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KC-Blätter · 1925-01-01 · Heft 1 (Januar 1925) · p. Seite 9

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Journal
KC-Blätter
Volume
1925
Issue
Heft 1 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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9 Wir haben als Studenten wie als K. Cer die mehrfache Pflicht, uns wissenschaftlich zu betätigen. And um so mehr noch jetzt, wo allenthalben das Schlägerfechten aufblüht und, wie behauptet wird, einen ftischen Zug in das Korporationsleben trägt. Ohne irgendwie' die Fechtftage von der prinzipiellen Seite aus nur streifen zu wollen, —.das aber steht fest, daß man auch den Schein vermeiden muß, als bevorzuge unser Verband die eine Seite allzusehr auf Kosten der andern. Feststehen muß, daß, wenn beispielsweise ein wissenschaftlicher Abend als Keiloffizium angesetzt ist, der wissenschaftliche Abend Selbstzweck ist, unabhängig von dem des Keilens. Auf keinen Fall darf der Schein entstehen, als diene das geistige Element nur als Aushängeschild zur gefälligeren Dekoration von Propagandaveranstaltungen. Wenn auch gewisse Vorträge, wie die zur Rezeption oder Inaktivierung obligatorischen, nicht immer geeignet find, nach außen hin zu wirken, weil hier jeder sprechen soll und nicht jeder es versteht, die Zuhörer zu fesseln, so muß neben diesen erst recht Platz sein für andere mit Propagandawert. Schaffen wir einmal, die wir noch jung und aktiv find — und alle, die fich darin zugehörig fühlen, — eine glückhafte Vereinigung, eine feste Brücke zwischen Spiel und Ernst. Wir sind noch nicht, wie Doktor Faust, zu alt, um nur zu spielen, o nein, wir^find auch noch viel zu jung, um ohne Wunsch zu sein. Was wir uns wünschen wollen, das ist etwas Höheres noch als der Triumph allein im Pauksaal, auf dem Tanzboden oder auf der Kneipe! Staatsbürgerliche Bildung. Die Krisis des heutigen Staates ist zum großen Teile eine Vildungskrise. Daher ist das wirksamste und sachlichste Mittel, ruhig und vorurteilslos denkende und handelnde Staatsbürger zu erziehen, neben einem in wissenschaftlichem Geiste und an die Probleme des Gemeinschaftslebens heranführenden Geschichtsunterricht eine Einführung der Schüler der höheren Lehranstalten in die Grundlehren der Staats- und° Wirtschastskunde, die man als Schulfach unter dem Namen der „Staatsbürgerkunde" zusammenfaßt. Schon vor dem Kriege war man in pädagogischen und politischen Kreisen von der Notwendigkeit staatsbürgerlicher Unterweisungen durchdrungen und forderte nach dem Vorbilde Frankreichs, der Schweiz und Nordamerikas die Einführung dieses Unterrichtsgegenstandes. Die nach dem Kriege einsetzende Politisierung und Demokratisierung unseres öffenltichen Lebens verstärkte den Ruf nach politischer Bildung, und mehrere Staaten sind bereits daran gegangen, die im Artikel 148 der Reichsverfassung von 1919 geforderte Staatsbürgerkunde als verbindliches Lehrfach in den höheren Lehranstalten und den Fortbildungsschulen einzuführen. Wie jeder Unterricht soll auch dieser zunächst eine gewisse Kenntnis der Tatsachen vermitteln und die im geschichtlichen und geographischen Unterricht, aber auch in anderen Lehrfächern erarbeiteten staatskundlichen Kenntnisse zusammenfassen, erweitern und abrunden. So wird er also die Reichs- und Landes- Verfassung behandeln und damit das vielgestaltige Verfassüngsleben des modernen Staates und seine Auswirkung in der Gestaltung. der Verwaltungs- Praxis. Ueber das Vaterland hinaus wird der Lehrer den Blick des Schülers auffremdeVerfassungen lenken; denn ohne Kenntnis der weltlichen Demokratien wäre z. B. das Wesen des modernen Parlamentarismus gar nicht zu erklären. Geschichte und Programm der politischen Parteien muß der Schüler in dem unparteiischen und unaufdringlichen Tone' eines wissenschaftlichen Unterrichtsfachs kennen lernen, damit er nicht in solch unvorbereiteter Weise wie seither dem politischen Schlagwort und der politischen Halbbildung zum Opfer Mt. Dazu käme dann auch ein Einblick in die allgemeine Staatslehre, also in die Lehre von den Aufgaben des Staates (Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltung) und in die Lehre von den verschiedenen Staatssormen (Einheitsstaat, Staatenbund, Bundesstaat, Monarchie, Aristokratie, Demokratie). Schwieriger noch als die Einführung in die wissenschaftliche Politik ist der Unterricht in Volkswirtschaftslehre, weil dem Schüler hier noch mehr als bei der Betrachtung des staatlichen Lebens die lebendige Anschauung fehlt. Und doch wird es als Ziel ausgestellt werden müssen, dem werdenden Staatsbürger in die wichtigsten Zweige der Volkswirtschaft (Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Industrie) einen Einblick zu verschaffen und ihm durch volkswirtschaftliche Besichtigungen und Ausflüge (Besuch von Fabriken, Gas- und Elektrizitätswerken, Bahnhofs- und Hafenanlagen) ein lebendiges Bild zu vermitteln von dem wirtschaftlichen Pulsschlag der Zeit. Vielleicht, so ist unsere Hoffnung, wird ein in sachlich-wissenschaftlichem Geiste erteilter Unterricht in Staatsbürgerkunde über die bloße Wissensvermittlung hinaus auch erzieherische Wirkungen auslösen, indem er

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