung aus meinem Amte zu genehmigen. Sechs Jahre sind eine lange Spanne Zeit — bis jetzt war ich der ausdauerndste K. E.-Blätter- Redakteur — und gerade in ihnen hat sich im Leben des deutschen Vaterlandes und des Judentums Gewaltiges abgespielt. Der Krieg ging zu Ende, der Umsturz kam, das Reich erhielt seine neue Verfassung, Versailles lastete mit seinem Entsetzen auf den Gemütern, Elsaß-Lothringen, Posen und Westpreußen gingen durch rohe Gewalt verloren, Oberschlesien wurde verstümmelt und geraubt, die Wirtschaft zehrte sich auf in der Inflation. Hand in Hand damit ging der gewaltige Ansturm des Judenhasses, der gerade auf akademischem Boden Formen von bodenloser Gemeinheit annahm. Diese sechs Jahre waren wirklich eine Zeit großer Geschehnisse, und durchblättere ich heute noch einmal in ernster Erinnerung die zweiunddreißig Hefte, die in den Tagen meiner Redaktionstätigkeit herausgekommen sind, so fühle ich, wie wenig studentische Sorglosigkeit, wie wenig harmlose, fröhliche Jugend aus den Blättern klingt, und wie sehr das ernste Geschehen der Zeit alles andere verdunkelt. Schon äußerlich waren die Schwierigkeiten groß. Als ich die Redaktion übernahm, herrschte strenge Kriegszensur. Mainzer in Frankfurt war Verleger, und ihm lag der Verkehr mit , der Zensurbehörde ob. Er weiß ein Lied von den Schwierigkeiten und Seltsamkeiten, die das Amt mit sich brachte, zu singen. Adressen von Feldsoldaten durften nicht veröffentlicht werden, jede Spur von ernster oder gar trüber Auffassung der Kriegslage im Feldpostbriefe wurde rücksichtslos getilgt, dem allgemein herrschenden System der Selbsttäuschung mußte sich auch die Zeitung beugen. Immerhin aber bedeutet unsere Sammlung von Feldpostbriefen ein Kulturdokument. Herzlich bedauere ich, daß sie nicht weitere Verbreitung gefunden hat, ist sie doch ein eiserner Wall, den ehrliche Vaterlandsliebe und ungekünsteltes deutsches Bewußtsein errichtet hat und an dem die Giftgeschosse der Verleumdung wirkungslos abprallen.

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