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KC-Blätter · 1925-07-01 · Heft 3 (Juli 1925) · p. Seite 31

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 3 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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31 Fremdnationales wäre. Was der international orientierte Kommunismus politisch und kulturell an die Stelle des Bestehenden sehen will, - ist im Grunde nur nationales russisches Gut! Und da es nun einmal nichts Absolutes und Allgemeingültiges gibt, das für alle Welt paßt, da die Vertreter des Nationalismus von^ihrer Natur nicht lasten und ihre nationalen Anschauungen und Arbeitsformen nicht überwinden können, erschöpft sich ihr Internationalismus in der Bewunderung des Fremdnationalen. So ist es natürlich, daß unsere Kommunisten in anbetender Verehrung nach Moskau schauen, so begreist man auch Friedrich den Großen, der als König von Preußen doch auch ein deutscher Fürst war, und der trotzdem nicht nur die deutsche Sprache verachtete, sondern sich dagegen aussprach, daß der französische König das schmählich geraubte deutsche Elsaß-Lothringen wieder herausgab. Internationalismus bedeutet aber auch noch, etwas anderes. Nationalismus kann nicht Selbstzweck sein. Schon ein flüchtiger Vergleich verschiedener nationaler Kulturen lehrt, daß überall parallele Strömungen vorhanden sind, die über das nur Nationale Hinausweisen und Wege zu einer allgemeinen Weltkultur erschließen. So verschiedenartig die Grundelemente jeder nationalen Entwicklung sind, sie gelangen in gewisten Fragen des Rechts, der Moral, des Verkehrs zu Anschauungen, wie sie auch anderen Nationen eigen sind. Die Einheit des Menschengeschlechts ist nicht nur ein religiöser Traum, sondern ein praktisches Ideal, und die moderne Zeit, die man als die Periode der aufs höchste -gesteigerten Verkehrs- und Austauschmöglichkeit zwischen den Völkern kennzeichnen kann, zeigt überall Ansätze zu einer Weltkultur, zum mindesten zu einer ethischen, die aber den SoNdercharakter der Cinzelnation unberührt läßt. Cs gibt eine Menschheit, und das Nationale ist nicht mehr Selbstzweck. Cs sucht eine Krönung in einem Aebernation a l e n, das man gleichfalls — nicht gerade glücklich — international nennt, und so wird das Internationale zu einer Zusammenfassung der Kräfte des wahrhaft Nationalen. Cs schützt die Welt vor den Auswüchsen des Machtnationalismus und wird dadurch zum eigentlichen Freund und Erhalter des Kulturnationalismus, es vermittelt die Beziehungen zwischen den Nationen, läßt sie in einen geistigen Austausch treten und regt so die Triebe des nationalen Lebens zum friedlichen Wettbewerbe an. And wie der Sinn der Menschen die Menschheit ist, so ist der Sinn des Nationalen das Aebernationäle! Die Klärung der Begriffe zeigt den rechten Weg. In Dingen der Kultur ist Nationalismus natürlich und darum notwendig. Cr ist die Bejahung der eigenen Persönlichkeit und des Lebenswillens. Internationalismus verrät dagegen einen Mangel an Selbstbewußtsein und an Erkenntnis des eigenen Werts, daneben aber das Fehlen historischen Sinns. Die Geschichte der Menschheit vollzieht sich eben in den Bahnen des Nationalismus, und die bleibenden Kulturleistungen sind nur durch ihn zu erklären. Cs ist das aber schließlich nur eine Amschreibung der biologischen Tatsache, daß alles Wirkende individuell und charakteristisch ist, daß nicht die Ideen Leistungen vollbringen, sondern praktische Verwirklichungen! And ebenso ist in der Politik der Nationalismus das Gegebene, solange er freilich sittlich bleibt! Das bedeutet aber, daß er übernationalen Bindungen sich beugt, die das Leben anderer nationaler Gemeinschaften sicherstellen. Die Gefahr des Nationalismus besteht eben darin, daß er in Verkennung seines Wesens sich weniger für die Form hält, die den charakteristischen Kräften einer Nation dw beste Ausnutzung und die größte Wirksamkeit verbürgt, als für den Inbegriff des göttlichen Schöpfungswillens, bestimmt, die Welt zu erobern und ihm das Heil zu bringen. Jeder Internationalismus in der Politik ist abzulehnen, weil er schließlich nur fremdem nationalen Willen Vorschub leistet. Gerade diese Seite des Kulturlebens beweist aber auch, wie erst die Synthese von Nationalem und Aebernationalem den Fortschritt der Menschheit und das Glück der Nationen sichert. So gewiß es ist, daß der Versailler Vertrag — und insbesondere der Raub Elsaß- Lothringens wie der deutschen Ostgebiete — lediglich der Ausfluß eines bis zum Irrsinn gesteigerten Machtnationalismus ist, so gewiß ist es auch, daß die Völkerbundsidee — wie unvollkommen gewiß das heute, sich bietende Bild seines Wesens und seines Wirkens auch sei — doch den Keim zu einer Entwicklung in sich trägt, die den Wert des Uebernationalen für die Weltkultur und für den Nationalismus selbst erweist. Wenn nun von der Stellung des Judentums und der Juden zum Nationalismus die Rede sein soll, so sei von vornherein bemerkt, daß auch der Begriff „jüdischnational" im Grunde nur ein verwirrendes Schlagwort ist. Anter jüdischnational könnte wohl dereinst, sofern auf dem Boden Palästinas im Gewände der hebräischen Sprache der jüdische Kulturwille im Verein mit dem Streben nach politischer Unabhängigkeit wirkliche Erfolge erzielt, auch ein nationales Leben, das dem anderer Völker wesensgleich ist, verstanden werden. Heute ist der Begriff des Jüdischnationalen lediglich eine trotzige Demonstration, die durch das Betonen fremdartiger Klei-

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