KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 45 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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sie positiv Mitarbeiten kann; sie muß ihre seelischen Kräfte entfalten, nicht im Kampfe nur gegen einen Feind, sondern auch im Kampfe fnr Jdealgüter. So kommt es, daß wertvolle Kräfte der jüdischen Jugend heute sich zum zionistischen Ideal bekennen, und daß andere wertvolle .Kräfte — und ich bin bei beiden Bewegungen weit entfernt, ihre Anhänger von oben herab zu betrachten — zur Naumannbewegung gelangen. In beiden Beilegungen steckt Zweifellos, bei aller Ablehnung meinerseits, doch viel Idealismus; aber die Tragik innerhalb dieser deutschen jüdischen Jugend besteht darin, daß die Einen entwurzelt sind im deutschen Vaterlande, dem sie doch kulturell unbedingt angehören und daß die Andern entwurzelt sind im Judentum, von dem sie doch nicht loskommen können. Ist es nicht heute beinahe so, daß man in gewissen Kreisen des deutschen Judentums Furcht hat, das Wort „deutsch" auszusprechen und in anderen Kreisen das Wort „jüdisch"?! Durch diesen Zwiespalt, der in der deutschen jüdischen Jugend herrscht, wird diese Jugend seelisch belastet und innerlich unfrei, und hier sehe ich gerade den andern Teil von Sinn und Bedeutung des KC.: Er muß zur inneren Freiheit erziehen. Aufgabe derjenigen Kartell- und Bundesbrüder, die das Fuchsmajorat für Tendenz innehaben, muß es sein, unsere jungen Freunde herauszuführen aus diesem seelischen Konflikt, damit sie innerlich frei, gefestigt und befriedigt werden von jenen großen Kräften, die in ihrem Deutschtum und in ihrem Judentum liegen. Aber mit dieser Erziehung unserer jungen Bundesbrüder ist meines Erachtens die Aufgabe des KC.s nicht erfüllt. Die Aktivität und Inaktivität dauert ja nur ein paar kurze Semester. Der K.C. muß ein größeres Ziel Haben, und so sehe ich eine weitere Aufgabe unseres Verbandes in dem, was ich die Lösung des Führerproblems für das deutsche Judentum nennen möchte. Zu dieser Führerstellung, zu der der K.C. unsere Bundesbrüder erziehen soll, ist die innere Freiheit die Voraussetzung. Aber sie allein genügt nicht. Wir müssen unsere Bundesbrüder soweit bringen, daß sie aus sich selbst heraus auf Grund ihrer K.C.-Erziehung, wenn sie einmal ihr Studium beendet haben und Männer geworden sind, das Bedürfnis fsthlen, selbst mittätig zu sein an der freiheitlichen Entwicklung des deutschen Judentums. Es ist auf die Dauer eine Unmöglichkeit, den K.C. durch organisatorische und technische Mittel zu erhalten. Was uns weiter nottut, was Voraussetzung zum Wiederaufblühen des K.C. ist, das ist, liebe Kartell- und Bundesbrüder, die bewußte Rückkehr zur K.C.-Jdee. Lassen Sie es mich offen aussprechen im Anschluß an Debatten, die gestern stattgefunden haben, und die vielleicht heute noch stattfinden werden: in dem Augenblick, wo gesagt wird, daß die Frage des Kartellfechtens eine Lebensfrage für den K.C. sei, in dem Augenblick hat der K.C. seinen Sinn verloren. Mein Bundesbruder Wolfs hat gestern davon gesprochen — und der Widerspruch, dem er begegnete, hat mir bewiesen, daß er falsch verstanden worden ist —, daß man den Kampf gegen den Antisemitismus in dem Verbände fallen lassen muß. Richtig daran ist, daß die Begeisterung unserer Jugend auf die Dauer für uns nicht durch eine reine Negation erbalten werden kann; eine dauernde Verteidigungsstellung muß eine Truppe zermürben und ihre Kräfte lähmen; wir, die wir im Felde gewesen sind, wissen, daß ein dauernder Grabenkrieg die besten Kräfte brachlegt. Unsere Jugend braucht wieder ein lebendiges Ideal, und dieses Ideal ist das selbstbewußte Judentum. Holländer- Hat einmal statuiert, was das selbstbewußte Judentum ist: es ist das Judentum, das seine eigenen Qualitäten und Werte kennt, das Achtung und Liebe hat vor seiner Entwicklung, und das sich bewußt ist der ungeheuren kulturellen Aufgaben, die es für die Menschheit zu erfüllen hat. So muß, wenn uns als großes Ideal im K.C. die Erziehung zum selbstbewußten Judentum vorschwebt, als Positives Ziel das jüdische Weltanschauungsideal herausgearbeitet lverden. jenes Ideal, das seine Grundlage findet im jüdischen Ethos. Lesen Sie einmal, meine lieben Kartell- und Bundesbrüder, das Werk unseres Breslauer Seminardozenten Dr. 'Heinemann „Zeitfragen im Lichte jüdischer Weltanschauung", und Sie werden erkennen, was ich unter deni jüdischen Weltanschauungsideal verstehe. Durch dieses bewußte Judentum werden unsere Bundesbrüder zum bewußten Deutschtum gelangen, in ihrem Wirken basierend auf diesem jüdischen Weltanschauungsideal werden unsere jungen deutschen Juden ihr Bestes leisten können zur Wiederaufrichtung unseres deutschen Vaterlandes; sie werden aber auch das Beste leisten können zur harmonischen Ausbildung ihrer eigenen Persönlichkeit. Adolf von H a r n a ck hat einmal gesagt, daß, wo immer Nationen kulturell Hervorragendes geleistet haben, sie sich im Sinne des Uebernationalen betätigt haben. Wir K.C.er lehnen das Judentum als Nation ab, aber wir können das Wort Harnacks in dem Sinne sür uns in Anspruch nehmen, daß wir sagen: wo immer das deutsche Judentum sein Bestes im Sinne seiner Weltanschauung geleistet hat und leisten wird, da tat es das zum Nutzen und Segen der großen kulturellen Entwicklung.