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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 55

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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55 tu vollständiger Verständnislosigkeit für die Psychologie eines nichteuropäischen Volkes, wie die Araber, führten sich so auf, daß den übelwollenden Hetzern Gelegenheit, gegeben wurde, dem Volke einzureden, die Juden wollten tatsächlich die Herrschaft in Palästina antreten. Ich erinnere hier an die häufigen großartigen Demonstrationen in Europa und in Palästina und den ungeheuren, mit Automobilen raffelnden, viel Geld ausgebenden zionistischen Apparat, der als Generalstab einer folgenden Armee von den Arabern mißdeutet wurde.... Aus diesem Wege entstand fast eine Einheitsfront der Araber gegen die Juden." Besonders kräftige Worte findet Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem (I. R. 1921. Nr. 67): „Müffen wir also die Last des Judenhasses auch nach Palästina bringen? Fast scheint es so. . . . And freilich, wir haben ihn (den Laß) genährt. Wir haben beantragt, daß man die Araber aus Palästina wegkolonisieren (Zangwill), daß Palästina so hebräisch sein müsse, wie England englisch (Weizmann). Wir schrien: „Jüdische Majorität!" d. h. Herrschaft! Herrschaft! Wir sind ganz verseucht von europäischer Machtideologie.Aber tatsächlich liegt die Tragik in Worten. Tatsächlich hat unsere Kolonisation arabische Dörfer reich gemacht nnd gefestigt. . . Nicht unsere tatsächliche Arbeit in Palästina regt die Araber aus, sondern die politische Deklaration, die hinter jedem Imigranten zu stehen scheint." Diesen Aeußerungen ließen sich noch zahlreiche ähnliche anreihen. Ich will zum Schlüsse nur noch auf die ebenso eingehende wie interessante Darstellung über die zionistische Araberpolitik Hinweisen, die Eugen-Höflich in seinem, von heißer Liebe für Palästina durchtränkten Buche „Die Pforte des Ostens" gibt. Er selbst schreibt darin: „Der Iudenstaat hat uns geschadet, seine Idee war ein Ergebnis europäischen Denkens; wir wollen ihn begraben, und auf seinem Grab die Fahne auspflanzen, die auf der einen Seite grün, auf der anderen Seite blau und weiß, Symbol des künftigen semitischen Bundes ist. . . . Wenn der Zionismus von seinem weltpolitischen Piedestal endlich herabgestiegen sein wird, um sich lokal zu orientieren, dann erst wird es ihm möglich sein, aus der tragikomischen, aber sehr gefahrenschwangeren Rolle weltpolitischen Dilettantismus in die ihm zukommende Funktion innenpolitischen Wirkens einzutreten." Trotz dieser bösen Erfahrungen hat man aber auch in der Folgezeit nichts unterlassen, was die Araber reizen könnte. Welche Erregung knüpfte sich an die Einweihung der Universität! Daß man in Jerusalem ein jüdisches wissenschaftliches Institut gründet, auch daß man ihm den vorläufig noch wenig zutreffenden Namen einer Universität verleiht, hätte die Araber sicher recht gleichgültig gelassen, die beispielsweise von der einige Wochen vorher in Haifa erfolgten Gründung eines Technikums keinerlei Notiz genommen hatten. Jedoch verknüpfte man die Eröffnungsfeierlichkeiten mit einer großen nationalen Demonstration, zu der man den Lord Balfour, der der Deklaration den Namen gegeben hatte, einlud. Man erinnert sich, welche Erregung unter den Arabern entstand, beginnend mit Trauerkundgebungen und einem Generalstreik der Araber in Palästina, endigend mit der sensationellen Flucht Lord Balfours aus Damasmus. Schon bevor diese bösen Folgen eingetreten waren, urteilte selbst die „Jüdische Rundschau" (1925 Nr .21): „Es war zu erwarten, daß die lärmenden Vorbereitungen zur Eröffnung der jüdischen Aniverfität in Palästina die arabischen Mitbürger in Aufregung versetzen würden. Wenn man heute übersieht, was in den letzten Monaten für ein Lärm und — sit venia verbo — für eine Reklame um die Eröffnung der Aniverfität aus dem Skopus sich erhoben hat, so fragt man sich, ob das notwendig so hat sein müffen. Es ist sicher nichts dagegen einzuwenden, daß man der Eröffnung dieses Instituts, .... einen feierlichen, würdigen Charakter zu verleihen sucht.__ Aber es ist unverständlich und es war vor allem unnötig, der Sache eine demonstrative und damit ungewollt und unbewußt fast provokatorische Form zu geben. Wir hatten genug Gelegenheit, zu erfahren und zu lernen, wie eine, solche Ausmachung aus das arabische Lager wirken muß. Die ganze Aufregung wäre zu vermeiden gewesen, sie ist unnötig." Ich habe die Entstehung des Judenhasses bei den Arabern so ausführlich beschrieben, weil es sich hier um eine leicht übersehbare Entwicklung von wenigen Jahren handelt. Die unkomplizierten sozialen und politischen Verhältnisse Palästinas lassen in deutlicher Weise die psychologischen Ursachen der plötzlich auftauchenden Feindschaft der Araber erkennen. Gewiß, neben dem jüdischen Nationalismus haben auch andere, besonders gegen England gerichtete Strömungen mitgewirkt, deren Quellen wohl in Paris und Moskau liegen dürften. Jedoch lassen alle Tatsachen keinen Zweifel darüber und die zionistischen Zeugnisse bestätigen es, daß der rasche GesinnungsUmschwung, der in wenigen Jahren die Araber aus Freunden zu den erbitterst en Feinden der jüdischen Kolonisation gemacht hat, erst einsetzte, als die zionistische Arbeit in Palästina begann, und daß er in der Hauptsache nureineReaktionaufdiechauvinistische Politik der Zionisten ist. Die Ursachen des modernen Judenhasses in den europäischen Ländern lassen sich natürlich nicht auf eine so einfache Formel bringen. Hier hat Judenhaß seit jeher bestanden, einmal stärker, einmal schwächer. Der jüdische Nationalismus war nicht die ursprüngliche Ursache, sondern — was ich schon einleitend bemerkte, — viel eher die Folge des Antisemitismus. Auch muß beachtet werden, daß der jüdische Nationalismus keineswegs überall gleiche Formen zeigt. In Palästina steigert er sich bis zur Forderung des Judenstaats und eigener Militärmacht. im europäischen Osten verlangt er wenigstens verfassungsrechtliche Anerkennung der

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