KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 58 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2268830-2268952-2268956--3113-2272295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^^777 58 .’’- /'4spräche. Wir verlangen ja auch von unfern Mitgliedern gerade im K. C., daß sie an erster Stelle im Kampfe um die Verwirklichung unserer Idee austreten. Deshalb muß die Erziehung eine besonders intensive und sorgfältige sein. Wir vermitteln aber unser Erziehungswerk zu einem guten Teil durch unsere Blätter. Sie müssen auf den Ton gestimmt sein, der dieser Aufgabe entspricht; unsere Idee muß nach allen Seiten und nach jeder Richtung hin beleuchtet werden. Oberflächlichkeit sollte hier keinen Platz haben. Die tiefste Vergeistigung müßte für uns gerade gut genug sein. Jnd en K. C.-Blättern müßten wir die besten Waffen finden, die wir für unsere Arbeit brauchen. Selbstverständlich hat das Blatt nicht nur die Erziehung des jüdischen Akademikers im Kampfe um die Gleichberechtigung des Juden zu fördern, sondern die Erziehung zum jüdischen Menschen und zum Menschen überhaupt vorzubereiten. Welche Fülle von Material bietet sich da! Der Redakteur dürste von rechtswegen nicht wissen, wie er all die gute Hllfe, die ihm geleistet wird, unterbringen kann. Man kann sich nun des Eindruckes nicht erwehren, als ob unter dem Druck der Nachkriegsverhältnisse die K. C.- Blätter aus dem Platze, den sie bis dahin im Herzen eines jeden K. C.ers eingenommen haben, ein wenig verdrängt worden sind. Früher haben wir uns auf jede Nummer gefreut, und wir konnten den Augenblick, in dem sie erschienen, Laum erwarten. Und ich glaube nicht nur uns Jüngeren, sondern auch den Aelteren ging es so. Allerdings erschienen die Blätter regelmäßig und in kurzen Abständen. Die Ereignisse der Nachkriegszeit, vor allem die unglückseligen wirtschaftlichen Verhältnisse haben so manches Band gelockert. Aufgabe der K. C.- Blätter nun muß es sein, die Kette, die uns früher umwunden hat, wieder zu schließen. Der jetzigen Leitung ist Dank dafür abzustatten, daß sie dieses Bestreben ganz offensichtlich hat. Aber damit die K. C.-Blätter ihre hohe Aufgabe unter uns K. C.ern wieder erfüllen, ist vor allem ein Aeußeres notwendig: sie müssen wieder regelmäßig und zum mindesten allmonatlich erscheinen. Was vor dem Kriege möglich war, als die Zahl unserer Verbandsmitglieder viel kleiner war, was sogar während des Krieges durch geführt werden konnte — nur aus technischen Gründen, weil die Versendung ins Feld nicht jeden Monat zu bewältigen war, gaben wir alle 2 Monate eine Doppelnummer heraus — müßte auch heute mit Leichtigkeit erreicht werden können. Ist doch heute die Zahl der K. C.er im Verhältnis zu der . Vorkriegszeit auf mindestens das Doppelte, wenn nicht noch auf viel mehr gestiegen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse unter den Akademikern haben sich erfreulicherweise gebessert. Es ist kaum einzusehen, welche Schwierigkeiten da noch bestehen können. Eine Zeitung, die zu selten erscheint, verliert den Kontakt mit ihren Lesern, und die Leser,' die vielfach nur durch die Zeitung miteinander verbunden sind, gehen der Berührung untereinander verlustig. Wenn also die K. C.- Blätter ihre Bedeutung nicht verlieren wollen, so möge man schleunigst den alten Zustand wieder Herstellen. Und das möge noch aus einem weiteren Grunde geschehen: Die Bedeutung der Zeitschrift liegt nicht nur in ihrem Verhältnis zu den Verbandsmitgliedern selbst, sondern auch in der Einwirkung auf Dritte. Wie die K. C.-Blätter von Anfang an nicht nur sich aus Verbandsmitteilungen beschränken wollten, sollte der Kreis der Leser auch nicht ausschließlich auf die K. C.er begrenzt bleiben. Wir haben immer Wert darauf gelegt, daß unser Organ auch in andern Kreisen des deutschen Judentums Eingang fand. Wir hatten zu Zeiten eine nicht unerhebliche Zahl von Abonnenten. Einer großen Reihe einflußreicher Persönlichkeiten wurde das Blatt regelmäßig zugesandt, und es ist uns allen bekannt, welches Ansehen es genoß. Die Tatsache, daß die besten Kräfte für es geschrieben haben, beweist es zur Genüge. Geht aber eine akademische Zeitschrift über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus, so muß sie sich der ganz besonderen Verantwortung, die sie damit übernimmt, bewußt sein. Von einer Zeitschrift, hinter der Akademiker stehen, verlangt man etwas besonderes und muß etwas besonderes verlangen. Die Fülle der geistigen Kraft, von der wir oben schon sprachen, muß sich hier nach außen hin kundtun, und nichts schadet einem akademischen Verband mehr, als wenn er eine schlechte Zeitschrift herausbringt. Sein Organ ist seine Empfehlungsanzeige. Von dieser Anzeige schließt der Außenstehende auf die Seele des Verbandes. Wollen wir anerkannt wissen, daß wir zu einer führenden Rolle berufen sind, so muß unsere Zeitschrift das beste Zeugnis für uns ablegen. Darüber hinaus aber müssen wir durch unser Blatt der Verbreitung unserer Idee dienen, die ja nicht nur im K. C. wurzelt und die nicht auf ihn beschränkt bleiben kann. Neben den andern Blättern, die im Sinne dieser Idee geschrieben sind, muß daher das K. C.-Blatt als zum mindesten vollwertiges, wenn nicht aus den schon dargelegten Gründen, vertieftes Instrument gelten. Die großen Fragen, die für uns von Bedeutung sind, müssen in ihm einen Niederschlag finden, nicht nur für uns, sondern auch für die andern. Wir sollten führend in allen geistigen Problemen, die uns angehen, voranschreiten. Die geistigen Mittel, die dazu notwendig sind, sind sicherlich vor-