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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 26 (sequence 16)
Language
German
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26 von ihm entfernt. Cs genügt nicht mehr das bloße Lippenbekenntnis deutschvaterländischer Gesinnung, die uns so selbstverständlich sein sollte, daß jede Betonung überflüssig erscheint. Durch das ewige Hin- und Hergondeln von Komment und Tendenz, Fecht- und Couleursrage, merken wir nicht, daß uns der Boden, auf dem wir stehen, langsam unter den Füßen weggezogen wird. Der Cinwand, daß Fechten und Farbentragen nicht mehr in die heutige Zeit paßten, hat längst keine Geltung mehr. Auch in der Republik, die' ja nur eine Staatsform ist, eignet sich, was der Monarchie stand; Fechten ist für uns eines der Mittel, unsere Zungen zu ausdauernden und entsagenden Menschen, zu machen. And die Couleur ist uns nur Symbol für Ehre und Treue. Symbole aber kann man auch in der Republik nicht entbehren. Rein, daß es überhaupt eine Fecht- und Couleurfrage gibt, ist »die Folge der weit wichtigeren, ob diese Dinge dem Juden stehen oder nichts And hier kommen Wir zurück zum Kampf, den uns der Zionismus aufgezwungen hat und den wir annehmen und bis zur klaren Entscheidung ausfechten wollen. Sollen wir ihn bestehen, dann müssen wir Abstand nehmen vom Zionismus, äußerlich und innerlich. Heraus mit unseren Mitgliedern aus allen zionistischen Organisationen und solchen, die mehr oder minder versteckt dem Zionismus Helferdienste leisten! Wir müsien diese Verbandbrüder darauf Hinweisen, daß sie auf dem besten Wege sind, sich selbst untreu zu werden. And gibt es auch Masienaustritte, das schadet nichts. Einmal muß die Entscheidung doch kommen, je eher, desto besser. Hie Deutschtum — hie Zionismus! Cs gibt kein Zwischending. „Die Geschichte hat Verzeihung für alle Irrtümer, für alle Aeberzeugungen, sie hat keine für Aeberzeugungslosigkeit!" □ Weder- und Blätterfcbau □ Das deutsche Judentum und seine innerjüdischen Gegner, von Dr. Jakob Marx (Vad.°H.). Philo-Verlag. Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat sich in den letzten Jahren die Richtung der jüdischen Broschüren und Vuchliteratur wesentlich verschoben. In dem Gebiet der Broschüren, das immer der Polemik besonders zur Verfügung stand, erschienen nur noch Aufklärungs¬ und Abwehrschriften, die sich mit dem Kampf gegen unsere völkischen Gegner befaßten, während die Vuchliteratur sich philosophischen, theologischen und historischen Schriften zuwandte. Rur hier und da brachte die nationaljüdische Presse eine Aufklärungsbroschüre, aber sonst hatte man es aufgegeben, Gegensätze innerhalb des deutschen Judentums außerhalb von Versammlungen und Zeitschriften zu behandeln. Wenn man die Broschüre von Kbr. Marx aus der Hand legt, merkt man, wie falsch diese Einstellung der Verlagsarbeit in allen Lagern eigentlich war. Die Zeitschrift ebenso wie die Versammlungsrode spricht immer nur mehr oder minder zum Kreis der „Gläubigen", der Gesinnungsfreunde, die Broschüre dringt darüber hinaus. Aber auch für diesen . Kreis der Gläubigen kann man nicht eine jede Frage in Versammlung oder Zeitschrift mit dem Beweismaterial behandeln, das für eine sachliche Polemik erforderlich ist. And Sachlichkeit bedarf es bei jeder Polemik besonders, wenn sie zwischen verschiedenen Parteien des gleichen Lagers ausgekämpft wird. Bedarf es denn aber im innerpolitischen Lager einer solchen Polemik, einer Aufklärung? Sind die Grundbegriffe nicht seit Jahren geklärt? Rein, heute weniger denn je. Von welcher Seite wir auch den Komplex