KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (April 1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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24 i'1ryii??"^^’>'t!- nung, die zuläßt, daß ein Beauftragter für so viele Kommilitonen das Wahlrecht gültig ausüben kann, als er Studentenkarten vorzuweisen in der Lage ist? Kann sie noch überboten werden durch das in der Berliner Studentenvertretung herrschende System, das den Fraktionsführern ermöglicht, für ausgeschiedene Fraktionsmitglieder nach ihrem Gutdünken andere Komilitonen in die Studentenvertretung hineinzubenennen? Der Student, der wählt, der Student, der gewählt wird, — sie bedeuten nichts; nur aus die Nummer kommt es an. Diese Verhältnisse und ihre Bedeutung sind es, die der K.C. nicht nur erkennen, sondern auch, was er bisher versäumt hat, sich dienstbar machen muß. Seine Einstellung muß heute eine doppelte sein: Einmal muß er natürlich, wie bisher, jeden einzelnen Kartellbruder zu einer möglichst hoch gesteigerten Persönlichkeit zu erziehen suchen. Für den K.C.er ist der einzelne ja nicht nur eine Nummer, — er ist zunächst der Bundesbruder, dem menschlich näher zu kommen nicht anders als durch Berührung des persönlichen Moments möglich ist, — er ist aber weiter derjenige, der Führer werden und in der Lage sein soll, seinerseits die Massen, die die Welt bedeuten, zu den von ihm für gut erkannten Ziele zu lenken. Insoweit gleicht die Verbindungserziehung von heute und morgen der von gestern, — mag man nun im Fechten, im Sport, im Wissenschaftsbetriebe oder in anderen Möglichkeiten die beste Methode sehen. Nur über eins muß man sich heute klar sein: Prinzipielle Auseinandersetzungen darüber dürfen heute nicht zu Hauptfragen werden. Jeder Augenblick, der unnütz mit der Besprechung der eigentlich grundsätzlich in Form gesunder Kompromisse lange schon gelösten Fragen hingebracht wird, hindert den K.C. an der Festlegung seiner Einstellung nach außen, an der praktischen Durchführung eines wichtigsten Teiles seiner Tendenz. Bevor man heute über Kartellsechten und Eouleurtragen im einzelnen gewiß sehr interessante Reden halten darf, muß man zunächst lernen, sich als Gesamtheit im Hochschulkampf zu betrachten, — als Kampforganisation, nicht als Kämpferbund. Der K.C. und jede einzelne K.E,-Verbindung muß in Verfolg dieses Gedankens sich einzufügen trachten, in den hochschulpolitischen Kamps, als Masse in den Kampf der Masse gegen die Masse. Daß es dazu einer unbedingten Geschlossenheit jeder Verbindung in erster Linie bedars, wird jedem klar sein. Das scheint keine neue Forderung. Aber während man früher vor allem aus Gründen der Bundesbrüderlichkeit die innere Geschlossenheit erstrebte/ während man sie zu einem Wesensbestandteil des Fühlens des K.C.ers machen wollte, geht es heute um ein anderes Ziel. Der Zeitpunkt hat — wenn wieder ein etwas kühner Vergleich gestattet sein darf — eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Augenblick in der Weltgeschichte, da die Ritterheere, deren Taktik bis dahin nur eine Menge einzelner Wettkämpfe kannte, Plötzlich den als einheitliche Formation auftretenden Bauernscharen gegenüberstanden und ihnen unterlagen. Im letzten Augenblick haben die Ritter nach manch schwerer Niederlage erkannt, daß selbst der beste Reiter und Fechter der Masse unterlegen sei. Sie haben sich, blutenden Herzens zwar, aber konsequent ihrem Sekbstbehauptungstriebe gehorchend, der Forderung der Zeit gefügt und sind unter Zurückstellung ihrer Individualitäten nach außen zusammengeschmolzen zu einem einheitlichen Körper. So haben sich die Modernen Armeen entwickelt, die zur Waffe geworden sind in der Hand ihrer Führer. Die K.C.-Verbindung, bis zum Kriege und darüber hinaus bis heute ein aus vielen Einzelwesen zusammengesetztes, gewissermaßen summiertes Subjekt, muß ganz entsprechend zum Objekt werden. Ihr Wesen wird dadurch — immer nur vom Standpunkt der Tauglichkeit im Kampfe und Hochschulkampfe aus betrachtet — von Grund auf geändert, daß sie vom Erziehungsmittel zur Waffe geworden ist. Die Aufgaben, die den K.C.-Verbindüngen durch diese notwendig gewordene Umstellung erwachsen, sind schwer, schon wegen ihrer Mannigfaltigkeit. Es liegt ihnen zunächst' einmal ob, aus ihrer Mitte sich Führer zu wählen, die nicht nur, wie die Chargierten der Friedenszeit, lediglich als erste unter gleichen die nun einmal unumgängliche Leitung des Gemeinschaftslebens zu kennen und beherrschen müssen, wie der Feldherr besorgen haben. Die Ausgabe der neuen Führer verlangt, daß sie die Verbindungen in Der Art seine Truppen, wie der Schütze seine Büchse kennt und beherrscht. Weiterhin — und das erscheint fast noch schwerer — muß erst einmal die Praxis für die Anwendung dieser Waffe geschaffen werden. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, daß es unmöglich ist, im Sinne einer Felddienstordnung eine allgemeingültige Anweisung aufzustellen: „Ueber den Einsatz aktiver K.C.-Verbindungen in den Hochschulkampf." Das geht ebensowenig, wie sich ein Lehrbuch der Politik schreiben läßt. Die örtlichen, die Augenblicksverhältnisse wollen berücksichtigt werden, Imponderabilien der mannigfachsten Art müssen beachtet werden — kurz es wird nichts anderes übrig bleiben, als zunächst den Chargierten und Außenvertretern mit unbedingtem Vertrauen zu