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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 16

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 16 (sequence 6)
Language
German
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16 Nun trat das materielle Interesse hinzu, das politische und wirtschaftliche Interesse, das die Landesfürsten an den Juden hatten, indem sie sie als wertvolle Helfer für den Aufbau ihrer Territorien schätzen lernten. Das machte sich besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg geltend. Deutschland wurde arm an Menschen, und die.Regierungen waren bestrebt, neue Ansiedler ins Land zu bringen. So wurden unter anderem auch die Juden herangezogen oder wenigstens nicht zurückgewiesen. Ferner hatten die Landesfürsten ein Interesse daran, ihre Territorien zu wirtschaftlich leistungsfähigeren staatlichen Gebilden auszubauen; dazu brauchten sie vor allen Dingen Geld, und die Juden gehörten immerhin zu denjenigen Kreisen, die Kapital ins Land zu bringen geeignet waren. Die neuen Territorien brauchten Armeen und diese konnten sich nicht wie früher selbst bewaffnen, im Zeitalter der Geschütze mußte der Kriegsherr die Bewaffnung liefern und die Söldner mit barem Geld bezahlen. Man beteiligte sich an Kriegsunternehmungen, die weit weg vom Lande führten; nicht nur haben einzelne Fürsten fernab von ihrer Heimat Kriege geführt, vielfach haben sie den großen Weltmächten ihre Söldnerscharen zur Verfügung gestellt, sie brauchten für die Feldzüge, Munition, Proviant, Sold und zu diesem Zlvecke Menschen, die für^ die pünktliche Versorgung der Armeen Gewähr boten, Menschen, die Verbindungen nach auswärts hatten und imstande waren, die Subsidienwechsel der auswärtigen Mächte in bares Geld umzusetzen. Man stand vor der Notwendigkeit, Menschen von Welterfahrung und Belveglichkeit heranzuziehen, und die fand man unter den Juden. Für die neue Methode der Staatsverwaltung waren Berufsbeamte erforderlich, die nicht wie die mittelalterlichen Beamten mit Lehen abgefunben werden konnten, sondern regelmäßige rare Bezahlung forderten Dazu brauchte man wieder Geld. Durch Aussch: eiben von Steuern konnten die Fürsten dies u'cht erlangen, die Stände hatten kein Interesse daran, dem Fürsten Mittel zur Verfügung zu stellen und dadurch seinen Einfluß zu stärken. So ergab sich für die Fürsten die Notwendigkeit, sich Einnahmen zu verschaffen, die unabhängig von den Ständen waren.; solche boten ihnen u. a. die Juden. Von diesen erhielten sie Schutzgeld, Abgaben und gelegentlich außerordentliche, besondere Umlagen. Sie haben sich von den Juden für jedes Recht, das diese beanspruchten, teures Gold zahlen lassen. Man gestattete z. B. jedem Schutzjuden, nur „ein Kind anzusetzen", d. h. es durfte sich bei Lebzeitendes Vaters nur ein Sohn niederlassen; um das Recht, ein zweites Kind auszusetzen, schacherte man mit den Juden, bis man die geforderte hohe Geldsumme erhielt. Die Juden" waren aber auch sonst eine wichtige Einnahmequelle für die Fürsten, denn sie brachten durch ihren Gewerbebetrieb Zölle und Steuern in großein Maße ins Land. Wenn die Juden den Warenhandel förderten, so war es selbstverständlich, daß die Einnahmen für Zölle und Abgaben stiegen. Es ergab sich, daß z. B. in Memel ein jüdischer Kaufmann im Verläufe eines Jahres 25 000 Taler Zölle einbrachte, während die ganze Provinz Ostpreußen bislang nur ein Drittel dieses Betrages aufgebracht hatte. Infolge der Förderung des Handels durch die Juden hoben sich die Einnahmen für die Staaten, hoben sich auch Umsätze und Kapitalbildung. Deutschland hat gegen Ende des 15. Jahrhunderts einen ziemlichen Wohlstand besessen, der durch schwere wirtschaftliche Krisen vernichtet wurde. Die Fürsten hatten das Bestreben, den Wohlstand innerhalb ihres Landes zu fördern, und eines der leitenden Prinzipien war, „das Kommerzium zu heben". Man lockte Menschen , mit Kapital ins Land, die ihr Vermögen in Fabriken anlegten oder in Handelsunternehmungen umsetzten und durch ihre Verbindungen Arbeit und Geld ins Land brachten. In diesem Zeitalter des „Merkantilismus" suchte man häufig geradezu nach Juden, die über Geld verfügten, und gcw den reicheren den Vorzug, daher Lessings beißender Spott „der reichere Jude war mir nie der bessere Jude". Man versuchte, die Juden für die Industrie zu' gewinnen und förderte solche, welche neue „Manufakturen" anlegten. Damals wurden Seibenfabriken von Juden angelegt, z. B. die in Nowawes, Tuchfabriken, Wollwarenfabriken usw., gegründet; die Tabakfabrikation in der Mark und Mecklenburg wurde eingesührt. Ebenso hatten die Juden Anteil am Wechselgeschäft, idas immer größere Bedeutung gewann. Auch nahmen die Juden teil an der Münze, und die Staaten mißbrauchten sie für die berüchtigten Münzfälschungen, das Umprägen und.Verwässern der damaligen Zeit. Die viel geschmähten Kipper und Wipper hat man mit den Juden identifiziert, aber sie waren nicht die Nutznießer des häufigen Mißbrauches, das Interesse der Landesfürsten war die treibende Kraft. Bekannt ist das Beispiel Friedrichs des Großen, auf dessen schlechte Münzen man den Reim schuf: „Von außen schön, von innen schlimm, Außen Friedrich, innen Ephraim!" Und es ist höchst bezeichnend, wie der Geschichtsschreiber der Hohenzollern dieses Verfahren mit den höheren Staatsnotwenbigkeiten zu beschönigen versucht. Bezeichnend für jene Zeit ist das Emporkommen einer Reihe neuer Städte, an deren

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