KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Lebens stark verwurzelte Richtungen es für nötig erachten, sich gegen den Vorwurf des Internationalismus zu wehren. So allgemein wirkt das Schlagwort, daß Nationalismus und Internationalismus Gegensätze feien. Versucht man nun, die Begriffe zu klären, so bedarf der Nationalismus keiner Erörterung und Feiner Rechtfertigung. Er versteht sich von selber, denn er ist der natürliche Ausdruck des Lebens- und Geltungswillens eines Volkes und seiner Glieder. Nationalismus bedeutet das Streben nach der Größe seiner Nation durch Arbeit aus der Grundlage der dem Volke eigentümlichen Gaben und Fähigkeiten. Jede Nation — unter ihr verstehen wir eine durch gleichen Boden, gleiche Sprache, gleichen Kulturwillen und einheitliche politische Führung geeinte Maste von Menschen — hat ihre spezifische Eignung, hat charakteristische Formen des Denkens, des Empfindens und des Möllens, die nur ihr eigentümlich sind. Sie zu bejahen, in ihnen zu wirken, gegen ihre Verkümmerung sich zu wenden, ist der Sinn des Nationalismus, der in sich die Gewißheit trägt, daß nur ein^ Leben in den der Nation natürlichen Bedingungen die Gewähr für ihre Blüte in sich birgt. Nur nationale Kultur ist gesund, nur sie vermag auch die letzten Kräfte des Volkes zu wecken und nutzbar zu machen. Das Bekenntnis zu diesem Grundsatz und seine praktische Verwirklichung ist der Inbegriff des wahren Nationalismus. Llrtd wer davon durchdrungen ist, daß jede Nation ein unveräußerliches Recht aus Eigenleben hat, wird auch die Grenzen des Nationalismus richtig zu ziehen wisten. Denn Nationalismus ist ein kultureller Begriff, und er setzt voraus, daß keine .Nation mehr zu erreichen trachtet als die restlose Crfastung ihrer eigenen Kräfte im Sinne der nationalen Aufgaben. Jeder Machtnationalismus stellt aber eine Verfälschung dar. Der Nationalismus hat wohl die Tendenz zur Ausbreitung insofern in sich, als er die Crgebniste seines Wirkens anderen Gruppen übermittelt, wo sie — umgestaltet im Geiste der nationalen Anschauungen des betreffenden Volkes — Ausnahme finden und für die innere Kraft des Urhebers zeugen. Jede nationale Arbeit will durch die Macht des Beispiels friedliche Mistion treiben, und so befruchtet das Wirken der einen Nation das der anderen. Deutsche Philosophie, deutsche Musik, hellenische Baukunst, italienische Malerei, römisches Recht sind nicht nur von anderen Nationen anerkannt und bewundert worden, sondern .sie haben nationale Triebe nach einer bestimmten Richtung aufsprießen und wunderbare Frucht reifen lasten, die fremde Grundlage mit eigenem nationalen Geiste in glücklichster Weise verbindet. Der eigentliche MachtnationalismuZ will aber mehr. In einer stark gesteigerten Selbstüberhebung mißachtet er den - Wert fremder nationaler Kraft, und sucht sich mit Gewalt über die Grenzen seines natürlichen Bereiches auszudehnen. Mit der Schärfe der Waffe erobert er fremdes Gebiet und sucht dann mit den rohesten Machtmitteln die den Unterworfenen eigentümliche Kultur zugunsten seiner eigenen zu vernichten. ' Eine unendliche Menge von ewigen Konflikten in der politischen Geschichte Europas geht auf die Ausschreitungen des Machtnationalismus zurück, und die Französierungsversuche im Elsaß mögen als einzelnes, besonders charakteristisches Beispiel genannt sein. Gewiß ist nicht zu bestreiten, daß auch nationale Eigentümlichkeiten keine für die Ewigkeit feststehenden Tatsachen sind und daß im Verlaufe der Geschichte ganze Volksstämme und Völker—sei es durch Wanderung aus fremden Boden, sei es unter der Wucht der fremden Ueberlegenheit — ihre Eigenart zugunsten einer fremden Kultur verändert haben. Hiergegen sich zu wehren, ist ebenso das natürliche Recht eines jeden Volkes wie es sein Recht ist, durch die innere Kraft seines Wesens friedlich wirkend moralische Eroberungen zu machen, die sich dann in ganz reale verwandeln. Der Machtnattonalismus aber, der rauben, unterdrücken und herrschen will, der den wahren nationalen Wert und das nationale Recht der Völker nicht achtet und innenpolitisch im gleichen Sinne wirkt, hat es zuwege gebracht, daß das Wort „national" in Mißkredit gekommen ist und' daß es innerhalb der freiheitlich gesinnten Parteien weite Kreise gibt, die zwar fest aus dem Standpunkt eines tief innerlichen Kulturnationalismus stehen, die aber doch gern das Wort „national" vermeiden. Wenden wir uns nun zu dem Begriffe „inte rnational", so ist bereits erwähnt worden, daß er zwei Inhalte umfaßt. Ost bezeichnet er die Gegnerschaft gegen das Nationale und kennzeichnet eine kulturelle und politische Richtung, die gern das charakteristische der Nationen verwischen möchte, um so eine allgemeine Gleichheit zu erzielen, die sich dann auch politisch auswirkt und die ganze — kulturell kaum noch voneinander unterschiedene — Menschheit in einem Bunde eint und Kriege unmöglich macht. An sich kann sich solche Anschauung niemals über das Niveau einer bloßen Theorie erheben, da ihre Verwirklichung an der harten Macht der Tatsachen scheitert. Alles Volksleben vollzieht sich in nationalen Formen, und sie ändern oder abschaffen zu wollen, käme höchstens auf eine Vernichtung des Lebens selber heraus. Internationalismus im Kulturleben ist darum eine Unmöglichkeit, weil Völker wie Menschen Individuen sind, die nur in ihrer Art zu wirken vermögen, und weil dadurch schließlich das „Internationale" doch weiter nichts wie ein