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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 25

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 25 (sequence 15)
Language
German
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25 folgen. Man muß hinter ihnen stehen, selbst dann, wenn der Konvent im Augenblick die Pläne nicht durchschauen, nicht verstehen kann. Denn nichts ist schlimmer und dem Ruf und der Schlagkraft einer Verbindung nachteiliger, als Nichtdurchführung eingefädelter Pläne — wovon der Verfasser nach fast vierjähriger hochschulpolitischer Tätigkeit ein Lied zu singen weiß. In: Sinne des Dargelegten wird jede Verbindung der Studentenschaft, der Hochschule, der Philisterschaft des Ortes, den Behörden — von den lokalen bis zu den allerhöchsten — zu zeigen haben, wer und was sie ist. Jeder Kommers, jedes Stiftungsfest, jede größere Veranstaltung, alles muß in dieser Weise ausgenutzt werden. Es darf nicht Vorkommen, daß Alte Herren — wie es geschehen ist — es durchsetzen, daß keine anderen Korporationen, daß keine Behörden geladen werden, weil sie lieber unter sich sein wollen. Auch die Alten Herren müssen lernen, der Verbindung Opfer zu bringen und wieder Disziplin zu üben. Die Verbindungen stehen in der Front, sie gehen unb^nngt vor. Die letzten zehn Jahre haben eine Welt geändert. Sie haben dem Deutschen Volke insbesondere mit erschreckender Deutlichkeit vor Augen gehalten, daß überall aus der Erde — auch im kleinsten Kreise — politisch gedacht werden muß. Es ist nicht einzusehen, warum einzig der K.C. vollkommen apolitisch denken dürfe. Der K.C.er nennt sich gern mit Stolz „Vorkämpfer für Deutschtum und Judentum" — und belügt damit sich und andere; es ist wie 1806, wie 1914, als Preußen und Deutschland auf den Lorbeeren vergangener Tage die Gegenwart verschlafen hat und so die Erfordernisse der neuen Zeit natürlich nicht erkennen konnte. Unseren Alten Herren /st es unmöglich, sich ein Bild vom Hochschulleben zu machen, das so ganz anders ist, wie zu ihrer Zeit. Die aktiven Verbindungen geben ihnen, wenn überhaupt, nur unklare, verwaschene Bilder, einfach deshalb, weil sie fast überall den Ereignissen innerhalb der Studentenschaft mit einer unglaublichen und unverantwortlichen Indolenz gegenüberstehen, und selbst nicht wissen, was die Glocke geschlagen hat. Macht endlich ein Ende damit! Die Gefahr ist doch nachgerade groß und erkennbar genug geworden! Wacht auf, bevor es zu spät ist! In wenigen Wochen tritt in Bonn der K.C.- Tag zusammen. Wie es den Anschein hat, wird er erfreulicherweise diesmal nicht mit interner Kleinarbeit seine Zeit hnibringen müssen. Er erkenne seine Aufgabe! Videant consules . . .! Wohin geht die Fahrt? Refererrdar Siegfried Spiegel (Alb.). Wir nähern uns dem K. C.-Tag. Erfreulicherweise hat der G.A. zum Tagungsort Bonn erwählt. Nicht ohne Grund. Liegt doch diese schöne Musenstadt mit ihrer noch schöneren Umgebung in dem Teil unseres Vaterlandes, der heute durch die Frage seiner Freigabe seitens der ehemaligen Feindstaaten eine weltpolitische Bedeutung erlangt hat. Auf diesem herrlichen Flecken deutscher Erde soll erneut unser Treugelöbnis für Volk und Vaterland erschallen. Durch die Wahl Bonns zum Verbandstagungsort wollen wir zeigen, wie stark wir uns innerlich verbunden fühlen mit dem Schicksal des Gesamtvaterlandes, dessen Not und Trauer wir teilen. Wünschen wir aber, daß dieses Treubekenntnis die Wirkung erzielt, die ihm von uns zugedacht ist, so müssen wir uns zuvor mit einem anderen Problem befassen, das leicht die Stärke der von uns gewollten Wirkung beeinträchtigen könnte. Das ist das zionistische Problem, das heute bereits einen außergewöhnlichen Raum im innerjüdischen Geschehen einnimmt. Cs ist wohl unbestreitbar, daß der Zionismus den Kreis, der ihm von seinem Schöpfer gesteckt war, durchschritten hat und daß er in einen neuen Kreis eingetreten ist, in dem sich sein Laus zu reiben beginnt mit dem der deutschsühlenden und deutschseinwollenden Juden. Diese Reibung wird eines Tages zu einem offenen Konflikt führen. Cs wird ein Kampf losbrechen — und er wird auch nur mit geistigen Waffen durchgeführt —, in dem eine klare Entscheidung verlangt werden wird von jedem Juden zu der Frage: Rationäljude oder Konfeffionsjude. Der Zionismus, der ursprünglich Religionszionismus war, ist heute völkischer Zionismus geworden. Wir fühlen es deutlich und darum dürfen wir es offen aussprechen: In die Schicksalsverbundenheit zu unserm angestammten Mutterlande hat der Zionismus einen Keil getrieben, der das Gleichmaß unseres Daseins zu stören bedroht. Schon beginnen die Völker' der Erde sich in auffälliger Weise für die Kolonisation Palästinas zu intereffieren. Vielleicht erblicken sie im Zionismus eine mögliche Lösung der Iudenfrage, so, wie sie sie wünschen. Allein das kann nicht unser Wunsch sein. Zwar neigen auch wir uns in Ehrfurcht vor dem, was Zionisten im heiligen Land bis heute vollbracht haben. Die Fruchrbarmachung großer Oedlandstrecken, der Ausbau ganzer Städte, und was sonst noch alles an Großem geleistet wurde, ist zweifellos eine volkswirtschaftliche Tat, für die die ganze Welt dankbar sein muß. Aber sowie diese Leistungen als notwendige Voraussetzungen eines zu gründenden Nationalstaates bewertet werden, müssen wir sie ablehnen. * Cs mag hier die Frage unerörtert bleiben, ob es dem Zionismus jemals gelingen wird, sein Werk zu vollenden; denken wir nur an die mit Recht sehr heftige Gegenwehr der Araber und der Kurie. Aber gesetzt den FM, der Zionismus käme zum Ziele, was wäre die notwendige Folge? Wir würden eines Tages eine zweite Staatsangehörigkeit erlangen, kraft Abstammung, die jüdische. Mag sich dadurch formell beim Einzelnen auch wenig verändern, materiell wären wir dann doch eben da, wohin uns die Anttsemiten bringen wollen. Cs ist hier nicht der Platz, sich über diesen Gedanken mit allen seinen möglichen Auswirkungen zu verbreiten. Indessen müssen wir die richttge Einstellung zu der außerordentlich wichttgen Frage des Zionismus gewinnen. Wir müssen zurück zum Programm der Gründer unseres Verbandes, zu dem wir uns heute leider nur mehr aus liebevoller Pietät, traditionsmäßig, denn tatsächlich bekennen. In Wirklichkeit find wir meilenweit

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