KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 38 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Male einen besonderen Altherrentag abgehalten, dessen Aufgabe es war, auch die Alten Leeren erneut zur Mitarbeit heranzuziehen und ihren Zusammenhang mit dem Verbände noch enger zu knüpfen. Änd die beiden Tage davor haben wir dazu benutzt, mit den Vertretern der aktiven Verbindungen in einem besonderen Schulungskursus die geistige Heranbildung unseres Nachwuchses zu erörtern, nicht nur um ihnen geistige Waffen zur Bekämpfung des Judenhasses in die Land zu geben, sondern um vor Allem das Gefühl in ihnen wach und lebendig zu halten, daß der Anspruch auf Gleichberechtigung, den wir erheben, inhaltlos wäre, wenn er sich nicht gründen würde auf innere Gleichwertigkeit, und wenn dem Bekunden des Judentums nach außen nicht eine jüdische Gesinnung im Innern entsprechen würde. Damit wollen wir unsere Mitglieder befähigen, den Kampf, den sie täglich zu kämpfen haben, zu führen als jüdische Persönlichkeiten, als aufrechte selbstbewußte Juden, deren Selbstbewußtsein sich gründet nicht auf Dünkel und Aeberhebung, sondern auf Kenntnis und Treue, auf Treue zum Judentum, Pflege der jüdischen Werte und Achtung vor der jüdischen Religion. In dieser Gesinnung wissen wir uns eins mit der großen Mehrheit der deutschen Juden, in dieser Gesinnung haben vor fast vier Jahrzehnten die ersten K. C.-Verbindungen den Kampf gegen Rassenhaß und Verleumdung aufgenommen, als es noch keinen Zentralverein und auch keinen Verein zur Abwehr des Antisemitismus gab. Sie haben damit zum ersten Male nicht nur in die jüdische Studentenschaft, sondern als erste in das gesamte deutsche Judentum überhaupt den großen und befreienden Gedanken der Selbstwehr hineingetragen, und sie haben uns gelehrt, daß der Kampf um unser Recht wirksam nur geführt werden kann von einer Gemeinschaft, die sich fühlt als eine Kampftruppe; von einer Kampftruppe, die aufgebaut ist auf der Grundlage der unbedingten Disziplin, in der jedes einzelne Mitglied von dem Bewußtsein erfiillt ist, daß es auf einem vorgeschobenen Posten des deutschen Judentums steht, den mit allen Kräften zu verteidigen unsere jüdische, unsere deutsche und unsere sittliche Pflicht ist. Lind wenn der morgige K. C.-Tag vor der Frage stehen wird, wie weit eine neue Zeit auch von uns neue Formen des Kampfes erfordert, so sind wir uns dabei bewußt, daß die Meinungen hierbei über den Weg im Einzelnen wohl auseinander gehen können und in einem Verbände, der sich noch Lebenskraft und Lebenswillen bewahrt hat, notwendig auseinandergehen müssen, — daß aber das gemeinsame Ziel das alte ist, daß der Geist der Disziplin und der Kampfgemeinschaft eiserne Notwendigkeit bleibt, daß das Banner selbstbewußten, mit dem Einsatz der ganzen Person verteidigten Judentums, das unsere Gründer einst aufgepflanzt, auch über unfern Häuptern weht. „Wohlauf denn, meine Brüder, des Rechtes Leeresbann, Die alte Fahne wieder weht uns im Sturm voran! Die alten Lieder dringen fanfarengleich ans Ohr; Heraus die alten Klingen zu neuem Kampf hervor!"^ So sangen einst die Gründer der ersten K. C.-Verbindung, die Viadrinen zu Breslau, ihr Trutzlied; so wollen auch wir den Kampf, den sie einst begannen, in neuer Zeit mit altem Geiste, unter neuen Verhältnissen mit alter Disziplin und mit alter Begeisterung, gegen neue Gegnerschaft mit alten und mit neuen Waffen, gegen Laß und Entrechtung mit heißem Herzen und kraftvollem Arme weiterführen um Freiheit und Vaterland, für Ehre und Recht! And dies sei der Wunsch, den ich im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses überbringe: daß der Gedanke der Kampfgemeinschaft, der Geist der unbedingten Hingabe an das große gemeinsame Ganze walten möge über den Beratungen dieses K. C.-Tags, daß in Erfüllung gehe die Mahnung und die Hoffnung des alten Bundesliedes der Viadrina zu Breslau: „Woraus trinken wir zum Ende? Auf des Bundes Einigkeit! Fester schließet Lerz und Lände, . Fern sei Zwietracht uns und Streit! Mögen frechen Spott sie treiben. Ans bedräun mit Land und Mund, Unser muß der Sieg doch bleiben. Denn dem Recht gilt unser Bund!" Der K.C. im neuen Staat. Von Dr. Eugen Schmidt (Lic.) (München). Der $.(£. ist nur ein Ausläufer jener großen Bewegung, die den Fluch des Ahasver los werden will, ruhelos umher getrieben zu werden. Durch Jahrhunderte geht sie hindurch, durch die Ze.ten des trübsten Mittelalters, als die Juden in den Ghettis wohnten, zusammengepreßt. dumpf, unter Schaden an Leib und noch mehr arl der Seele. So zusammengepreßt, daß sie kaum zu hoffen wagten, daß je die Morgenröte dev Freiheit am Horizonte auftauchen würde, aber einmal kam sie doch, brach sie doch durch. Man muß sagen: Die Emanzipation im Jahre 1812 war eine unerwartete, sie war nicht etwas, was sich die Juden auf ihr Konto setzen konnten. Außenstehende Kräfte -waren es, die großen Gedanken bürgerlicher Freiheit, die ihnen zu neuem Leben verhalfen, die sie aus Sklavenketten erlösten.