von Problemen betrachten, vor deren Lösung der deutsche Jude gestellt ist, überall haben die letzten Jahre neue Fragestellungen gebracht. Manche alten Gegensätze erscheinen ausgeglichen, neue sind aufgetaucht. Für den, der sich nicht auf das heute beschränkt, der sich seiner Pflicht bewußt ist, für die Zukunft des deutschen Judentums zu arbeiten, war die Schrift von Marx ein Bedürfnis. Wie das Auftreten Herzls, wie die Abkehr vom Agaydaprojekt, wie die Valfourdeklaration den Zionismus grundlegend verändert, ihm alte Freunde entfremdet, neue zugeführt haben, so auch die fünf Jahre praktischer Aufbauarbeit. Was wird werden? Ist das, was wir in Palästina erleben, der Anfang der Lösung der Iudennot, wie Herzl sie erhoffte? Ist so das Nationalheim des Baseler Kongresses? Welche Folgen aber wird diese Bewegung, diese Arbeit haben? Wie ist ihre wirtschaftliche Zukunft? Wird Palästina ein Zuschußgebiet bleiben oder wirtschaftliche Selbständigkeit erringen? Wird es eine eigentliche Staatlichkeit erwerben? Welche Wirkungen aber, das ist die Frage der Fragen, werden die Vorgänge im heiligen Lande aber auf das deutsche Judentum haben? Wie stehen wir auf der anderen Seite innerhalb unseres deutschen Vaterlandes? Ist die Grundanschauung Max Naumanns, die sich der von ihm begründete Verband zu eigen gemacht hat, die unsere? Ist sie mit selbstbewußtem deutschen Judentum vereinbar? — Welches sind ihre Aus- Wirkungen auf die Zukunft des deutschen Judentums? Alle, diese Fragen kann eine Broschüre nur ausweisen und mit grellen Schlaglichtern beleuchten. Aber auch diese Momentbilder mußten gemacht werden, gleichwie Skizzen dem Gemälde voraufgehen müssen. Das Bild ausführen, muß jeder selbst, vielleicht daß dann einmal einanderer es der Oeffentlichkeit übergibt. Diese Skizzen geliefert zu haben, ist das Verdienst von Kbr. Marx. Nicht Fragen endgiltig beantwortet, aber ausgeworfen hat^ diese Schrift. Sie will in sachlicher Polemik die Dämmernden aufrütteln. Für uns K.C.er ergibt sich die Pflicht, seinen Gedanken nachzugohen und sie auszubauen. Wir dürfen weniger als jeder andere achtlos an den Veränderungen im Lager unserer Gegner vorübergehen, weil wir uns bewußt sind, daß es sich um die Gedanken handelt, die in ihrer politischen Auswirkung die Zukunft unserer selbst, des deutschen Judentums/bestimmen, mag es sich hierbei um Nationaljuden oder um die Ideen des Verbandes nattonaldeutschcr Juden handeln. Darum gibt es keine Empfehlung. Wer diese Schrift nicht gelesen, nicht durchdacht hat, hat seine Pflicht als K.C.er nicht voll erfüllt. H. B. Der Morgen, Zweimonatsschrift. Herausgegeben von Prof. Julius Goldstein. Philo-Verlag. Bezugspreis 12 M. jährlich. Wie die Broschüre von. Marx füllt auch diese Zeitschrift eine Lücke in der deutschjüdischen Literatur. Wir haben politische und religiöse Zeitschriften, aber was Uns fehlte — und oft ist diesem Mangel Ausdruck verliehen worden —, war das Organ, das unsere Auffassung über das deutsche Judentum wissenschaftlich, nicht nur religiös und politisch, sondern auch historisch und soziologisch begründete. Endlich ist diesem Mangel abgeholfen. Zwei Hefte liegen uns schon vor, und wenn wir die Zeitschrift besprechen sollen, sällt es schwer, Aufsätze herauszugreifen, die unsere Auffassung belegen. Kbr. Iacob(Viadr.-Vr.)nimmt vom Stand- Punkt des modernen Theologen zum ersten Buch unserer Lehre Stellung, Franz Oppenheimer behandelt den Antisemitismus als soziologische Erscheinung. Leo Baeck schreibt über kulturgeschichtliche, Julius Rotholz über lite-

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