KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (April 1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 21 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Das stoffliche System will den Unterricht geben nach Materien, wie z. B. „Zionismus", „deutscher Antisemitismus", „Verfolgungen der Juden im Mittelalter" etc. Ich selbst habe mich mit dem letzten System wenig ansreunden können. Es entbehrt der klaren Uebersicht und verleitet dazu, wichtige Punkte außer Acht zu lassen. Es fehlt hier die Gelegenheit zu so fließender Darstellung, wie es im historischen System gegeben ist. Ich selbst stehe ans. dem Standpunkt, daß, genau so wie man Wesen und Bedeutung des Menschen am Besten aus seiner Lebensgeschichte erkennen kann, man auch das Wesen des Judentums, unserer Tendenz und des KC. nur begreifen kann, wenn man sich ihre Geschichte ansieht.. Darum gebe ich diesem System den Vorzug. Ich habe dann noch einige wenige Worte darüber zu sagen, in welcher Weise der Unterricht zu erteilen ist. Aus welchem Geist und wie am besten der Unterricht der jungen Füxe in Tendenz stattfinden muß, ergibt sich aus dem Ziel, dem wir alle zustreben. Wir müssen sie erziehen zu selbstbewußten Juden, die jederzeit dazu bereit und imstande sind, für unsere Sache einzutreten, auch mit dem Wort. Leider ist die Zeit vorbei, wo man sagen konnte, daß jeder mit der Waffe in der Hand für unsere große Sache streiten könne. Schon als Studenten müssen wir jetzt haupt- . sächlich mit dem Wort für unsere Sache eintreten und kämpfen, außerordentlich geschulten Gegnern gegenüber, geschulten, wie wir sie früher gehabt haben. Wenn wir daran gehen, unsere Füxe zu erziehen, müssen wir auch ins Auge fassen, daß unsere Erziehungsarbeit nur zum geringsten Teil für ihre aktive und inaktive Zeit sein soll. Es gilt die Erziehung von jüdischen Bundesbrüdern zu Deutschen und zu Juden, die ihr ganzes Leben lang im echten KC.er Sinne, für unsere Sache eintreten sollen. Was ivir wollen, ist viel mehr als ein frohes Zusammenleben während unserer Studentenzeit. Es ist mehr als ein Eintreten mit Wer Waffe oder dem Wort in studentischen Versammlungen. Wir haben uns immer mit Stolz daraus berufen, uiis als Vorschule der zukünftigen Führer der deutschen Judenheit anzusehen. Wer aber herrschen will, muß auch dienen gelernt haben, und das, was zum Führen gehört.' Es ist daher eine große Verantwortung, die sich der Fuxmajor für Tendenz mit seinem Amt aufladet. Wer das Amt auf sich nimmt, ohne die erforderlichen Kenntllisse zu besitzen, ist ein Verbrecher an seiner Gemeinschaft und muß immer eingedenk sein, ein gut Teil deutscher und jüdischer Zukunft in seiner Hand zu haben. Quousque tandem . . .? Von Hans Lennhoff, (Sil. Rh.-Pal., Sprev.). Wer hat es nicht schon manches Mal mit Schmerz empfunden, daß der K.C. krank ist? Wem ist noch nicht bei allen möglichen Gelegenheiten ein Grauen überkommen: Wohin soll das alles führen? Die Tatsache, daß nicht alles so ist, wie es sein sollte, steht unumstößlich fest, und höchste Zeit wird es, ernsthaft über die Ursachen der Verfallserscheinungen nachzudenken und zu versuchen, mit eiserner und rücksichtsloser Folgerichtigkeit die erkannten Schwächen anszumerzen. — Tatsache ist, daß die Alten Herren in ihrer großen Mehrzahl kein lebendiges Interesse mehr am Verbände haben. Schlimmer noch erscheint, daß gerade diejenigen unter ihnen, die noch als rühmliche Ausnahmen am K.C.- LeLen teilnehmen, oft die jüngeren Kartellbrüder überhaupt nicht mehr verstehen, und zwar in einem Ausmaße, das weit über das natürliche, durch den Alters- und Stellungsunterschied hinausgeht. Taffache ist weiterhin, daß der Inaktive sich in, — fast möchte ich sagen, den meisten Fällen weder um seine eigene Verbindung kümmert, noch es für nötig hält, sich beim Beziehen einer neuen Hochschule der dortigen Verbindung vorzustellen. Tatsache ist schließlich, daß bei vielen Verbindungen die Aktiven, ja selbst die Füxe, nicht mehr mit der Lust und Liebe bei der Sache sind, wie es noch vor wenigen Jahren auch der schlechteste war, daß die Offizien ungern und nur gezwungen mitgemacht werden, und daß im freien Beisammensein oft ein ganz anderer Geist unter den Bundesbrüdern zur Herrschaft kommt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse allein haben sicher nicht die Schuld an diesem traurigen Zustand. Gehört doch eine gewisse Ebbe in oer Kasse vielmehr fast begriffsnotwendig zum richtigen Studentenleben und hat es sich doch oft genug gezeigt, daß gerade die über unverhältnismäßig viel Geld verfügenden Bundesbrüder die allerschlechtesten waren. — Ist es die Zeit, die das Studententum in der Form, wie es auch in den K.E.-Korporationen sich darstellt, unrettbar zerstört? Es gibt eine Richtung im K.C., die das behauptet. Eine Richtung, die unter Führung von wohlverdienten Alten Herren die Form der studentischen Verbindung für überlebt ansieht und die an ihre Stelle Organisationen setzen will, die ftei von äußerem Zwange gleich-