KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Bund im Alpenverein ist aufgelöst, die Haken-- kreuze an den Hütten sind verschwunden. Aber das Gift ist nach Deutschland geströmt. In den deutschen Sektionen begannen die völkischen Mitglieder ihr Parteiwesen zu treiben, zu wüten und suchten, sich in die Vorstände hineinzudrängen. So ist es eben in der großen Sektion München gelungen, für den Vorstand die bisher heimlich geübte Taktik zu sanktionieren, nach der man Juden nur noch in ganz beschränktem Maße aufnehmen, d. h. sie in der Regel ausschließen wollte. Das Wichtigste dabei war die Argumentation: weil man eine Ueberflutung durch die Juden und den jüdischen Einfluß aus die Sektion befürchtete. Von 10 000 Mitgliedern sollten angeblich 8 Prozent Juden sein. In Wirklichkeit sind es nur ca. 260 gewesen, von denen ca. 120, nachdem man sie gesammelt hatte, nach langen fruchtlosen Verhandlungen teils einzeln, ca. 90 geschlossen, den Austritt erklärten. Sie traten aus, weil man einsah, daß hier für den aufrechten, selbstbewußten deutschen Juden kein Platz mehr sei, daß hier nur ein Austritt die eigene Ehre retten könne. Und das war richtig, denn es hat sich, danach gezeigt, daß eine große Anzahl der 12 Münchener Alpenvereinssektionen nicht gewillt war, die hohen alpinistischen Kameradschaftsideale dem völkischen Moloch zu opfern und gern den jüdischen Bergsteiger, der ehrlichen Willens und als begeisterter Alpinist zu ihr kam, aufnahm. Die Antisemiten reden so viel von dem Versuche des Judentums, auf den Alpenverein Einfluß zu bekommen. Welchen Zweck das haben sollte, wissen sie wahrscheinlich selbst nicht, und im übrigen strafen sie ja die Juden selbst Lügen. Ich möchte glattwegs behaupten, daß die ungeheure Mehrzahl der Juden überhaupt kein Interesse am Alpenverein hat, daß es nur Einzelne immer wieder sind, die die Ideen des Alpinismus für sich in Anspruch nehmen und in ihr ihren Lebensinhalt finden. Die alpine Idee ist eben nichts Generelles. Sie ist eine Tat des Individuums, ist das Erlebnis des Einzelnen. Und deshalb ist die jüdische Gefahr für den Alpenverein ein Hirngespinst in dem Kopfe völkischer Ideologen. Eins der höchsten Komponenten im Bergsteigerleben ist die bedingungslose Kameradschaft. Das gemeinsame Seil bindet fester als manches bunte Band. Das Seil muß aber auch vorhanden sein, wenn die Kameradschaft entstehen soll. Wenn aber jemand jahrelang den Veranstaltungen seiner Sektion — seien es Vorträge, seien es Wanderungen — fernbleibt, dann wird er es auch in Kauf nehmen müssen, daß man ihn nicht 'mehr als Kameraden kennt. Wenn er dann im Verein bedroht ist, dann werden ihm aber auch die Leute fehlen, die dann den anderen sagen: „Laßt den Mann zufrieden. Er ist ein ebenso guter Bergsteiger, wie wir alle, Und wir achten und lieben ihn als Freund und Kameraden." Sollen wir aus dem Alpenverein austreten? Nein! Der'Alpenverein ist kein geschlossenes Ganzes. Seine Sektionen sind autonome Körperschaften. Noch ist es in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der Sektionen, die im jüdischen Deutschen heute wie ehemals kein wesensfremdes Glied der Gemeinschaft sieht. Jeder jüdische Alpinist soll in seiner Sektion bleiben, wenn er mit ihr leben kann und will. Ich betone: jeder jüdische Alpinist, denn darauf kommt es an. Wer ein Drohnendasein in den Sektionen führen will, wer nur ihre Vorteile genießen will, ohne sich an ihrem Leben zu beteiligen, der soll lieber hinausgehen, denn er schädigt das deutsche Judentum und das angesehener jüdischer Alpinisten. Dem aber, der in guter Kameradschaft an der Gemeinschaft seiner Sektion teilnimmt, wird die in den Bergen oder auch nur auf Wanderungen geschlossene Kameradschaft auch dann nicht fehlen, wenn er irr seiner Ehre als Jude bedroht sein wird. LerantwortliSer Redakteur: Dr. Hermann Serial, Berlin. — Verlag: Philo-Verlag Berlin SW 68, Lindenstratze 13. ®ni(t: D. Feilchenfeld, BerNn SW 68