KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 44 (sequence 18)
- Language
- German
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44 iP-x ~> unserer Stellung als deutsche Staatsbürger, d. h. als Mitglieder der Politischen Gemeinschaft, dann aber auch sür unsere geistige und seelische Freiheit. Unser Kartellbruder Eugen Schmidt hat in seinen Ausführungen die staatspolitische Aufgabe des K.C. erörtert. Er hat die Stellung des K.C.ers im deutschen Staat behandelt und uns damit den Weg gewiesen zur Erhaltung und zum Ausbau unserer politischen Freiheit innerhalb unseres deutschen Vaterlandes. Indem er auf historische und soziologische Zusammenhänge hinwies, wuchs aus seinen Ausführungen gleichs'am von innen heraus der eine Teil der Aufgaben unseres Verbandes: der Kamps gegen den Antisemitismus und für unser deutsches Staatsbürgertum. Lassen Sie mich jetzt einmal in kurzen Ausführungen — denn ich glaube, das Problem ist gestern auf der Altherrentagung in seinen Grundzügen schon klar herausgearbeitet worden — wenn ich so sagen darf: die geistigen und seelischen Grundlagen für unsere Arbeit im K.C. betrachten. Der K.C. ist eine Einzelorganisation innerhalb der großen Organisationen des deutschen Studententums und dann innerhalb der großen Gemeinschaft des deutschen Judentums; deshalb müssen wir ihn und seine Aufgaben eingliedern in die Lebensnotwendigkeiten und in die Voraussetzungen dieser beiden Erscheinungsformen. In der Stimmung des deutschen Studententums der Gegenwart liegt zweifellos eine gewisse Tragik, die uns deshalb so tief berührt, weil sie ihre Ursachen in der seelischen Zerrissenheit weiter Kreise der deutschen Jugend hat. Das tiefe Ergriffensein von der Not des deutschen Volkes, die Erbitterung über die Abhängigkeit von fremden Mächten, die Sehnsucht nach dem Wiedererstehen alter Macht und Größe,.nicht zuletzt aber romantische Vorstellungen vom Wesen des deutschen Volkstums führen leicht zu jenen politischen Verirrungen, wie wir sie oft in den letzten Jahren kennen gelernt haben. Es wäre meines Ermessens falsch, wenn wir Vielen von diesen sogenannten „Völkischen" den Idealismus avsprechen würden. Aber indem wir erkennen, daß dieser Idealismus falsche Wege geht und allzuoft von verantwortungslosen politischen Demagogen bewußt mißbraucht wird, ist für uns als deutsche Kommilitonen jüdischen Glaubens der Weg gegeben zu unserer Arbeit. Wie oft erleben wir es, daß uns junge völkische Studenten im festen Glauben an die Richtigkeit ihrer Behauptung Dinge erzählen, die für uns gar leicht zu widerlegen sind, aber ich glaube, daß es eine von jenen großen Gefahren ist, daß wir zufolge der ungeheuren Spannung zwischen deutschen jüdischen Studenten und den christlichen Kommilitonen nur allzu selten in die Lage kommen, einmal offen über diese Dinge uns auszusprechen. Ich weiß sehr wohl, daß viele von diesen völkischen Kommilitonen aus Gründen des Idealismus nicht belehrt sein wollen, aber ich glaube, es gibt ebensoviele, die noch nie. belehrt worden sind. In jenen Kreisen, in denen sie Verkehren, hören sie ja gar nichts anderes als jene Torheiten und Verleumdungen, über die heute nicht nur wir, sondern die meisten gebildeten Menschen im deutschen Vaterlande lächeln. Aber ich glaube, eine andere Gefahr besteht darin, daß heute ein großer Teil unserer jungen Bundesbrüder nicht in der Lage ist, diesen Torheiten in der Weise und mit dem Rüstzeug versehen, wie es notwendig ist, entgegenzutreten. Wenn Wissen wirklich Macht ist, und ich glaube, man kann das in diesem Zusammenhänge sagen, dann müssen wir diese unsere Machtposition für unsere Bundesbrüder noch unendlich erweitern. Es darf keine studentische Versammlung geben, soweit sie allgemeine studentische Ziele verfolgt, in der nicht unsere Kartell- und Bundesbrüder, wenn ein Anlaß vorliegt, so auftreten können, daß sie Zumindest das Ohr der Versammlung haben, und daß, wenn auch nicht alle, so doch wenigstens der Eine oder Andere von der Darlegung überzeugt ist. Seien wir doch ehrlich: die Waffe in der Hand des KC.ers — und ich möchte über diesen Punkt, der ja schon ausgiebig behandelt worden ist, nicht mehr sagen — wird zu einer bloßen schönen Geste in dem Augenblick, wo man uns von der Seite, gegen welche die Waffe geführt werden soll, jede Satisfaktion verweigert. Um so stärker müssen wir die Waffe des Geistes für unsere jungen Vundesbrüder schärfen, denn sie wird über kurz oder lang entscheidend sein für den Ausgang des Kampfes. Parallel zu dieser Zerrissenheit und seelischen Unklarheit innerhalb der deutschen völkischen Jugend geht aber auch eine seelische Zerrissenheit durch unsere deutsche jüdische Jugend. Angeekelt und angewidert durch die ungeheuerlichen antisemitischen Angriffe und Verleumdungen, unsicher gemacht durch das andauernde Absprechen ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft sind heute viele unserer deutschen jüdischen jungen Leute in ihrem Deutschtum entwurzelt oder glauben zumindest in ihren: Deutschtum entwurzelt zu sein. Wie die Jugend nun einmal seelisch konstruiert ist, bedarf sie zu ihrer Entwicklung begeisterungsfähiger Ideale. Sie sucht etwas, wofür sie sich einsetzen kann, wo