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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 43 (sequence 17)
Language
German
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43 Eine Lösung des Gemeinschaftsproblems in Palästina gibt es für die Mehrzahl der deutschen Juden nicht. Es gibt sie für uns nur in Deutschland. Aber auch wir müssen unserer Jugend eine rieue Hoffnung geben, auch wir müssen ihr neue Ziele setzen, für die sie wieder arbeiten kann. Und es zeigt sich hier eine bemerkenswerte Parallele mit der Zeit vor über 100 Jahren. Auch damals war der Staat zusammengebrochen, zusammengebrochen nicht mir unter der Macht des Korsen, sondern weil er innerlich morsch geworden war. Auch damals galt es, den Staat wieder aufzurichten und welche Mittel waren es, die man damals verwendete? Es waren die Mittel bürgerlicher Freiheit und Demokratie. Damals schaffte man den Zunftzwang ab, gab den Städten. Freiheit, beseitigte die Leibeigenschaft und emanzipierte die Juden. In dem Zusammenbruche hatte man die Rettungsmöglichkeiten erkannt, den zusammengebrochenen Staat aufzubauen aus der freien, ungezwungenen Hingabe seiner Bürger an ihn. Nicht anders ist der Weg, den nun Deutschland zu gehen hat. Aus Not und Zusammenbruch wird ihm nur helfen die freie und liebende Hingabe aller seiner Bürger in dem Bewußtsein, daß er ihre Sache- und ihre Schöpfung ist: Der Staat. Und so wird, allem Pessimismus zum Troh. der junge deutsche Staat die restlose Emanzipation des deutschen Juden bringen. Das Gemeinschaftsproblem des deutschen Juden wird seine Lösung finden in der — bringen wir endlich dieses lang zurückgehaltene Wort — deutschen Republik. Ihrem Aufbau gelten unsere Kräfte, ihrer Form unser Gestaltungswollen. Noch steht sie sehr im Argen, aber um so schöner wird die Erinnerung sein, wenn einst das Aergste überwunden sein wird. Lassen wir uns nicht durch irgend welches Peitschenknallen darin beirren, uns zu dem zu bekennen, was wir für gut und was wir für richtig halten. Die Zeiten des Ghettos und die Zeit der Rechtlosigkeit sind lange vorüber! Laßt uns von den Mächten der Finsternis nicht schrekken! Nehmen wir die Rechte, die uns in die Hand gegeben sind und benützen sie zum Guten und zwar zum kräftig zum Guten! Aber ist es nicht bedenklich, sich zur deutschen Republik zu bekennen? Sind wir damit nicht ins politische Fahrwasser geraten? Ich glaube zum mindesten nicht in das Parteipolitische. Ich will nicht sagen, daß wir damit lediglich einen formal-juristischen Akt der Anerkennung vollziehen dessen, was nun einmal kraft Gesetzes sei. Es ist schon mehr, es ist die Gewinnung eines inneren Verhältnisses, das über Parteipolitisches hinausgeht. Wenn wir sagen, daß wir uns zur deutschen Republik bekennen, so sagen wir damit im Grunde nichts anderes, als: Wir bekennen uns zum deutschen Aufbau und zur deutschen Gemeinschaft! Sinn und Bedeutung des K.C. in der deutschen Gegenwart. Referat auf dem K.E.-Tag von Dr. Ernst F r ä n k e l (Th.). Macht Deutschland von der Fremdherrschaft frei. Sorgt, daß Deutschland einig sei. Und seid selber frei, seid selber frei! Liebe Kartell- und Bundesbrüder! Mit diesen Worten ließ Gerhart Hauptmann sein Jahrhundertfestspiel im Jahre 1913 ausklingen. In diesen Worten lag damals und liegt heute nach der furchtbaren Katastrophe des Weltkrieges und seiner Wirkungen mehr als je die politische Sehnsucht des deutschen Volkes. Frei wollen wir sein vom Druck, der außenpolitisch auf unserm Vaterlande lastet, frei wollen wir sein in der Entfaltung unserer eigenen Persönlichkeit und ihrer Gaben, frei wollen wir sein in unserer Seele und nicht gebunden und zerrissen durch Zwiespälte, Unklarheiten und Kämpfe in unserm eigenen Innern. Mehr als in jeder andern Schicht unseres deutschen Volkes klingt dieser Ruf nach Freiheit vielleicht in den Reihen des deutschen Judentums. Nicht der Ruf nach jener Freiheit ist es, der in einem unhistorischen, unseren staatlichen und kulturellen Entwickelungen widersprechenden politischen Radikalismus unmögliche Formen des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens sucht, nicht der Ruf nach jener Freiheit, die, wie in schlimmen Zeiten der italienischen Renaissance das Sichausleben der Persönlichkeit keine Grenze finden läßt an den Notwendigkeiten des sozialen Lebens, sondern es ist der Ruf nach jener Freiheit, die ungehemmt von überkommenen Vorurteilen, von selbstsüchtigen Standes- oder Wirtschaftsinteressen der freien Persönlichkeit den Weg weist, um sich harmonisch und ihrem Wesen gemäß zu entfalten und so segenbringend zu wirken im Dienste der Gemeinschaft, des Vaterlandes und darüber hinaus der Menschheit. Wir deutschen Juden sehen unsere Freiheit heute bedroht. Wir sehen Gefahr drohen einmal

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