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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 39 (sequence 13)
Language
German
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39 So war denn in langen Kämpfen die Rechtsgleichheit erreicht. Im Jahre 1869 fiel die letzte L>chranke, die rechtlich vorhanden war und sie waren vollkommen frei, vollkommen gleichberechtigt, vollkommen gleichgestellt dem Gesetze nach. Aber immer aufs neue war das Problem gestellt, denn die Rechtsgleichheit genügte nicht, sie mußte auch im praktischen Leben Anwendung finden und ach, sie versagte all zu oft. Es war die alte Erfahrung, nicht allein auf das Gesetz kommt es an, viel mehr noch auf den Geist, in dem die Gesetze gehandhabt werden. So begann der schwere Kamps des K.C., der schwere Kampf des Zentralvereins. Ich sage des K.C. und des Zentralvereins. Wieso? War denn der Kampf des K.C. derselbe wie der des Zentralvereins? Ich behaupte ja; er war bloß örtlich ein anderer, sein Schauplatz war ein anderer. Im Grunde war es derselbe Kampf. Der Kampf war vielleicht noch etwas härter, noch etwas schwieriger, die Gegensätze prallten für den Einzelnen vielleicht noch stärker aufeinander. Aus verschiedenen Gründen! Der junge Student war von einem besonders empfindlichen Ehrgefühl. Er fühlte sich immerhin, er besuchte die Stätte, wo die höchste Bildung vermittelt wurde oder wenigstens vermittelt werden sollte. Die Gegenpartei war von ganz besonderem Klassen- und Standesbewußtsein. Sie repräsentierte die Herrenklasse. Die Gegensätze waren also schärfer aufeinander gestellt. Es ist durchaus verständlich, daß der K.C. es war und nicht der Zentralverein, der zuerst die Notwendigkeit des Widerstandes einsah, weil er sie einsehen nlußte, und waß ihm der Zentralverein nachfolgte. — Der K.C. war also ein Kampfverband, ein Schutzverband und ein Trutzverband. Wieso kam er zu der Korporationsform? Weil sie die zweckmäßige Form war, weil sie sich in den Nahmen des Konventionellen einfügte, weil hier gerade auf dem ■ Gebiete Ehrenschutzes derartige Einrichtungen bestanden, die an sich anerkannt waren, so daß auch der Jude, wenn er sich dieser Form bediente, er dies mit einem gewissen Vorteil tat. Sie war eben die gegebene Form der Vereinigung. Sie verband sich auch mit dem Prinzip der Gleichberechtigung. Nur der Korporationsstudent galt ja damals als Vollstudent. — So entstand wohl der K.C. — Was aber hat der K.C. erreicht? Hat er denn etwas erreicht? Ist nicht der Antisemitismus schlimmer als vorher? Gewiß, das ist er oder so scheint es wenigstens. -'Aber das eine hat der K.C. sicherlich, erreicht, er hat Mut gemacht. Nicht deswegen etwa, weil er gefochten hat, sondern weil er an eine gute Zuümft geglaubt hat, weil er seine Anhänger nicht auf ein besseres Jenseits vertröstete, sondern weil er seinen Mitgliedern gesagt hat: Hier in dieser Welt,, m diesem Deutschland und unter diesen Umständen wollen wir uns ein besseres Los schaffen! So scheint mir ein wesentliches Kennzeichen des K.C.: Die Gestaltung einer optimistisch-aktiven Lebensauffassung, die den Glauben und damit die Kraft hat zur Gestaltung besserer Zustände. Damit hat sie ein Wesentliches geschaffen, ein Ziel, einen Richtpunkt, auf den sich Handlungen konsolidieren konnten. Aber sie konnte damit noch nicht alles schaffen. Zu tief hatte jahrhundertelange Bedrückung auf den Gemütern gelastet, als daß die Schäden so ohne weiteres hätten behoben werden können. Auch der K.C. litt unter diesen Schäden. Wenn er seinen Mitgliedern auch mit das Veste gegeben hat, was man einem geben kann, die Hoffnung und damit die Kraft zum Handeln, so hat er damit noch nicht alles gegeben. Es war ihm nicht möglich, sofort die Schwierigkeiten zu beheben, die lange Sklaverei den Gemütern auferlegten. — Es gibt immer noch Schwierigkeiten, die dadurch ausgezeichnet sind, daß sie nicht bloß von außen kommen, sondern von innen und daß sie ihren Grund haben in der unvollkommenen Lösung des Problems der Gemeinschaft. — Unter diesen Abirrungen sehen wir in erster Linie einen stark ausgebildeten Erwerbstrieb, der freilich durch jahrhundertealte Beengungen seine Ausbildung erfahren, aber doch nicht in ihr allein seinen Grund hat, sondern eben seinen Grund hat in einem stärker entwickelten Unsicherheitsgefühl, Minderwertigkeitsgefühl, um mit Alfred Adler zu sprechen. Es sind die Parvenueigenschaften, die nun einmal nirgends besonders beliebt machen. Und wir sind Parvenüs, darüber ist kein Zweifel, wir, die wir noch vor 100 Jahren keine Grundstücke erwerben durften, besondere Abzeichen trugen, eng zusammenwohnten, nun uns frei gleich den anderen bewegen. — Ein zweites Bemerkenswertes ist das Gefühl mangelnden Rechts. Seit 1869 sind wir in jeder Beziehung vollkommen gleichberechtigt. Dem Rechte nach, aber wir fühlen uns doch noch nicht als gleichberechtigt. Wir getrauen uns die Dinge nicht so zu sehen, wie sie sind, weil uns die vergangenen Ereignisse und die Angst dabei noch zu sehr in den Gliedern steckte. Man kann dies kaum besser wiedergeben, als in einer kleinen Geschichte, die Richard Avenarius erzählt, der eine so wunderbare- Theorie menschlicher Seelen-'

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