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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 57

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 57 (sequence 11)
Language
German
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Die zionistischen Führer haben — viel zu spät — die Gefahren, die ihren Bestrebungen in Palästina drohen, erkannt. Auf dem letzten Kongreß hat Weizmann die nationalen Forderungen weit zurückgesteckt und manche Illusionen zerstört. Heute sprechen nur noch einige radikale Oppositionelle von Militärforderungen oder Judenstaat. Ganz anders ist es aber in den Ländern der „Diaspora". Man hätte meinen sollen, daß das Streben, nichtzionistische Juden im Keren hajessod und Jewish Agency zur Palästinaarbeit heranzuziehen, die Zionisten veranlaßt hätte, die nationalistischen Bestrebungen außerhalb Palästinas zurückzustellen. Das Gegenteil ist der Fall! Um die Opposition, die aus der Mitarbeit von Nichtzionisten eine Verwässerung des nationalen Gedankens befürchtet, zu beruhigen, will man den Nationalismus in den Ländern der Diaspora immer radikaler gestalten. Hier besteht eine Gefahr, die die Stellung der Judenschaft in allen Ländern aufs schwerste bedroht. Genügt nicht das palästinensische Beispiel? Soll überall der Haß vertieft, die Isolierung verstärkt werden? Wer das Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unserer jüdischen Gemeinschaft in sich trägt, muß die Gefahren der jüdisch-nationalistischen Bestrebungen erkennen und diese Bestrebungen nicht nur ablehnen, sondern sich mit ihnen beschäftigen, um sie zu bekämpfen. Weber die Bedeutung einer jüdischakademischen Zeitung. Von Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander, Krefeld (Badeniae-Vavariae, Rheno-Silesiae). (K. C.-Redakteur 1914—1917). Nicht ohne Wehmut wird der, der einmal die Leitung dieser Zeitung innegehabt hat, der Aufforderung des derzeitigen K. C.-Redakteurs, anläßlich des 15jährigen Bestehens unserer Zeitschrift einen Beitrag zu liefern, Folge geleistet haben. Wir alle, die wir einmal unsere Kraft für diese Blätter einsetzen durften, werden gestehen müssen, daß die Zeit, in der wir für sie gearbeitet haben, mit die interessanteste unseres Lebens gewesen ist. Sie war auch eine Zeit, in der wir mit der Jugend,- wenn wir auch selbst nicht mehr zu ihr gehörten, aufs engste verbunden waren; und die Arbeit für und mit der Jugend erhält jung. Für mich insbesondere wird die Zeit, in der' ich die Redaktion unserer K. C.- Blätter führte, unvergeßlich bleiben. Kriegszeit war es, und ich war mir klar, daß ich durch die Ausgestaltung unserer Blätter, deren Fertigstellung damals aus mancherlei Gründen nicht immer leicht war, nicht nur den Zusammenhang unter den auf allen Kriegsschauplätzen verstreuten Kartellbrüdern aufrecht erhielt, sondern daß dadurch auch der große Gedanke des K. C. trotz allem, was auf uns einstürmte, vor der Vergessenheit bewahrt blieb. Interessant war die Arbeit, weil die besten Männer des deutschen Judentums gerne für uns schrieben. Sogar der unvergeßliche Hermann Cohen, zweifellos eine der bedeutungsvollsten Persönlichkeiten, die die deutsche Geisteswelt in den letzten Jahrzehnten gesehen hat, sprach aN dieser Stelle zur deutsch-jüdischen Jugend. Unvergeßlich wird mir auch die Erinnerung an jene Stunde bleiben, in der ein anderer Großer des deutschen Judentums, Eugen' Fuchs, auf der Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Winter 1916/17 erklärte, daß die K. C.- Blätter zu den besten Zeitschriften des deutschen Judentums gehörten. An diese Worte möchte ich heute anknüpfen. Sie seien nicht deshalb erwähnt, um ein Werturteil zu bringen, daß einmal über unsere Zeitschrift ausgesprochen wurde, sondern dieser Worte sei hier gedacht, weil ich weiß, daß Eugen Fuchs immer die Meinung vertrat, die K. C.- Blätter seien verpflichtet, zu den besten jüdischen Zeitschriften zu gehören. Man kann die Aufgabe einer akademischen Zeitschrift nicht hoch genug einschätzen. Gewiß, man könnte die Meinung vertreten, daß ein solches Blatt nur ein Mitteilungsorgan für den Verband sei, dessen Ziele allein darin gipfeln, Verbandsnachrichten zu verbreiten. Es gibt ja auch studentische Organe, die nichts weiter sind und nichts weiter sein wollen. Vielleicht hat aber auch ein solcher Verband keinen tieferen Gedanken, den er seinen Mitgliedern vermitteln kann. Die K. C.- Blätter aber haben sich vom ersten Tage ihres Erscheinens an die Ausgabe gestellt, nicht nur Verbandsmitteilungen zu veröffentlichen, sondern auch die Idee des K. C. zu vertiefen und zu verbreiten. Die K. C.- Blätter wollten also auch eine jüdisch-wissenschaftliche Zeitung sein. Ein Organ aber, das von einem akademischen Verband herausgegeben wird und dieses Ziel sich setzt, muß über anderen Blättern stehen. Wir wollen gewiß nicht für uns Akademiker den Ruhm in Anspruch nehmen, daß wir höhere Intelligenz besitzen als andere Menschen, aber es ist eine Selbstverständlichkeit, die in unserer umfassenderen geistigen Ausbildung begründet liegt, daß wir stärkere geistige Kräfte in uns tragen müssen als die, die eine andere Entwicklung durchgemacht haben. Anders können wir überhaupt unsere Aufgaben im Leben nicht erfüllen. Deshalb dürfen und müssen wir auch zu unsern Mitgliedern in einer Sprache sprechen, die gewählter ist als die gewöhnliche Zeitungs-

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