KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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.S; ..j ^j , ^Jt? 56 jüdischen Nationalität mit eigenen autonomen Rechten, in Mittel- und Westeuropa wird als Mindestforderung die kulturelle Autonomie verlangt. Grundsätzlich ändert dies aber wenig. Denn überall fordert der Zionismus den Weltkongreß als die politische Vertretung der über alle Landes- und Staatsgrenzen hinweg einheitlichen Nation. Und überall will der jüdische Nationalismus sich in einen Gegensatz stellen zur nichtjüdischen Bevölkerung, indem er die Eigenart im Uebermaß betont, die Besonderheiten, das Trennende fördert und eine Sonderstellung der Gesamtjudenschaft erstrebt. In diesem Streben trifft der jüdische Nationalismus mit den Forderungen der antisemitischen Nationalisten zusammen. Auch diese betonen die Besonderheiten und das Trennende und verlangen unter diesem Vorwand eine Sonderstellung der Juden. Die Ideologie desjüdischen unb des antisemitischen Nationalismus hat die gleichen Ausgangspunkte. Beide erblicken als Grundlage des Nationalen die Rassenabstammung; weil Juden und Nichtjuden verschiedener Rasse seien, könnten sie nicht Volksgenossen sein. Daher könnte genau so gut im „Völkischen Beobachter" gestanden haben, was z. B. einmal in einem Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" stand: „Was wir unter national verstehen, ist die geburtsmäßige Stammeszugehörigkeit.Nationalität ist keine Sache der freien Wahl, sie ist das unveränderliche Faktum der Geburt. Geborene Juden saus jüdischem Stamm geborene) können nur jüdischnational sein. Deutscher Nation, d. h. deutschen Stammes, sind wir nicht und können es nicht sein. Deutscher und jüdischer Nation — was manche sein möchten — sind sehr wenige: nämlich Kinder aus Mischehen zwischen Deutschen und Juden." Viele werden sich wohl noch der schädlichen Wirkungen der Kunstwartdebatte erinnern, in der zurrächst Moritz Goldstein und nach ihm andere Zionisten sich bemühten, einen unüberbrückbaren Kulturkonflikt zwischen Deutschtum und Judentum nachzuweisen, die den Antisemiten eine Fundgrube wurden von Zitaten gegen die Juden. Wie oft hielten sie uns Sätze vor wie die: „Wir Juden verwalten den geistigen Besitz eines Volkes, das uns die Berechtigung und die Fähigkeit dazu abspricht." oder einen anderen: „Freie Juden können wir nicht sein, solange wir in einem fremden Kulturkreis stehen. And unsere Entfremdung von dem uns umgebenden Volke, unsere kulturelle Geschlossenheit als Juden müssen wir schon hier mit allen Mitteln fördern." Es ist kein Zufall, wenn antisemitische Schriftsteller sich immer und immer wieder auf zionistische Zeugnisse berufen können. Ich will dabei gar .nicht von den nicht zu seltenen Fällen sprechen, wo Zionisten deutschfühlende Juden wegen ihrer deutschen Gesinnung verdächtigten, oder wo zionistische Heißsporne so weit gegangen sind, in Abwehrversammlungen mit unseren antisemitischen Gegnern gemeinsam uns unser Deutschtum abzusprechen. Denn es kommt mir nicht darauf an, Einzelfälle einer schädlichen Taktik aufzuzählen, sondern nachzuweisen, wie eng die geistigen Beziehungen zwischen jüdischem Nationalismus und Antisemitismus sind. Sehr bedenklich wird diese Gegenwirkung aber, sobald politische Folgerungen gezogen werden. Wie gerne greifen die Antisemiten die zionistische Phrase auf, wir seien nur Gäste im deutschen Wirts Volk, um daraus die Folgerung zu ziehen, daß wir als Fremde behandelt, also unter Fremdenrecht gestellt werden müßten. Die zionistische Forderung nach eigener nationaler Autonomie wird von den Antisemiten in Rumänien, Ungarn und Oesterreich beispielsweise mit der Forderung beantwortet, daß auch die Universitäten nach nationalistischen Grundsätzen verwaltet, daß numerus clau8us und Prozentuaren eingeführt werden müssen, die sich dann allerdings gegen die Juden richten. Noch vor kurzem hat — um eine naheliegendes Beispiel zu wählen — der Deutsche Akademikertag in Elberfeld jüdisch-nationale Forderungen zum Anlaß folgenden Beschlusses*) gemacht: Auf Grund der Tatsache, daß die Juden ein eignes Volk bilden, das über die ganze Wett zerstreut, doch die Weltverbindung unter sich, sogar mit eigener politischer Spitze, durch den jüdischen Staat in Palästina, unterhält, ist die deutsche Staatsleitung aufzufordern, unverzüglich die Juden als nationale Minderheit im deutschen Reich zu erklären und die sich daraus regelnde Rechtsstellung zu schaffen." Gewiß, diese Konsequenzen haben die Zionisten wohl nicht gewollt. Aber in der praktischen Politik macht die. Entwicklung einer Idee nicht immer dort halt, wo der Urheber es wünscht. Der Politiker muß daher gewillt sein, auch sämtliche Konsequenzen zü akzeptieren, die aus dem ersten Schritt folgen. Die außerordentliche Gefahr des zionistischen Strebens nach einer Sonderstellung der Judenschaft liegt gerade darin, daß diese Sonderstellung allzu leicht zu einer Isolierung, zu einer Pariasstellung führt. Denn wir sind in allen Ländern nur eine kleine Minderheit. Isolieren können wir uns bald, wir haben es aber dann nicht mehr in der Hand, unserer Gemeinschaft im Staatsleben noch die Stellung zu sichern, die sich die Zionisten erträumen, dazu sind unsere eigenen Kräfte viel zu gering. Die Nationalitätsspielerei der Zionisten ist daher keine harmlose Sache. *) K. C.-Mitteilungen 1925, S. 54.