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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 18

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 18 (sequence 8)
Language
German
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18 Leuten, mit denen sie sonst in Berührung kamen, daß es sich bei den Juden vielmehr um intelligente Unternehmer handelte, um Menschen, die in der Welt herumkamen, die mit ihren Anregungen etwas anzufangen wußten. So kamen fast überall aus dem Beamtentum heraus die ersten Vorschläge, das Los der Juden zu erleichtern, und sie menschlich zu behandeln. Sie beobachteten, wie die Juden gewissermaßen das ganze Wirtschaftsleben durchdrangen, wie bei allen größeren Unternehmungen mit ihnen gerechnet werden mußte; sie fingen an, ihren Fleiß, ihre Energie, ihren Unternehmungsdrang und ihre Umsicht zu schätzen. Dank ihrer menschlichen Vorzüge gelang es den Juden, trotz der ziemlich dichten Maschen auch das Netz der „Gesellschaft" zu durchbrechen und in die höheren Kreise einzudringen. Besonderen Erfolg hatten nach dieser Richtung die sogenannten Hosjuden. Sie waren Lieferanten, öder auch Vertraute der Kaiser und Fürsten, sie haben vielfach um die Geheimnisse der Fürsten gewußt und für sie diplomatische Aufträge ausgeführt, aber auch Beziehungen zwischen den Höfen angebahnt und manch eine Heirat in diesen Kreisen angeregt. Durch die Hofjuden ist eine Verbindung zwischen den Juden und den regierenden Kreisen hergestellt worden, die für die gesellschaftliche und rechtliche Einbürgerung von unschätzbarem Wert war. Auch die geistigen Strömungen besonders des achtzehnten Jahrhunderts werden den Juden günstig. Der Individualismus und die Schätzung des Individuums brechen sich Bahn, es bildet sich allmählich das, was wir die „Gesellschaft" nennen, und in dieser Gesellschaft fangen die Juden an, eine Rolle zu spielen. Die Bewohner der Städte waren zum größten Teil Philister, rechte Spießbürger; von der Welt, von der Bildung hatten sie wenig Ahnung. Die Juden meist zwar auch nicht, aber unter ihnen waren weit mehr, die die Welt kannten, die viel herumgekommen waren, fremde Sprachen sprachen und interessant zu plaudern wußten. Man hörte allmählich auf, über die Juden nur den Stab zu brechen, ihn als einen Gegenstand des Spotts oder des Schreckens zu betrachten, man lernte ihn als Menschen anzusehen. Lessing gebührt das Verdienst, in der deutschen Literatur als erster den Juden in neuem Lichte gezeigt, ihn als Menschen gewertet zu haben. Sein Werk fand eine Ergänzung durch Moses Mendelssohn, dessen Persönlichkeit tiefsten Eindruck machte. Hier trat zum ersten Male ein Jude in das breiteste Licht der Oeffentlichkert, dem als Menschen besondere Verehrung gebührte. Man zog daraus die Konsequenz, daß man nicht alle Juden mit demselben Maßstab messen, sondern jeden nach seiner Art beurteilen müsse. In Lessing und Mendelssohns Kreis gelangten diese neuen Gedanken zur epochemachenden Reife. Eine entscheidende Wendung in der Beurteilung der Juden bedeutet das Buch des Kriegsrats Dohm „Ueber die bürgerliche Stellung der Juden", dessen Grundgedanke dahin geht, daß die Juden wohl schädliche Elemente im Staate seien, aber nicht infolge natürlicher Anlage, sondern weil die Gesetzgebung sie zwinge, schlecht und schädlich zu sein. Würde die Gesetzgebung geändert, und den Juden Bewegungsfreiheit gewährt, dann würden die Juden besser und dem Staate nützlicher sein. Das ist der Wendepunkt zur Emanzipation der Juden. Dohms Buch hat auf das Denken der führenden Männer der französischen Revolution stark gewirkt und hat auch in Deutschland den Umschwung in der Beurteilung der Juden herbeigeführt. Die Bahn war geebnet, es bedurfte jahrzehntelanger Kämpfe, bis das erste Ziel erreicht, die volle Gleichberechtigung wenigstens verbrieft war. Zu der verstandesmäßigen gesellte sich die seelische Verbundenheit mit dem Staat, das sich Verwachsenfühlen mit seinem Leben und seinen Aufgaben. Staatsbürger zu sein, ist ein hohes Vorrecht, kein Kenner der jüdischen Geschichte, des Gegensatzes zwischen der Ruhelosigkeit des Schutzjuden und der Sicherheit des Staatsbürgers wird seinen Wert unterschätzen. Wer die Zugehörigkeit zum Staate ist nicht eine vertragsmäßige, nicht Gegenstand eines äußerlichen Rechtsgeschäfts, sondern, wie gerade unsere Betrachtung lehrt, auf einem inneren Verschmelzungsprozeß, auf der.Jdentifizierung des Bürgers mit dem Staate mit seinen Leiden und seinen Freuden, seinen Mühen und seinen Erfolgm. Die Zugehörigkeit zum Staate ist ein Teil unseres Seins, sein Wohl unser Wohl, und sein Weh unser Weh. Unsere Aufgabe ist es, unsere Stellung im Staate zu wahren, getreu der Inschrift am Hamburger Rathaus, vor der ich in diesen Tagen wieder bewundernd stund: Die Freiheit, welche die Väter erworben haben, sollen die Nachkommen festhalten und eifrig schützen! Systematik «ad Technik des Tendenznnterrichts in den K.C.-Uerdindungen. Referat, gehalten bei dem 2. Schulungskursus für Fuxmajore von Dr. Kurt Braun (Spr.). Ihr habt in den vergangenen Tagen anläßlich der Schulungswoche eine Reihe von Vorträgen gehört, deren Inhalt so gedacht war, Material zu bieten für diejenigen Kartell- und Bundesbrüder, die als zukünftige Fuxmajore aus-

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