KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Der so strebende Mensch wird viele Irrtümer sehen, denen der forschende Geist ausgesetzt ist. Er wird daher nicht zu denen zählen, die von „Geistigkeit" strotzen, sondern er wird bescheiden und tolerant werden, fest aber in dem, was er als richtig erkennen durfte. Seine Persönlichkeit wird so zum Vorbild eines höheren „Liberalismus" werden. Die rvissenschliftUche Keile des K. C. Von Rudolf §>. Leimannsohn (Rheno-Palatiae, Spreviae). ' So oft diese Frage aufgerollt wird, stellt man fest, daß eine ziemliche Anklarheit herrscht, ob und in welchem Maße sich der K. C. wissenschaftlich zu betätigen habe. Es wird hierbei viel pro et contra argumentiert, was der Sache selber offensichtlich nicht dienlich ist; besonders oft findet sich dann die Wendung, wir wären kein wissenschaftlicher Verein, die Wissenschaft, die hätten wir auf der Universität. Da muß man sich fragen: Ist die Wissenschaft nur Mittel zu irgendeinem Zweck oder ist sie wert, um ihrer selbst willen gepflegt zu werden? Mit welchem Rechte könnte man denn verlangen, als Akademiker geachtet zu werden, eine prominentere Stellung einzunehmen, wenn nicht gerade als Jünger der Wissenschaft? Die Aeußerlichkeit allein, Mitglieder der Universität zu sein, ist es doch nicht, was uns adelt, sondern erst die Tatsache, daß wir diese Aeußerlichkeit durchseelen, den innern Kontakt mit der Alma mater erhalten. Das korporative System mit seiner Exklusivität, seinem Comment, seinem Ehrenkodex.läßt sich nur dadurch rechtfertigen, daß der Student zur geistigen Noblesse gehört und daß „Noblesse oblig-e“. Man kann nicht einerseits die blinkende Außenseite des Studententums ftir sich in Anspruch nehmen, auf der anderrr Seite aber den Kernder Sache, den inneren Gehalt, eben die Wissenschaft selber, ablehnen. Wer es ernst meint, der ist von dem kulturellen Wert der Wissenschaft tief innerlich durchdrungen, der weiß, daß der geistige Adel darin besteht, daß wir, die wir auf hohen Schulen lernen dürfen, den andern voranzugehen haben im Streben und Forschen. Wie kann von andern geistige Betätigung verlangt werden, wenn sie nicht einmal der Akademiker treiben wollte? Ich glaube aber, es ist bei vielen, die über die Frage der wissenschaftlichen Betätigung hinweggehen, weniger ausgesprochene Abneigung, als vielmehr Anlust, sich damit noch zu befassen. Wir sind doch schließlich wirklich kein Debattiersiub! And damit haben Sie auch recht, wir und ja doch jung und darum ftöhlich, wer wollte uns das denn verargen. Aber — es verlangt ja auch niemand, daß wir in grauer Sophisterei vertrocknen und vertrauern, wir sollten uns unsrer Jugend bewußt seiu, nur — vergessen wir nicht — gehört ein wenig Ernst schon auch dazu. Es ist das goldene Geschenk der akademischen Jugend, daß unsere frische Fröhlichkeit uns einmal hindern wird, über unfern Büchern zu versauern, und daß wir zum andern Mal vernünftig genug sein werden, um die Grenze zu finden und in der Fröhlichkeit nicht die einzige Lebensweisheit zu sehen. Es ist unser Recht, lustig und unbekümmert auch einmal weniger ernste Dinge mit größerem Eifer zu betreiben, aber denken wir daran, daß wir auch eine sittliche Aufgabe zu erfüllen haben. Denken wir daran, daß unsere Altersgenossen, die im praktischen Leben stehen, an vielem, was wir als „studentisch" reklamieren, keinen Teil haben, — wo ist da unsere Gegenleistung? Sturm und Drang ist gesund, aber sehen wir uns die Stürmer und Dränger, Goethe und seine Tafelrunde, an! Es war ein Brausen und Aeberschäumen, aber ein genialisches. And nicht Mensur und Trinken allein schien die Parole ihrer Wettstreits, es lag ein geistiger Kern zugrunde. Derlei Worte sind sicher schon oft im K. C. gesprochen worden und haben gerade im K. C. eine erhöhte Berechtigung. . Schwebte doch seinen Begründern weniger das Idol einer Korporation als solcher vor, als vielmehr eine geistige Idee, unsere Tendenz. Hiermit ist nicht gesagt, daß wir unserer geistigen Pfiicht genügen, wenn wir Tendenz treiben. Denn erstens, wie wird Telrdenz gettieben? Dadurch, daß sie nur in der Fuxenstunde doziert wird, erhält sie das Ansehen, als sei sie ein Charakteristikum des Fuxentums, als gebühre ihr nur das zweifarbige Renoncenband,. nicht das dreifarbige des Burschen. (Die Reform des Tendenzunterrichts wird ja überhaupt von vielen als notwendig anerkannt, aus diesen und anderen Gründen.) Sodann müssen wir heutzutage, wo die Tendenz im Abwehrkampf nicht mehr die ftühere Rolle spielt, auch andere Gebiete des allgemeinen Wissens in Berücksichtigung ziehen, denn die Tatsache eben, daß wir überhaupt eine Tendenz haben, zeigt uns die darin ausgedrückte Forderung einer geistigen Betätigung. Ist doch eine geistige Idee, wie z. B. auch unsre Tendenz, niemals an eine bestimmte Speeies gebunden, sondern etwas Allumfassendes; wenn also unsere Stammväter dem K. C. die Tendenz gaben, so wollten sie damit sagen, daß der ^K. C. auf einer geistigen Grundlage basiere.