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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 34

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 34 (sequence 8)
Language
German
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34 Zunächst ist dem Herausgeber der Schrift „Der falsche Gott" nichts aufgegangen von jener gewiß auch für den Nichtgläubigen bewundernswerten Weltliebe des jüdischen Gottes. Zwar wirst er sich zum „ernsten Bibelforscher" auf, hat aber scheinbar nie etwas gelesen von jener Gottheit, die, als sie ihren Bund mit Abraham schloß, jene Verheißung prägte, die auch für das Christentum von so ungeheurer Bedeutung blieb: „Alle Völker sollen in Dir gesegnet werden, alle Geschlechter der Erde." Was hilfts? Für völkische Beweisführer bleibt der Judengott „der Geist des Hasses", „der Stammesgötze", „der Gott von Grausamkeit und Menschenhaß". Nichts weiß Fritsch in seinem Werk zu sagen von dem nicht nur Israel, sondern der Welt geschenkten-Dekaloge nichts von der unbedingten Forderung des Schutzes der Armen, der Knechte, Witwen und Waisen, die noch Jahrtausende, nachdem sie längst nicht mehr in Kraft waren, die Bewunderung des Menschengeschlechtes hervorgerufen haben. Wer wird nicht Kittel zustimmen, wenn er sagt: „entweder kennt er jene Stellen nicht, dann ist er intellektuell nicht fähig, über diese Dinge allgemeine Urteile zu fällen — oder er will sie nicht kennen, dann ist er cs moralisch nicht." (S. 64.) Was aber Fritsch aus der Bibel herauszulesen weiß, ist so phantasieooll, daß der gerichtliche Gutachter sich nicht versagen kann, über ihn das Urteil zu fällen, daß er weit über das gewöhnliche Maß, das man als noch normale Urteilsunfähigkeit in wissenschaftlichen Dingen bezeichnen könnte, unfähig zu wissenschaftlichem Denken und Arbeiten ist. „Mit dem intellektuellen Defekt — so heißt' es weiter — dem abnormen Mangel an. Einsicht in wissenschaftlichen Fragen und Fragen des denkenden Verstandes geht aber hier Hand in Hand ein gleich starker moralischer Mangel." — Jeder Leser kennt gewiß noch aus seinen ersten Religionsstunden jenes Beispiel der Reinheit und Keuschheit, das die Bibel uns in der Gestalt Josefs geschenkt hat. Jenes seinem Begünstiger Pharao dankbaren Juden, der allen Verlockungen der ägyptischen Potiphar trotzt und von dem Goethe in „Dichtung und Wahrheit" (I.Teil, 4. B.) voll Begeisterung schreibt: „Ruhig scheint er und klar und prophezeit sich selbst die Vorzüge, die ihn über seine Familie erheben sollten. Durch seine Geschwister ins Unglück gestoßen, bleibt er standhaft und redlich in der Sklaverei, widersteht den gefährlichsten Versuchungen, rettet sich durch Weissagung und wird zu hohen Ehren und Verdiensten erhoben. Er gleicht seinem Großvater Abraham an Ruhe und Großheit, seinem Urvater Isaak an Stille und Ergebenheit." Herr Fritsch ist weiter als Goethe, er berichtet: „Als man eines Tages Geschrei im Hause vernahm, sah man Joses ohne Kleider über den Hof fliehen, und des Kämmerers Weib berichtet ihrem Mann: „Der hebräische Knecht, den Du uns hergebracht hast, kam zu mir herein und wollte mir Schande antun. Da ich aber ein Geschrei erhob, ließ er sein Kleid im Stich und entfloh." Josef freilich weiß die Sache anders darzustellen. Der Durchschnittsleser völkischer Geistesprodukte wird nicht glauben wollen, daß jemand es wagen könne, die Bibel zu fälschen. Wer besäße wohl den traurigen Mut, ein Plagiat eines Buches herzustellen, das in jedermanns Händen ist? Wir aber sind gewitzigt und greifen zum Bibeltext. Erlogen ist, daß „Josef es anders darzustellen weiß." Josef kommt überhaupt in der Bibel an dieser Stelle garnicht zu Worte, sondern lediglich der Schreiber der Bibel berichtet uns als Unparteiischer von den Zudringlichkeiten des ägyptischen Weibes auf der einen und der abweisenden Standhaftigkeit Josefs auf der anderen Seite, erst als er sich garnicht mehr zu helfen weiß, flieht er vor den Nachstellungen der Verführerin, denn, so ruft er aus: „Wie sollte ich denn nun ein solch großes Uebel tun und wider Gott sündigen?" Der völkische Wahrhcitsapostel unterschlägt einfach alles dies seinen Lesern und bringt so das gewiß nicht leichte Kunststück fertig, aus Potiphar ein Vorbild der Reinheit, und aus Josef einen Wollüstling zu machen. Es wäre mm nicht uninteressant, all die weiteren Fälschungen und Verdrehungen, die auf dem Gebiete der Josefsgeschichte geleistet werden, weiter zu verfolgen. Doch schreiten wir zu einem andern Beispiele „modernster Bibelforschung." Eines der gewaltigsten Dramen, die der große Hebbel uns geschenkt hat, ist zweifellos seine aus den Jugendjahren stammende „Judiths. Wer jemals den Konflikt zwischen Liebe und Pflicht miterlebt hat, der weiß, daß dieses Werk zu den mächtigsten unserer National-Literatur gezählt zu werden verdient. Und dies auch, wenn Hebbel sie uns anders darstellt, als der Erzähler der Bibel. Sie bleibt groß in ihrer Art, auch nachdem sie, von ihren weiblichen Trieben bezwungen, der auch in seiner Rohheit gigantischen Größe des Holofernes unterlegen ist. Aber es darf nicht verkannt werden, daß die Hebbel'sche Judith nicht zur Grundlage der Betrachtung der biblischen gemacht werden darf. Ein gewiß Antisemiten völlig unverdächtiger Zeuge: Heinrich vonTreitschke, hat dies in seinen „Ausgewählten Schriften" (Band II, 2. Auflage S. 341) schärfer ausgesprochen, als wir es vielleicht unterschreiben können: „Wie fremd steht die Frömmigkeit des alten Testamentes neben einem Materialismus, der an die häßlichsten Ausgeburten der?oe5!e

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