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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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35 de sang et de boue gemahnt." Wir urteilen nicht so hart wie der auch in andern Dingen oft leidenschaftliche Historiker. Wir sind der Meinung, daß die dichterische Freiheit durchaus diesen Weg gehen konnte. Aber wir sind nicht irrsinnig genug, aus der Dramengestalt die biblische zu kritisieren und in der alttestamentarischen Judith wie Fritsch eine Dirne zu sehen. Ganz im Gegenteil, wir veraleichen mit dem Urtext und können nicht ein Wort von Dirnenhastigkeit finden. Fleht sie nicht, als sie um ihre Gemeinschaft zu retten, die von Holofernes belagerte Stadt verläßt, zu dem Gotte, „der die Heiden straft, die die Jungfrau genotzüchtigt und zu Schanden gemacht haben?!" Ganz im Gegenteil glauben wir in ihr das Musterbild einer ehrsamen Frau zu sehen. Berichtet doch die alttestamentarische Erzählung, daß sie, sowohl wegen ihrer Schönheit von vielen begehrt, in völliger Zurückgezogenheit nach dem Tode ihres Mannes gelebt habe. Wer kann sich vorstellen, daß eine Hure so handeln würde, wie das israelitische Weib handelt? als sie in das Lager Israels zurückkehrt, voll Jubel ihre Gemeinschaft gerettet zu haben, da entringt sich jauchzend ihrer Brust „so wahr der Herr lebt, hat er mich durch seinen Engel behütet, daß ich nicht verunreinigt worden bin, so lange ich bin außen gewesen, und hat mich ohne Sünde wieder heimgebracht mit großen Freuden und Sieg." Judith, die jubelt, daß sie sich auch um ihrer Glaubensgenossen willen nicht dem feindlichen König habe opfern müssen, ist für Fritsch ein Beispiel jüdischer Dirnenhastigkeit. Wahrlich eine Argumentation, die der Originalität nicht entbehrt. Unser völkischer Bibelkritiker hat aber nicht genug an diesem einen Beispiele judäischer Buhlerei. Im vierten Buche Mosis 21,32 der Lutherschen Bibelübersetzung wirdberichtet, daß die Israeliten in einem Kriege gegen die Amoniter Kundschafter gegen Jaeser sandten und „ihre Töchter gewannen". Wiederum nach Fritsch ein Beispiel verruchter ebräischer Frauenverführung — vorausgesetzt allerdings, daß man nach seiner Methode Bibelstudium treibt. Ein wenig klügere Leute pflegen allerdings bei ihren Betrachtungen die moderne Bibelkritik zu Rate zu ziehen und zu entdecken, daß es sich hier nicht um die Töchter der Amoniter, sondern nur um eine bildliche Bezeichnung für die Tochterstädte des Ortes handelt (s. insbesondere die Bibelübersetzung von Kautzsch-Weizäcker). Ueberhaupt vermeidet es der völkische Bibelphilosoph mit Beflissenheit, sich moderne Bibelübersetzungen anzusehen. Neuerliche Ergebnisse der Exegese sind ihm offenbar reichlich unangenehm. Es ist doch viel bequemer, den Juden nachzunnisen, daß ihr Gott ihnen Bewucherung der Fremden gestattet? Heißt es nicht 5. Buch Mosis 23, 21 „von den Fremden magst Du Wucher nehmen, aber nicht von Deinem Bruder"?! Der harmlose Leser weiß natürlich nicht, daß zu Zeiten Luthers „Wucher" die Bedeutung von „Zinsennehmen" hatte, und daß die Schlechterstellung der Außenstehenden in den in der ganzen Welt damals geltenden Rechtsanschauungen begründet war. Ist es heute nicht noch genau so?! Wird nicht auch bei uns der Inländer ganz anders behandelt, als der Ausländer?! Müssen nicht — um ein Beispiel von vielen zu nennen — ausländische Studenten ganz andere Beträge für Studiengelder entrichten als inländische?! Selbst in so ethischen Dingen wie der Ehe ist es durchaus streitig, ob die Ehe' eines in Deutschland lebenden und in der Türkei vermählten Türken rechtlich geschützt ist. z. B. v. Bar (Gesetz und Schuld",! S. 160) verneint diese Frage. Welch unsittlicher Gedankengang „arischer" Rechtsgelehrten?! Wie wäre es, wenn Herr Fritsch gegen sie wegen Gefährdung der Sittlichkeit einschritte?! Man wende nicht ein, daß dieser haarsträubende Unsinn, den uns unser völkischer Freund vorzusetzen für richttg hält, nicht von seinen Anhängern als Evangelium gepriesen werde! Herr Graf Reventlow hat es ja jüngst sogar fertig gebracht, auf einer großen Tagung das „jüdische" Daweswett auf die Bibel zurückzuführen. Nun steht zwar fest, daß die so heftig angegriffene Dawesanleihe von folgenden Banken zu tragen ist: I. P. Morgan Kuhn, Loeb & Co. National City Bank Guaranty Trust First Nationalbank of the City of New Jork Harry Forbes and Co. Institute, von denen nur ein einziges, nämlich Kuhn, Loeb L Co. etwas mit Juden zu tun hat, während die mächtigste von allen, nämlich die Morgan Bank, ausgesprochen antisemitischen Charakter trägt. Aber der Graf weiß sich zu helfen. Steht nicht schon in der Bibel geschrieben: Du sollst alle Böller stessen, die ich in Deine Hand geben werde?! Bisher hat man diese Stelle zwar für eine Verheißung gegen , die durch ihre Unsittlichkeit berüchtigten Kanaaniter gehalten, aber der „völlische Geist" berechtigt zu den kühnsten Erwartungen auf dem Gebiete moderner Bibeltritik. Es ist gewiß richtig, daß die Juden des. alten Testamentes, klug wie sie waren, alle Dinge, die sich 6000 Jahre später

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