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KC-Blätter · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 11

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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11 Weigerungsbeschlüsse!) hatte es nicht vermocht, im D. Ö. A. V. Fuß zu fassen. Im Gegenteil. Der Bergsteiger, der damals Ideal und Ansporn der führerlosen Bergsteigerjugend war, einer der Großen, den die Geschichte des Alpinismus mit ehernen Lettern nennt und dessen früher Tod die Hoffnung eines frühen Geschlechtes vernichtete, war ein Jude, der Wiener Dr. Paul P r e u ß. In Deutschland war es mit Ausnahme ganz weniger, besonders akademischer Sektionen, nirgends zum Ausschluß von Juden gekommen. Die Erstersteigung des Totenkirchls im Wilden Kaiser durch Professor Dr. Gottfried Merzbacher hatte die Zeit der modernen Kletterer eröffnet. In allen Sektionen sah man auch Juden sich betätigen und Hand in Hand mit ihren christlichen Freunden die großen Bergprobleme jener Zeit lösen. Lassen Sie mich nur wenige Namen nennen: Dr. Fritz P f l a u m, der frühere Vorstand der Sektion Wienerland-München, nach dem die dankbare Sektion ihre Hütte im Griesener Kar (Wilder Kaiser) Dr. Fritz Pslaum-Hütte benannte; Dr. Arthur Dessauer, der neben der Erstersteigung der Lamsen-Ostwand (Karrvendl) viele große Touren in den Ost- und Westalpen ausführte und sich auch als alpiner Schriftsteller einen Namen machte; Dr. Ludwig Darmstädter, einer der Erschließer der Ostalpen u. a. Es ist nur ein kleines Häuflein, aber es sollte doch zeigen, daß auch der Jude sich das Wesentum des Alpinismus ganz zu eigen machen konnte. Denn, und nun komme ich zum Zweiten, Alpinismus ist keine Spielerei. Es ist kein Sport- und kein Klettersexentum. Für den englischen Alpinisten, der die großen Perioden des Alpinismus in den sechziger-siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einleitete, war der Alpinismus zwar meist Sport. In den Büchern der Altgewordenen aus dieser Zeit, in den Schriften Wymphers, Aoungs usw. klingt aber zuletzt doch immer das durch, was wir deutschen Alpinisten unter dem Bergsteigen verstehen: ein Leben mit der Natur, ein Ringen mit der Natur, ein Streben zur Höhe, ein restloses Verzichten auf die Dinge des Alltags, ein schweigendes Verstehen allen Werdens und Vergehens. Die Welt des Hochgebirges schasst andere Menschen, als das Gewühl der Weltstadt, harte, aber gemütstiefe, . menschliche Menschen. Alpinismus ist Weltanschauungssache, doch wird er zum Bekenntnis dessen, dem sich die Natur in ihren letzten Gründen, in Kampf und Besiegung offenbart. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zu dem Antisemitismus der österreichischen Alpenvereinssektionen. Der Judenausschluß begann dort mit dem Zuzug der Ostjuden aus Galizien usw. nach Wien. Es sei mir erspart, aus ihren Einfluß in dieser Stadt näher einzugehen. Sicher ist, daß sie von vielen als Fremdkörper empfunden wurden. Sie fielen auf in ihrem häufig unersreulichen Wesen und in ihrer Geschäftigkeit. Ihr Geist mußte zu dem des Bergsteigers in Widerspruch treten. Die Weltfremdheit vieler Bergsteiger, die aus den reinen Höhen kamen, mußte sich an ihnen stoßen. Ich will die Völkischen nicht verteidigen, aber die Keime liegen sicher hier verborgen. Der große Auffchwung, den die völkische Bewegung in Oesterreich nahm, tat das weitere. Man machte in bekannter Gleichmacherei keinen Unterschied mehr zwischen dem eingewurzelten jüdischen Deutschen und dem Ostjuden. Der Führer der Völkischen im Alpenverein, Hofrat P i ch l in Wien, setzte sich durch die Tatkraft seiner Anhänger — und die Interesselosigkeit der jüdischen Mitglieder — als Vorstand über die größte österreichische Sektion Austria ein und inszenierte den Feldzug gegen die Juden. Es kam zu der Gründung der Sektion „Donauland" als Gegenpart, und zu den Kämpfen der letzten vier Jahre, die mit dem. Siege der Völkischen endeten. Lassen Sie es mich gleich sagen: Der Ausschluß Donaulands darf für keinen deutschen Juden der Richtstein sein, ob er seiner Sektion länger angehören solle oder nicht. Rechtlich ein Justizmord, wäre es praktisch nicht möglich ge-, wesen, Donauland zu halten. Es haben viele an und für sich gar nicht antisemitisch eingestellte Sektionen für den Ausschluß gestimmt, nur aus dem Gesichtspunkt heraus, endlich wieder Frieden in den Verein zu bekommen. Noch ein weiteres Jahr Verlängerung der Gnadenfrist, und die Hetze hätte selbst die Grenzen der Maßlosigkeit überschritten. Donauland ist heute ein selbständiger alpiner Verein. Der Deutsch-völkische

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