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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 40 (sequence 14)
Language
German
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40 tätigfeit in seiner Kritik der reinen Erfahrung gegeben hat. Er erzählt etwa folgendes: (Es war Wohl im trojanischen Krieg!) Die Herren waren lange Zeit ausgeblieben; so hatten sich unterdessen die Sklaven zu Herren der Insel aufgeschwungen, hatten die Weiber geehelicht, die Waffen in ihren Besitz genommen. Als die Herren zurückkamen, von langem Feldzug ermüdet, durch einen Schiffbruch ihrer Waffen und Rüstungen beraubt, entkräftet, geschwächt, war ihre Lage eine verzweifelte, eine aussichtslose. Aber durch ein Mittel gelang es ihnen tue Herrschaft wieder zurückzuerobern. Sie nahmen die langen Sklavenpeitschen und knallten damit und als die Sklaven den Knall hörten, da warfen sie die Waffen weg und begaben sich wieder unter die Botschaft. — In den tatsächlichen Machtverhältnissen lag dies nicht begründet. Die Sklaven waren ohne Zweifel in der Oberhand und konnten diese behalten, aber die Macht eingeübten Verhaltens trieb sie von neuem in die Unterwerfung. Die alten Zustände waren ihnen zu sehr in die Glieder gefahren. Auch uns sind die alten Zustände sehr stark in die Glieder gefahren. In uns steckt immer noch ein wenig das Ghetto, in dem unsere Voreltern leben mußten, mit den Abzeichen, immer in Gefahr beschimpft, mit Hep-Heprufen verfolgt, tätlich angegriffen zu werden. So stark steckt uns dies noch in den Gliedern, daß wir gar nicht recht an die neue Freiheit glauben können. Und so wird man gewahr, wieJrrtum nicht etwas Theoretisches ist, was falsch gedacht wird, sondern etwas Praktisches, was falsch gehandelt, was falsch gelebt wird und man sieht die ungeheure Macht eingewurzelten Irrtums. — Jene Aengstlichkeit ist es ohne Zweifel, wenn von vielen von uns der neue Staat nicht verstanden wird, wenn nicht erkannt wird, was er dem deutschen Volke gebracht hat. Weil man so lange in Unterdrückung, in Abhängigkeit war und nicht begreifen kann, was das wirklich ist: Freiheit. Der Rechtsgedanke ist schwach entwickelt, man hat kein.. Zutrauen zum Rechte. Man glaubt nicht, daß es etwas selbstverständliches ist, daß man sein gutes Recht hat, sondern betrachtet es als eine Gnade, gewissermaßen als ein Privileg, was eine für den Juden von anno dazumal berechtigte Einstellung war, aber keine Einstellung für den deutschen Staatsbürger. So konnten denn Prinzipien entstehen, wie etwa, daß man als Jude in höherem Maße sich in Acht nehmen müsse wie die anderen, daß man in ganz besonderem Maße sich taktvoll benehmen müsse, ja man könnte beinahe sagen, daß man in einem be- ' sonderen Maße moralisch sein müsse. Nun hat diese Auffassung ihre gewisse Berechtigung, intern sie Rücksicht nimmt auf die Glaubensgemeinschaft, die starken Verfolgungen ausgesehl ist und für die man die Angriffsflächen möglichst verringern will, aber dieser Gedanke hat doch auf der anderen Seite große Gefahren. Im Verhältnis zur großen Gemeinschaft, nämlich zur Volksgemeinschaft, tritt eine Motivver - schlechterung ein. Handlungen, die ihren vollen Sinn und ihre volle Befriedigung nur finden im Hinblick auf diese große Gemeinschaft, werden nun getan in Rücksicht auf eine kleinere Gemeinschaft; das Motiv der Zusammengehörigkeit, des Mittunwollens, des zum großen Ganzeil Strebens tritt zurück hinter dem der Vorsicht, der Rücksichtnahme auf die kleinere Gemeinschaft, die Liebe, das Schöpferische, tritt zurück hinter der Furcht. — Diese innere Unsicherheit, die den Glauben an ihr Recht immer mehr verliert, treibt sodann dazu, sich zu legitimieren. Weil sie an ihr gutes Recht nicht glaubt, sucht sie einen Anspruch aus Gleichberechtigung durch irgendwelche besondere Bemühungen zu verdienen, insbesondere indern sie jenem Teil, der ihre Gleichberechtigung nicht anerkennen will, in besonderer Weise sich willfährig zeigt, seine Anschauungen akzeptiert, aus Leibeskräften und womöglich mit noch größerem Getöße als jener selbst in dasselbe Horn stößt. Aber diese Bemühungen sind so krampfhaft, sind niemals selbstverständlich, so daß man das unangenehme Gefühl nicht loswerden kann: Hier stimmt etwas nicht, es wirkt alles so unecht. Es ist kein Zweifel, daß es sich hier zum Teil um Leute handelt, welche in besonderem Maße im Ghetto stecken. Das hat an irgend einer Stelle schon einmal Eugen Fuchs über Naumann gesagt. Es ist immer so, daß der Ansichere seine Schwäche bemäntelt und daß er gerade durch seine aufgeregten Manöver seine innere Unsicherheit am besten verrät. Aber sprechen wir nicht weiter von diesen Dingen, sondern betrachten im Zusammenhang, worum es sich handelt: um «das Problem der Gemeinschaft. Erst die neuere Psychologie hat gezeigt, welch ungeheure Bedeutung für das Individuum das Problem der Gemeinschaft hat. Wie seine ganze Entwicklung auf Funktionen der Gemeinschaft beruht. Wie Sprache, Logik, Denken Funktionen der Gemeinschaft sind. Wie das Gewissen als eine Form des Verkehrs des Menschen mit sich selbst nur möglich wird als eine Analogie der Form des Verkehrs mit anderen. So daß in den Formen des Gewisseitsverkehrs sich hierfür die Form des interindividuellen Verkehr

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