KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 den jungen Menschen die Bedingtheiten des politischen Geschehens und die Relativität aller wissenschaftlichen Erkenntnis und damit jene wahre Duldsamkeit gegen Andersdenkende lehrt, die allein eirres gebildeten Menschen und eines Kulturvolkes würdig ist. Lieber die Schule hinaus soll aber die staatsbürgerliche Bildung ihre naturgemäße Fortsetzung und Ergänzung auf der Hochschule finden. Die Hochschulen sollen nach der Absicht des Reichsminisleriums des Innern „allen Studierenden Pen Erwerb einer wissenschaftlich vertieften staatsbürgerkundlichen Allgemeinbildung ermöglichen," eine Aufgabe, die freilich dann erst mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen werden kann, wenn die Schule in dem oben dargelegten staatsbürgerlichen Unterricht entsprechend vorgearbeitet hat. Der in den Hochfchulvorlesungen zu behandelnde Lehrstoff ist bis heute noch zersplittert, in den einzelnfachlichen Vorlesungen der Juristen, Nationalökonomen und Historiker. Cs kann sich aber bei der volkserzieherischen Aufgabe der staatsbürgerlichen Bildung nur um eine besondere staatsbürgerkundliche Vorlesung im Sinne eines Konzentrationsfachs handeln, welches aus den staatsrechtlichen, volkswirtschaftlichen und geschichtlichen Bausteinen das Gebäude einer zusammenfaffenden Einführung in die wiffenschaftliche Politik errichtet, mit der ausgesprochenen, mit echter Wisienschaftlichkeit sehr wohl zu vereinenden Absicht, über die bloße Belehrung hinaus den zukünftigen Staatsbürger zu erziehen zu bewußter Einordnung in das Volksganze und zum Verantwortungsgefühl gegenüber dem Staat, in dem er selber später an leitender Stelle Mitarbeiten soll. Daher verlangen die Richtlinien des Reichsministeriums des Innern für die Hochschulen: „Lehrstoff sind die Grundgedanken, die systematischen und geschichtlichen Grundtatsachen der Verfassung, Verwaltung und der Wirtschaft, -in stetem Hinblick auf die Pflichten und Rechte der Staatsbürger. Dabei ist das Auslanddeutschtum zu würdigen, das Ausland vergleichend heranzuziehen und die zwischenstaatliche Rechtsordnung zu berücksichtigen. Der Vortragende soll das Parieiwesen zur Darstellung bringen, sich aber eigener parteipolitischer Stellungnahme streng enthalten." Endlich wird es aber auch eine Selbsterziehungsaufgabe für die akademische Jugend sein, sich in der Praxis des studentisch-korporativen Lebens einerseits durch planmäßige Verstärkung der seither schon vielfach üblichen staatsbürgerlichen Vorträge und Diskussionsabende, andererseits durch die Betätigung all der sozialen Tugenden der Selbstverantwortung und Selbstverwaltung, der Rücksichtnahme und Toleranz gegen Andersdenkende und Andersgläubige, ohne die die wahre Volksgemeinschaft niemals kommen kann, in den Dienst der großen wahrhaft nationalen Aufgabe der staatsbürgerlichen Erziehung unseres ganzen Volkes zu stellen. S. I. - Darmstadt. Die Juden im Deutsch-österreichischen Alpennerein. Von Dr. G. F. Bergmann (Thur. Lic.). Die letzten Vorgänge im Deutschösterreichischen Alpenverein haben in vielen deutschen Juden, insbesondere im Central-Verein und K. C., die Frage aufgeworfen, ob man es noch mit seiner Ehre als deutscher Jude vereinbaren könne, weiter dieser Organisation anzugehören. Es ist nicht, leicht, darauf eine bindende Antwort zu geben, um so mehr, als doch die größten Teile des deutschen Judentums dem Alpenverein und dem Alpinismus als solchem überhaupt fernstehen. Wer weit vom Schuß ist und wie der Norddeutsche doch höchstens jährlich einmal längere Zeit Gelegenheit hat, sich in den Bergen alpin zu betätigen, für den ist der Alpenverein letzten Endes doch kaum etwas anderes, als einer der vielen Vereine (Turn-, Gesangvereine usw.). denen ein jeder im allgemeinen anzugehören pflegt. Hier gilt es zunächst, einzuhaken. Der Alpenverein ist kein gewöhnlicher Verein. Der Alpenverein ist eine Organisation vieler Tausender Deutscher im In- und Auslande; er ist ein Kulturfaktor. Ja, er ist in Deutsch-Oesterreich vielfach der einzige deutsche Kulturfaktor, in denen sich neben den Schulvereinen das Deutschtum sammelt. Das Deutschtum des Reiches braucht diese Betonung nicht. Es wurzelt im nationalen, unangegriffenen Lande. In dem von fremden Völkern umgebenen Oesterreich aber mußte sich das Deutschtum konzentrieren. Und einer dieser gesells chaftlichen Knllur-Konzentrationspunkte war der D Ö. A. V. Der vor dem Kriege in dem österreichischen Studentenschaft schon so mächtige Antisemitismus (Waithofener Satisfäktionsver-