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KC-Blätter · 1925-04-01 · Heft 2 (April 1925) · p. Seite 14

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 2 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 14 (sequence 4)
Language
German
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14 _ Verhältnisse in Deutschland so, daß die Juden aus den deutschen Reichsstädten allgemein vertrieben waren, und daß auch die Landesherren im großen und ganzen die Jiwen aus ihren Ländern ausgetrioben hatten. Ein großer Teil dieser, der größte vielleicht, wanderte nach dem Osten, und zwar entweder direkt über Posen, oder auf dem Umwege über Böhmen nach Polen. Aber nicht alle Juden sind ausgewandert, viele sind auch in Deutschland geblieben. Nicht mehr in den Städten; von großen jüdischen Gemeinden in Deutschland haben sich nur sehr wenige erhalten und noch heute nehmen diese Gemeinden einen besonderen Rang innerhalb des deutschen oder deutschsprechenden Judentums ein: so z. B. Frankfurt a. M., Worms sowie Wien und Prag. Bei den Reichsstädten ist es häufig so gegangen, daß, wenn die Juden aus einer Stadt vertrieben wurden, unmittelbar in der Nähe ein Territorialherr seine Hoheit ausübte und die Juden aufnahm. Das geschah zum größten Teil aus Konkurrenzgründen, um die Einnahmen seitens der Juden und den durch sie geschaffenen Verkehr an sich zu ziehen. Ferner haben Standesherren in Gebirgsgegenden Juden ausgenommen, so z. B. in der ' Rhön, Eifel, am Spessart, im Schwarzwald, wo die Juden sich in den Dörfern niederließen. Die Aufnahme von Juden war nicht jmmer leicht, denn es bestanden dagegen wichtige Bedenken religiöser uird wirtschaftlicher Art, die im Mittelalter zum großen Teil durch die katholische Praxis und die Deduktionen der katholischen Juristen festgelegt waren. Nun kam durch Luther eine neue Weltanschauung zur Geltung, aber in bezug auf die Judenfrage führte die Umwälzung keinen Unterschied herbei. Luther hat gegen Ende seines Lebens in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen" fast alles, was früher von katholischer Seite an Verleumdung, an Geringschätzung und Beschimpfung der Juden ausgesprochen war, wiederholt, und nun ist es infolge des dogmatischen Charakters der damaligen Lehre dahin gekommen, daß die lutherischen Theologen dieselben Argumente gegen die Juden vorbrachten-, die früher von katholischer Seite geltend gemacht worden waren. Man sagte den Juden nach, daß sie ein Verderb für das Gemeinwesen, daß sie Feinde des Christentums seien, was ihre Beschimpfungen gegen Jesu und Maria bewiesen, daß sie jede redliche Arbeit scheuten und nur Wucher trieben. Ueber die Berechtigung dieser Vorwürfe soll hier nicht gestritten werden. Die Folge ihres Vorhandenseins war die Befürchtung von Unheil und Unruhen, und infolge der Schädlichkeit, welche angeblich der Aufenthalt der Juden für die einzelnen Landschaften mit sich brachte, nahmen viele die Juden nicht auf. Wenn aber die Juden vertrieben waten, was erlebte die Bevölkerung dann? Der Wucher wurde von Christen weit unbekümmerter und unter weit härteren Bedingungen betrieben und da, wo die Juden fehlten, sah man sich nach einiger Zeit dazu veranlaßt, darum zu betteln, daß sie wiederkämen. Alle die Theorien von der Schädlichkeit der Juden werden durch die Tatsache Lügen gestraft, daß man die Juden häufig wieder zurückgerufen hat. Es entwickelte sich ein reines Katz- und Mausspiel. Heute wurden sie hier vertrieben, und morgen, bat sie ein benachbartes Territorium, sich dort niederzulassen. Man hat die Juden und ihren Erwerb überall gescholten, aber nirgends ihr Geld verschmäht. Man hat die Juden überall als Auswurf der Menschheit, als Kinder der Hölle betrachtet und behandelt; das hat aber nicht gehindert, ständig Bekehrungsversuche an ihnen vorzunehmen, um ihnen den Himmel zu eröffnen. Diese Widersprüche zeigen, daß die Dinge in der Praxis nicht immer ganz so schlimm verliefen, wie wir sie heute lesen. Jüngst erschien ein Neudruck der Schrift von Georg Liebe „Das Judentum in der deutschen Vergangenheit", die zur großen Sammlung von Steinhaujen „Ueber die deutschen Stände" gehört. Das Buch ist trotz scheinbaren Strebens nach Unparteilichkeit recht einseitig bearbeitet, es stellt in tendenziöser Weise Beschimpfungen, Karikaturen und sonstige herabsetzende Darstellungen zusammen, die zwar von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung sind, aber nicht die ganze Wahrheit enthalten. Man hat ständig über die Juden geschrieben und ständig an ihnen gedrittelt und gespöttelt, weil man nie ganz von ihnen los kam. Sie hatten etwas Fremdartiges an sich, zum großen Teil dadurch,, daß die Christen sie in ihre Pariastellung hineingezwängt haben, aber ihre fremde Art hatte auch viel Anziehendes. Die Aufnahme der Juden in ein Gebiet erfolgte durch eine Art Vertrag. , Die Inden erhielten von dem betreffenden Landesherrn eine Art „Schutz" und daher hießen sie Schutzjuden. Als Schutzjuden hatten sie „Geleit" ihrer Herrschaft, und man sprach daherauch von „verleiteten Juden". Sie erhielten das Recht, sich in dem Lande niederzulassen und in sehr eng zugemessenen Grenzen ihren Erwerb zu suchen (meist war nur der Geldhandel gestattet), und sie, nutzten dafür ein gewisses Entgelt zahlen, und zwar meist eine einmalige Aufnahmegebühr und ein jährliches Schutzgeld. Der Schutzbrief war für eine bestimmte Zeit ausgestellt; wenn diese

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