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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 22

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 22 (sequence 12)
Language
German
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22 gesinnte Kommilitonen zusammenfassen Will. Diese Ideen, aus der Not des K.C. geboren, kommen gewiß aus ehrlichen Herzen, — die wahre Ursache dieser Not haben sie aber nicht treffen können. Etwas ist Wohl richtig an ihnen. Denn so, wie es heute im K.C. geht, geht es wirklich nicht weiter. Der Kampf gegen den Antisemitismus, heute wie ehedem der oberste Grundsatz, das höchste Ziel des K.C. und jeden K.C.ers, ist von einer Tat zum bloßen Schlagwort geworden. Wer kämpft heute noch? Mit dem Säbel in der Faust vielleicht in den seltensten Ausnahmefällen einmal aus besonderer Gnade der Herren Gegner der eine oder andere. Der K.C.er, im allgemeinen, — anders wie 1914 und vorher, wo eigentlich jeder einmal ein antisemitisches Rencontre mit der Waffe beendet hatte, — ganz gewiß nicht. Und wer kämpft außer diesen wenigen? Man wird nicht zuviel sagen, wenn man getrost die Antwort gibt: Niemand. Und dabei, — und das ist das Tragische und andererseits das Versöhnende —, dabei ist der Kampfgeist noch im wesentlichen vorhanden, lebt in jeder Brust noch ein Wille zur Leistung. Daß es beim Wollen bleibt, daß darüber hinaus nichts geschafft werden kann, — das ist es, was den jungen K.C.er so ermüdet, was ihm die Lust am Verbindungsbetrieb nimmt, Was nutzen die schönsten Reden auf-den Kommersen, bei Stiftungsfesten und auf dem K.C.-Tag? Was hat der Fux von dem, was ihm in den Fuxenstunden eingebläut wird, was der Aeltere von dem, was er in den Schulungswochen lernen soll? Nichts, gar nichts! Kann es doch nicht im Kampfe verwertet werden. Man kommt ja doch mit keinem Gegner zusammen. Kann man es da der oder jener Verbindung so verübeln, wenn sie sich an das scheinbar einzige hält, was ihr zu tun noch geblieben ist, — wenn sie — im Kartell — Schläger ficht bis zum Umfallen. Muß man dies nicht vielmehr begrüßen, muß man es nicht ansehen als die Aeußerung eines Willens zur Tat, der sich nicht unterkriegen lassen will, der mit dem Wollen allein sich nicht zufrieden gibt und gebieterisch zum Handeln drängt? Man zeige den Verbindungen einen gangbaren Weg zum Ziele, — man zeige nur die Richtung, die einzuschlagen ist,. und man wird sehen, daß ein neuer, frischer Geist im Verbände lebendig werden wird. Es mag gestattet sein, bei dem Versuch, die wahren Gründe für die heute den K.C. beherrschende Schlaffheit herauszufinden, an die Gedankengänge derer anzuknüpfen, die die Verbindungsform. für überlebt ansehen. Sie sagen, der K.C. sei mit der Zeit nicht mitgegangen. Deshalb müsse er seine Form aufgeben, und in neuer, freier Bahn seine alten Ziele zu erreichen suchen. Ueber diese Bahnen aber wird nichts weiter gesagt, als daß sie frei sein sollen, — wo sie liegen, in welcher Weise sie zum Ende führen, — das wird alles schamhaft verschwiegen. Man ist so klug, wie je zuvor: die Frage, die zur Lebensfrage des K.C. geworden ist, bleibt ungelöst. — Es ist ja so einfach: Man fühlt etwas faules, und klammert sich nun mit aller Gewalt an das erste, was dem Betrachter auffällt, an die Form. Gewiß, auch die Form hat ihre Schwächen, — aber glauben etwa die Herren Kartellbrüder von der Gruppe der unbedingten Reformer, daß sie eine ideale Form zu schaffen in der Lage sind? Und ist die Form der Korporation an sich wirklich so furchtbar reaktionär, wie man sie gern hinstellt? Ist es nicht ein ganz verhängnisvoller Irrtum, wenn man sich dadurch ins Bockshorn jagen läßt, daß man weite Kreise der reaktionären Studentenschaft die Form mit ihrem rückschrittlichen Geiste erfüllen sieht? Man wird wohl noch ebensogut, wie diese Herren ihren Geist über die Form hinauswachsen laßen, auch seinen eigenen vorwärtsstrebenden Geist in die nun einmal vorhandene und doch in langer Geschichte bewährte Form einfüllen dürfen! Denn auf den Geist allein kommt es an, meine Herren Kartellbrüder; die Form hat dem Geiste nur zu dienen. Wenn man die Form aus den folgenden Betrachtungen ausschaltet, dann nmß man zugeben: in einem Punkte haben die Alten Herren von der Reformgruppe recht. Der K.C. ist wirklich mit der Zeit nicht mitgegangen. Er hat die in den letzten zehn Jahren eingetretenen Wandlungen nicht erkannt und infolgedessen nicht mit ihnen gerechnet. Freilich in einem ganz anderen Sinne als dem, von dem so viel geredet worden ist. Nicht nur die Wirkungen, die der heutigen Zeit das unterschiedliche Gepräge zur früheren gegeben haben, — die Vorgänge im Völkerleben, die diese Wirkungen ihrerseits hervorgebracht haben, gilt es zu erkennen. In der Vorkriegszeit fällt die ungeheure Betonung des Individuums auf. Ueberall, wohin man immer sehen mag, kommt es zum Ausdruck. Im Staatswesen zeigt es sich schon äußerlich durch die monarchische Form, durch die Wahlrechte, die im Gegensatz zu heute, keine Parteien und Grup- ' pen, sondern nur einzelne Bewerber kennen. Der Krieg schien in den ersten Monaten dieses Prinzip des Individualismus ins ungeheure steigern zu wollen. Las man doch immer und immer wieder von Leistungen einzelner, von Feldherren und kühnen Parteigängern zu Lande, zu Wasser und in der Luft, von Großtaten einzelner Gelehrter, deren Wirken die Schlagkraft und Wider-

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