KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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32 nigketten des Umgangslebens, meist solcher, die mit dem wahren Judentum wenig zu tun haben, ein nationales Anderssein der Welt vorzutäuschen trachtet. Die Vertreter des jüdischen Nationalismus sind in Wahrheit Glieder der Nationen, denen sie durch Geburt und Kultur angehören, und das gilt nicht nur von den Formen äußeren Lebens, sondern auch von ihrer Gefühlswelt und ihrer Art zu denken. Die charakteristischen Eigentümlichkeiten, die jüdische Lehre und jüdisches Schicksal ihrem Wesen verleiht, bedeuten wenig im Vergleich zu der Fülle wahrhaft nationalen Lebens, das in ihnen schafft. Der jüdische Nationalismus ist heute in Wahrheit etwa einem Tigerfell zu vergleichen, hinter dem ein lebendiger Löwe sein wahres Wesen zu verbergen sucht. Daß der Jude stets ein treues Glied der Kultur seines Landes war, daß er im besten Sinne national ist, bedarf keiner besonders rühmenden Hervorhebung, da es einfach eine Selbstverständlichkeit ist. Gewiß liegen hier die Dinge nicht so einfach wie bei anderen Bestandteilen einer Ve> völkerung, die seit Jahrhunderten ansässig sind und bei denen nationale Entscheidung nie eine Frage des Willens wird. Die Juden sind — gewiß wider -ihren Willen — durch ihre leidvolle Geschichte ein Wandervolk geworden. Wo sie aber Bürgerrecht erlangten, haben sie in einem gesunden Gefühl für die Festigkeit, die nationaler Sinn gibt, sich an ihrer Stelle im Ganzen der Nation betätigt, sind überraschend schnell in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineingewachsen und haben Leistungen vollbracht, die im Rahmen der gesamten nationalen Betätigung sich durchaus sehen lasten konnten und von bleibender Bedeutung wurden. Die Mehrheit des deutschen Judentums freilich, besonders des Westens imb des Südens, ist weit längere Zeit ein Glied der Deutschen Kullurgemeinschaft als manche nichtjüdischen Teile, die erst im Mittelalter sich^ihr anschlossen. Bewundernswert ist aber die Fähigkeit, mit der bis in die neueste Zeit hinein die im Mittelalter nach dem Osten vertriebenen deutschen Juden sich nach ihrer Rückkehr in das deutsche' nationale Leben einstigen, bewunderswert sind die Leistungen, mit denen sie die deutsche Kultur bereichert haben. Das deutsche Judentum ist fraglos ein gut nationales Clement des deutschen Volkskörpers, und es gibt kaum ein Gebiet deutscher Kultur — Kunst, Politik, Technik, Philosophie, Recht, Medizin, Handel, Verkehr, Dichtung, Theater usf. — auf dem nicht die Juden erfolgreiche Mitarbeiter gestellt hätten. Und der Ruhm deutscher Kultur ist durch so manchen Juden hinaus in die Welt getragen worden. Auch in der Politik und ihren Folgerungen — Kriegsdienst und Kriegsopfer — unterscheidet sich die nationale Gesinnung der Juden in nichts von der. der übrigen Deutschen. Gewiß gibt es auch Ausnahmen, und zu ihnen rechnen wir — abgesehen von eingewanderten Ausländern, die den Anschluß an das Deutschtum bewußt ablehnen — vor allem jene, die ihr Deutschtum und ihre deutschnationale Gesinnung fortwährend auf den Lippen tragen. Von allen Teilen der jüdischen Bevölkerung dürften jene Kreise am wenigsten in deutscher Kulturgesinnung gefestigt sein, aus denen die Idee eines „Verbandes nationaldeutscher Juden" hervorgegangen ist, denn das unermüdliche Betonen eines Besitztums ist das beste Zeichen dafür, daß man es noch nicht fest ergriffen hat. Daß aber der überwiegenden Masse der deutschen Juden ein gesunder deutscher Nationalismus eigen ist, daß alle Glieder, die sich bewußt als Juden fühlten, jeden Internationalismus ablehnen, darf keineswegs ihre Stellung zu übernationalen Bindungen beeinflußen. Wir beten zum Gotte der ganzen Welt, wir sirid Glieder einer Religion, die über die Grenzen der Länder, über die Verschiedenheiten der Nationen hinweg, eine Einheit des Menschengeschlechts proklamicrt. Unserer Religion ist die Idee des Völkerbundes entsprossen, der ein wesentlicher Bestandteil der Verwirklichung des Messianismus ist. Unserer Religion entstammt die Lehre von der einen Sittlichkeit, der alle Menschen und Nationen sich beugen müssen. Das sind übernattonale, internationale Bindungen, denen ein bewußter Jude nur um so fester anhängen wird, je ttefer er nattonal empfindet. Und es wäre unendlich traurig, wenn die diktatorische Gewalt des „Nationalistischen" — so nennen wir den Nationalismus der brutalen Gewalt zum Unterschiede von hem der friedlichen Kultur — und seiner Phrasen in unseren Reihen noch mehr Köpfe verwirren sollte, als es bisher bereits — man beachte den Anhang des Verbandes nationaldeutscher Juden — geschehen ist. Cs ist beinahe überflüssig, darauf hiw zuweisen, daß auch unsere christlichen Mitbürger im Banne übernattonaler Zusammenfassungen stehen, die beim Katholizismus sogar über das rein moralische hinausgehen und eine sichtbare, starke Organisation aufweisen. Wir vertreten aus Gründen der inneren Gewißheit unseren Standpunkt, daß nur jener Nationalismus gesund und kulturfördernd ist, der in die übernatio-, nale Zusammenfassung des ganzen Menschengeschlechts mündet. Und dabei bleiben wir trotz der Vorwürfe, die uns die Welt macht. Auf der einen Seite gelten wir als die Söhne des unsichtbaren Reiches der „Weiser: von Zion", als die Vertreter des habgierigsten und rücksichtslosesten Machtnationalismus, andererseits als Förderer des antinationalen, alles zerstörenden und nivellierenden Internatto-