KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 54 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
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Noch dringlicher ist die Frage: ist dieses System der Isolierung, zu dem die Errichtung eigner Iudenviertel führt, als gesund zu bezeichnen? .... Die jüdischen Stadtviertel sind eine Wiederholung der alten Ghettos, wenn auch mit dem Anterschiede, daß sie freiwillig und nach hygienischen Grundsätzen errichtet werden. Sie trennen uns hermetisch von der übrigen, hauptsächlich arabischen Bevölkerung, mit der gemeinsam uns die Aufgabe zusällt, das weitere Schicksal Palästinas zu gestalten. Dagegen führt die scharfe Absonderung zur Entfremdung und bereitet einen Boden, auf dem jedermann seine Saat ausstreuen kann und diese kann wieder unerwünschte Früchte bringen. Ansere strenge Absonderung zieht noch eine andere innere Folge nach sich, die wir unbedingt vermeiden sollten, — sie begünstigt den Chauvinismus und den nationalen Fanatismus .... Eine gewiffe Lypertrophie als Folge eifrigen Kultivierens ist allzu begreiflich. Aber wie oft geschieht es, daß dieses berechtigte Streben, eine nationale Sphäre zu schaffen und nationale Lebensgrundlagcn zu legen zum Chauvinismus und selbst zur Llnduldsamkeit führt. Die Einwohner von Tel Aviv würden wahrscheinlich sich wundern, wollte man sie fragen, ob sie eine Wohnnng an einen Nichtjuden vermieten oder seinen Sohn in ihr Gymnasium ausnehmen würden. Änd doch hat die Alliance richtig und weitsichtig gehandelt, als sie die Türen ihrer Schulen den wenigen Arabern oder Türken, die da anklopfen, gastfreundlich öffnete. - , Was aber auch jetzt zu vermeiden ist, das ist der Kultus des Fanatismus, der bisweilen sowohl von lokalen als auch von herbeigereisten Agitatoren propagiert wird; eine solche Propaganda ist nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich." Als nach dem Weltkriege die Balfour - Deklaration den zionistischen Wünschen Erfüllung zu gewahren schien, da setzte sich die begreifliche Begeisterung in einen stark zunehmenden Nationalismus um. Auch hier ist es wieder sehr interessant, wie das Arabertum darauf reagierte. Die Balfour-Deklaration hat zunächst die Araber kaum beunruhigt. Denn in Wirklichkeit war durch sie den Juden in Palästina nur die Gleichberechtigung, nicht aber eine privilegierte Stellung gegenüber den Arabern zugesichert. Sie sollten ein nationales Heim in Palästina haben dürfen, was in gleicher Weise den Arabern gestattet war und nichts anderes bedeutet, als daß sie ihre kulturellen Angelegenheiten selbständig regeln dürfen. Die Araber haben daher die Balfour-Deklaration selbst zunächst nicht bekämpft. Noch im 3ahre 1919 hatte Emir Feisul, der spätere König', eine Sympathieerklärung an Prof. Frankfurter, einen amerikanischen Zionisten, gerichtet, in der es hieß: „Wir arbeiten zusammen für einen neugestalteten und wiederauflebeniden Orient und unsere beiden Bewegungen ergänzen einander." - Die Araber wurdener st stutzig, als der nationalistische Zionismus offen die Herrschaft in Palästina verlangte. Und es waren nicht nur einige extrem Radikale, sondern der Präsident der zionistischen Organisation, Prof. Weizmann, der das Wort aussprach. daß Palästina so jüdisch werden solle, wie England englisch. Zionistische Führer verlangten eine jüdische Militärmacht, die jüdische Legion in Palästina, ganz im Stile eines imperialistisch gerichteten Nationalismus. Man kann sich vorstellen, wie solche Aeußerungen auf die Araber wirken mußten. Was leichter, als ihnen klar machen, daß die Inden ihnen das Land abnehmen wollten, das ihnen seit einem Jahrtausend eine Heimat geworden war. So entstand als Gegenwirkung der national-jüdischen Propaganda eine rasch wechselnde arabische Nationalbewegung, die in einer heftigen judenfeindlichen Hetze zum Ausdruck kam und sich sogar in Progromen in Jaffa und Jerusalem Luft machte und noch heute ungemindert affdauert. Dabei muß man sich vor Augen halten, was die Verständigung mit den Arabern für die Palästina-Kolonisation bedeutet. Denn die Araber bilden nicht nur in Palästina die sechs- bis siebenfache Uebermacht. In den großen Länderstrecken von Aleppo bis Aden und von Mekka bis Bagdad ist eine große arabische Nation erstanden, die das kleine Palästina von allen Seiten umfaßt. Einfachste politische Klugheit gebietet es, mit den 30 Millionen Arabern eine Verständigung zu suchen, um nicht von ihnen erdrückt zu werden. Denn die britischen Bajonette sind ein recht ungeeigneter Untergrund für die jüdische Aufbauarbeit. Aber statt Verständigung hat jüdischer Chauvinismus Haß gesät. Statt weiterer Ausführungen möchte ich einige Zionisten selbst reden lassen, die wohl nicht in den Verdacht kommen werden, daß ihr Urteil zn. Ungunsten des Zionismus befangen sei. Es handelt sich um Aeußerungen, die in der zionistischen „Jüdischen Rundschau" erschienen sind, die — was anzuerkennen ist — selbst vielfach ihre warnende Stimme erhob. Dr. Lewite aus einer Kolonie bei Haifa (I. R. 1921 Nr. 62) schrieb: „Die Mohammedaner haben zu jener Zeit (der Besetzung durch die Engländer) eine Anlehnung an die Juden gesucht, fanden jedoch bei den letzteren weder Verständnis noch Entgegenkommen. . . . Die Alliance der christlichen und mohammedanischen Araber ist nur zur Abwehr einer jüdischen Gefahr entstanden. Man muß leider gestehen, daß unsere eigene Anvernunft und Nachlässigkeit, unser verbrecherischer Optimismus die Sache gefördert haben." Dr. Elias Blumenfeld führte aus: „And trotzdem ist es Tatsache, daß noch vor wenigen Jahren Araber und Juden friedlich zusammengelebt haben und die Spannung . . . zwischen Arabern und Juden geringer war, als zwischen muselmännischen und christlichen Arabern. Die Zionisten,