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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 17

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 17 (sequence 7)
Language
German
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LWM :&äM Aufblühen Juden besonderen Anteil hatten, wie Mannheim, Fürth und früher auch Glückstadt in Holstein; auch Residenzen, wie Berlin, Dessau usw., verdanken ihren Aufschwung zum großen Teil den Juden. Ihre besondere Bedeutung für das Wirtschaftsleben gewannen die Juden dadurch; daß sie neue Wege für den Ausbau des Handels fanden. Sie waren dazu gezwungen, da sie von der Kaufmannschaft, dem Handwerk, dem Grundbesitz und von den öffentlichen Aemtern ausgeschlossen waren. Sie wurden Pioniere einer neuen wirtschaftlichen Ordnung, wie noch heute vielfach die Juden der Wirtschaft neue Wege weisen. In Sombarts bekanntem Buch über „Die Juden und das Wirtschaftsleben" wirf» die Begründung des Kapitalismus auf den maßgebenden Einfluß der Juden zurückgeführt. Das ist uur zum Teil richtig, aber die Anbahnung neuer Handelsmethoden durch die Juden ist vortrefflich beobachtet. Es lag im öffentlichen Interesse, die Macht der Zünfte und Kausmannsgilden zu brechen; die Juden wurden vielfach in handwerksartige Betriebe und in den nicht zünftigen Handel hineingezogen, damit sie ein Gegengewicht gegen die alten Korporationen bildeten. Rasch machte sich ihre Konkurrenz geltend, über die viel gestöhnt wurde, die jedoch nicht von allen als störend, sondern zum großen Teil als wohltuend empfunden wurde. Die Händler klagten, daß die. Juden schöne Läden und große wohlgefüllte Schaufenster hätten. Die Kundschaft wiederum hatte an den häufig niedrigen Preisen ihr Wohlgefallen und die Hausbesitzer, soweit sie nicht Mitglieder der Kaufmannsgilden waren, waren froh darüber und standen auf Seite der Juden, da sie hohe Mieten zahlten. Die christlichen Zünfte aber machten den Juden zum Vorwurf, daß sie alle kaufmännische Regeln durchbrächen, z. B. Reklame machten, Preise unterboten, u. ä. Der Tadel war berechtigt, ihr Verfahren war für die Wirtschaft heilsam, aber im Augenblick wurden sie den davon Betroffenen ein Dorn im Auge. Beim Juden fand man allerlei Waren. Schon dadurch, daß ihnen als Pfandleihern Pfänder der verschiedensten Art verfielen, hatten sie alle Sorten hon Waren für den Markt zur Verfügung. Die Juden waren ja nicht an die Grenzen gebunden, die den Christen innerhalb der Zünfte auferlegt waren, daß sie nur wenige, ganz bestimmte Artikel führen durften; sie hatten in ihren Geschästen alles zu verkaufen und boten dadurch ihren Kunden vielfach Annehmlichkeiten (ganz so, wie es heute dem Großstädter bequem ist, im Warenhaus zu kaufen). Sie warfen sich ferner auf neue', noch nicht zunftmäßig erfaßte Artikel. So beteiligten sie sich an dem neuaufkommenden Kolonialwarenhandel und führten, was ihnen die Herzen der Kundschaft gewann, namentlich der weiblichen, den Handel mit Bijouteriewaren ein. Die Juden gaben sich alle Mühe, ihre Kundschaft zu befriedigen. Durch ihre internationalen Verbindungen — so z. B. mit England, Holland, Uebersee über Hamburg oder England — wurden die neuen Errungenschaften, 'des Welthandels und der Industrie nach Deutschland eingeführt. Polen und Deutschland waren außerordentlich reich an landwirtschaftlichen Produkten, wie Getreide, Wolle, Haare, Felle. Die Juden führten diese Produkte aus dem Osten nach Amsterdam usw., und sie brachten Tabak, Edelsteine oder andere exotische Waren zurück. Sie waren überall zu finden, wo reger Handelsbetrieb herrschte. Für die Leipziger Messe stellten sie ein starkes Kontingent von Besuchern — im 17. und 18. Jahrhundert 25 bis 30 Prozent —, daher hat auch Leipzig frühzeitig Juden ausgenommen, lange ehe die sächsischen Fürsten Juden erlaubten, in ihrem Lande zu wohnen. Sie machten sich in gewissem Sinne unentbehrlich und Goethe hat das im Jahrmarktsfe'st von Plundersweilern satirisch ausgedrückt: „Mit jedem handeln sie nach einer eigenen Art. Sie wißen jedermann durch Borg und Tausch zu fassen .. . Es ist ein Jeglicher in deinem ganzen Land auf ein und andere Art mit Israel verwandt." Den rechten Blick für die Brauchbarkeit der Juden zeigte zuerst die Beamtenschaft. Die Verwaltung kam im Laufe der Zeit in .die Hände pon geschulten, berufsmäßigen Beamten, die an der Universität vorgebildet waren und sich vollständig ihrer Tätigkeit widmeten. Sie hatten die Aufgabe, das Kommerzium zu heben, Steuern und Akzisen zu verwalten, Industrien anzulegen, die Unternehmer heranzuziehen usw. usw. Diese Beamten haben den modernen Staat geschaffen. Sie hatten Gelegenheit, mit den Juden zu verkehren. Es wurden Juden-Kommissionen in den einzelnen Ländern eingerichtet, die nach der älteren Auffassung dazu da waren, die Juden zu quälen, denen aber in Wirklichkeit die Verwaltung aller Angelegenheiten zustand, die mit den Juden 'zusammenhingen. Innerhalb dieser Beamten- , schaft waren wertvolle Männer mit weitem Blick und reicher Erfahrung, die ihre Aufgabe durchaus nicht als die von Gelderprefsungsmaschinen auffaßten. Diese Beamten nahmen zuerst Gelegenheit, auf das Seelenleben der Juden näher einzugehen. Im Lause der Zeit wurden aus den rein sachlichen, persönliche Beziehungen, aus den Berichten über fremdartige Erscheinung immer mehr Dokumente Persönlicher Wertschätzung. Die Beamten sahen gegenüber den

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