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KC-Blätter · 1925-10-01 · Heft 4 (Oktober 1925) · p. Seite 52

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 4 (Oktober 1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 52 (sequence 6)
Language
German
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52 Karl Marx lehnte auf Grund seiner materialistischen Weltanschauung den modernen nationalen Staat ab, in welchem er nur eine . Organisation der besitzenden Klassen zwecks Ausbeutung des Proletariats sah, er war Klassenkampfchauvinist und Begründer eines internationalen revolutionären Proletarierbundes. L a s s a l l e, der Verehrer Fichtes und Schüler Hegels, lebte dagegen in der idealen Auffassung des Staats als der höchsten menschlichen Form zur Betätigung individueller Freiheit und sittlicher Forderungen. Den sozialistischen Staat wollte er nicht revolutionär erzwingen» sondern aus gersetz l i che m W e g e, er erstrebte zunächst das allgemeine gleiche Wahlrecht, und dadurch die Ausschaltung des liberalen Bürgertums mit ihrem „ehernen Lohngesetz", sowie die Eroberung der Staatsgewalt zwecks Schaffung von Produktivassoziationen, die die soziale Gerechtigkeit verwirklichen würden. Er liebäugelte, was Karl Marx ein Grauen war, mit dem als Erzjunker verschrienen preußischen Ministerpräsidenten von Bismarck, den er auch öfters besuchte, und mit dem ihn der gemeinschaftliche Haß gegen die Fortschrittspartei verband. Möglich, daß Bismarck später infolge lassalleanischer Beeinflussung für den Norddeutschen Bund und dann fürs Reich das allgemeine gleiche Wahlrecht einführte und so der Arbeiterpartei den politischen Aufstieg ermöglichte. Lassalle hatte, weil er den Staat legal für die Arbeiter erobern wollte, auch ein leidenschaftliches Interesse für den Staat, dem er von Geburt angehörte, für Preußen. Er kämpfte für die Lösung der deutschen Frage unter preußischer Führung gegen das reaktionäre Oesterreich. Die Schrift von 1859: „Der italienische Krieg und die Aufgabe Preußens. Eine Stimme der Demokratie" beweist seinen staatsmännischen Pattiotismus, er forderte Preußen auf, sich mit Italien zu verbünden und im gemeinsamen Kamps gegen das völkerverzehrende Habsburgertum zugleich mit der italienischen Einigkeit auch das neue deutsche Reich zu gründen, ja sich eher mit Frankreich als mit Oesterreich zu verbünden, eine Weisheit, die heute wie prophetisch winkt; denn der Bund mit Oesterreich, die gedankenlose „Nibelungentreue", führte zum Weltkrieg. Hier erweist er sich als demokrattscher Sozialist und deutschnationalem guten Sinne des Wortes. Als nach seinem Tode der von ihm gegründete „Allgemeine Deutsche Arbeiterverein" unter der Führung des Frankfurter Politikers I. B. von Schweitzer an Ausdehnung zunahm, gründete zu seiner Bekämpfung August Bebel, das Mitglied der marxistischen Internationalen Arbeiterassoziation, im Verein mit Wilhelm Liebknecht zu Eisenach im August 1869 die „Sozialdemokratische Partei", die ganz auf Umsturz, Staatsfeindschaft und Internationalismus eingestellt war. Zwischen diesen „Eisenachern" und den „Lassalleanern" bestand grimme Fehde, bis es den radikaleren Führern Bebel und Liebknecht in dem Gothaer Einigungsprogramm gelang, die, Lassalleaner ins marxistische Fahrwasser hinüberzuziehen. Es ging so die ältere deutschorientierte Partei in der jüngeren internationalen Richtung auf, und Las falle schien besiegt, 11 Jahre nach seinem Tode. Der Geist des kommunistischen Manifests triumphierte, jede abweichende, revisionisttsche Richtung wurde von da ab in den großen Parteibann getan, und die steilste Höhe erstieg die Intransigenz in dem berühmten Dresdner Parteitag von 1903, dessen stenographischer Bericht noch heute eines der temperamentvollsten und interessantesten politischen Bücher ist. Wie der Tod Lassalles und die Ideen Bebels und Liebknechts den Reichsgründer Bismarck leider der Arbeiterbewegung entfremdeten und zum Sozialistengesetz führten, enthüllt die Reichstagssitzung vom 17. September 1878, in der der Streit um L a s s a l l e im Mittelpunkt der Debatte stand. Nach einer außerordentlich warmen Lobpreisung Lassalles warf Bismarck seinen Nachfolgern vor: „Lassalle hatte eine sehr ausgeprägte nationale und monarchistische Gesinnung: seine Idee, der er zustrebte, war das Deutsche Kaisertum, und dabei hatten wir unseren Berührungspunkt." Und dann fährt Bismarck fort: „Wann habe ich meine Bestrebungen um soziale Verhältnisse aufgegeben? Es stammt dies von dem Augenblick her, wo vor versammeltem Reichstag — ich weiß nicht, war es der Abgeordnete Bebel, oder Liebknecht, oder einer von diesen beiden — im pathetischen Appell die französische Kommune als Vorbild politischer Einrichtungen hinstellte, und sich selbst offen vor dem Volke zu dem Evangelium dieser Mörder und Mordbrenner bekannte." Es ist daher nicht auszudenken, wie die innere Entwicklung der deutschen Parteiverhältnisse vor sich gegangen wäre, wenn L a s s a l l e in den deutschen Reichstag hätte einziehen können. Vielleicht hätte auch er sich mit Bismarck überworfen, vielleicht hätte aber die deutsche Arbeiterbewegung eine so staats- und königsfreundliche Richtung eingeschlagen, wie in England. Die Entwicklung der Millionenpartei schritt aber über Lassalle hinweg. Seine Stunde kam jedoch — unausgesprochen — an dem Tag, als bluttger Ernst die marxistische Fraktion am 4. August 1914 zwang, Stellung zu nehmen: entweder der Idee des Internationalismus treu zu bleiben, oder die brennenden Staats-

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