KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (April 1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 23 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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-;«•—!- -,V V „.«-'S -h_S -V" - /.-X,-‘"'J“' ' •”>.'/ 23 standsfähigkeit des Deutschen Volkes ins vielfache steigern konnte. Aber schon mit dem Fortschreiten des Krieges wurde es fühlbar, daß die Individuen an Bedeutung hinter die Maßen zurücktrüten, um in den letzten Monaten fürchterlichen Beweis zu erbringen, daß Masse alles, Individuum' wenig oder -nichts ist. Der alte Fritz hat recht gehabt: Der liebe Gott ist mit den stärkeren Bataillonen. Im Deutschland der Nachkriegszeit ist dieses Prinzip dann mit fast krankhafter Steigerung zur Geltung gelangt. Der einzelne war nichts mehr, die Masse alles. — Um bei dem, ja für die Verhältnisse typischen Bilde des Staatswesens zu bleiben, wie es sich in recht bezeichnender Form in der Reichsverfassung 'niedergeschlagen hat:' Die Masse regiert in Deutschland/ nicht ein einzelner: „Die Staatsgewalt geht vom Volk aus" (RV. Art. 1). Die Masse wählt die Führer,, aber nicht etwa einzelne, besonders fähige Individualitäten, sondern anonyme Personengesamtheiten, neue, wenn auch zahlenmäßig kleinere Massen: die Parteien. Und die von Parteien hinter verschlossenen Türen (hinter denen sich alles mögliche abspielen kann) ausgewählten und in das oberste Reichsorgan entsandten Männer und Frauen bilden als Reichstag abermals eine Personengesamtheit, der natürlich keine wahre Unabhängigkeit besitzt, sondern einmal von den schon genannten Personenvereinigungen, Parteien und Wählern, dann aber von bestimmten, wieder anders zusammengesetzten Gemeinschaften, den Wirtschaftsgruppen u. dergl. abhängt. Was sich schon im Kriege gezeigt hatte, setzte sich weiter fort: Der Sieg der Gesamtheiten über die Persönlichkeit, und zwar in der Praxis sowohl wie —allmählich — auch in der Idee. Man hat lange, vergeblich, einen Menschen vondem Format eines Friedrich des Großen, eines Bismarck gesucht, der den Massen als ebenbürtig das Gleichgewicht hätte halten können, :— man hat keinen gefunden, und hat durch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten und schon vorher durch seine Aufstellung gerade durch die Rechtsparteien der Öffentlichkeit kundgetan, daß man das Prinzip der Auslese des Genialen aufgebe: Hat doch Hindenburg durch sein Wirken als Chef der obersten Heeresleitung gezeigt, daß er zwar ein Heerführer von bestem Durchschnitt oder gar noch etwas mehr, aber keineswegs ein, auch einer Mehrheit gegenüber siegreicher Titan ist. — Man mag diesen Abweg in das Staatsrecht verzeihen. Man mag es kühn, vielleicht gar unsinnig finden, wenn im Zusammenhang damit Zustände besprochen werden sollen, die sich im K.C. gezeigt haben. Aber ist nicht Verfassung und Wahlgesetz Ausfluß der Zeit? Spiegeln sich nicht in ihnen alle Strömungen mit verhältnismäßig großer Treue wieder? Es wäre leicht, auch an anderen Beispielen, im.Wirtschaftsleben vielleicht an der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen und dergl. dasselbe zu zeigen. Es ist in diesem Zusammenhang gleichgültig, ob die geschilderten Erscheinungen zu begrüßen sind oder nicht, — sie sind vorhanden; man mutz mit ihnen rechnen. Man muß vor allem -als Kampforganisation versuchen, sie-sich Nutzbar, zu machen. . Der K.C. hat das bisher noch nicht getan. Wenn man den K.C., wie er vor dem Kriege sich darstellte und wie er heute ist, nebeneinander betrachtet, unter Berücksichtigung der oben kurz gestreiften Erscheinungen, so ergibt sich etwa Folgendes: Vordem Kriege waren die Verbindungen im wesentlichen nur Erziehungsmittel. Sie waren eine Zusammenfassung vieler Einzelner, die an ihr einen Rückhalt, einen Lehrer in und für ihre Einzelkämpfe haben sollten und auch hatten. Der einzelne trat damals in den Kampf, mit blanker Waffe einem einzelnen Gegner gegenüber. Der einzelne, und mit der Zahl der'Zweikämpfe wachsend viele Einzelne siegten oder wurden besiegt, und wenn man die Fechtschneidigkeit der K.C.-Verbindungen rühmte, so meinte man damit die Fechtschneidigkeit des einzelnen K.C.ers. Heute ist es anders. Gewiß wird auch heute der einzelne hin und wieder als K.C.er einen Kampf als Einzelwesen zu bestehen haben, und muß deshalb entsprechend gerüstet sein. Von ausschlaggebender Bedeutung ist aber jetzt im allgemeinen die Verbindung als Personen g e s a m t h e i t. Daß das nicht nur für die K.C.-Verbindungen allein gilt, zeigt mit großer Anschaulichkeit das neue Studentenrecht, das geradezu zu einem Vergleich mit den Einrichtungen des Staates herausfordert, — einem Vergleich, der umso interessanter dadurch wird, als man in der Mehrheit der Studierenden, die dieses Studentenrecht geschaffen haben, die größten Gegner des neuen Staates sehen muß; dadurch, daß im Studentenrecht sich ganz genau die gleichen Erscheinungen zeigen, wie in den so bekämpften staatlichen Einrichtungen, scheint der Beweis, daß es sich um eine, der Zeit eigentümliche Gesamterscheinung handelt, erbracht zu sein, - — zum wenigsten insoweit diese Fragen hier von Interesse sind. Im hochschulpolitischen Wahlkampf treten genau wie bei der Reichstagswahl anonyme Parteien mit anonymen Programmen auf den Plan; man wählt nicht besonders vertrauenswürdige und erprobte Kommilitonen, sondern die von den Parteigruppen ausgestellten Listen werden zur Wahl, gestellt. Kann die Geringschätzung des Einzelnen deutlicher zu Tage treten, als z. B. in der Würzburger Wahlord-