Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1924-08-01 · Heft 3 (August 1924) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1924
Issue
Heft 3 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 43 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2268830-2268948-2268951--3041-2272220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 höchste Aufgabe der Korporationserziehung er- Mt ist. Mehr Menschen müssen wir im Verbände haben und weniger Masken, mehr Tiefe und weniger Oberfläche, mehr Verständnis und weniger Worte. Das gilt für uns Jüngere wie die Alteren. Es ist eine müßige Rede: „Mir sagen die Bestrebungen im heutigen Verbindungsleben nicht mehr zu. Zu meiner Zeit trieb man es ganz anderes." Nein, sagt unseren Alten Herren, ihr triebt gar nicht anderes, und wenn doch, so sind die Mittel nur um wenig geändert. Ein anderes ist es, seid selbst so ehrlich es zu gestehen, weshalb ihr lieber in gemütlicher Zurückgezogenheit dahinlebt und selten mal jemand von euch den Weg zu uns findet, euch fehlen im Augenblick, wenn ihr kommt, die alten bekannten Gesichter. Bewußt oder unbewußt habt ihr noch die Bundesbrüder eurer Aktivität im Gedächtnis, wenn ihr die Verbindung betretet. Nun sie nicht mehr da sind, fehlt euch das, was schließlich für jeden die festeste und letze Bindung am Verband ist, die Freunde. Dann geht ihr enttäuscht. Es fehlt euch etwas, das Wesentliche. Doch im Grunde seid ihr enttäuscht darüber, daß die Zeit eurer Aktivität vorüber, ihr habt ins Leben eintreten, habt verzichten müssen auf die frohe, freie Studentenzeit und andere sind an eure Stelle getreten. Doch, ihr Alten Herren, kommt häufiger zu uns, erkennt, daß die heutigen Aktiven nicht besser und nicht schlechter sind als die zu eurer Zeit, lernt den einzelnen als Menschen kennen und widmet euch ihm. Auch euch sei es gesagt, tragt euer Teil bei zur Vertiefung der Weltanschauung unserer Bundesbrüder. Denn unser Verband ruht wie jede Gemeinschaft auf den Schultern des einzelnen, und je mehr Persönlichkeiten wir haben, um so besser steht es um den Verband, je mehr Persönlichkeiten wir haben, um so weniger werden rein taktische Fragen allzusehr in den Vordergrund des Interesses rücken können. Liebe Alte Herren, eure Arbeit in diesem Sinne der Verbindung zur Verfügung zu stellen, ist euch nicht freigestellt, ihr seid dazu verpflichtet, verpflichtet im Interesse des großen Ganzen wie in euerm eigenen, damit ihr auf solche Weise den Weg zu uns zurückfindet. Vor uns haben wir den langen Winter, und beginnen wollen wir ihn mit unserm 30. Stiftungsfest. Ihr Alten Herren, da kommt zu uns und feiert mit uns, findet bei ftohem Sang und Becherklang eure Studentenzeit wieder. Dann aber leistet ein größeres als es nur im Zahlen der Beiträge besteht. Warum klagt ihr, daß ihr von der Verbindung weiter nichts habt als die angenehme Verpflichtung, euch finanziell großzügig zeigen zu dürfen? Arbeitet mit an der geistigen Vertiefung, ladet mal diesen, mal jenen von den Aktiven ein und sprecht mit ihnen von anderem als Komment und Tendenz, Kino und Kabarett. Unser Geistesleben ist so vielseitig, euern Interessen entsprechend wählt ein Gebiet und sucht aus dem gemeinsam Studierten die rechten Anregungen zur vertieften Auffassung, zum rechten geistigen Erleben zu geben. Die Alten Herren, die so ihre Stellung neu zum Verband gewinnen, werden nie mehr klagen darüber, daß ihnen die jüngere Generation fremd geworden. Denn ernste geistige Arbeit schmiedet Menschen zur Freundschaft zusammen. Und ihr, jungen Bundesbrüder, tut ein Gleiches, heute, wo ihr die Verbindung seid, und später, wenn ihr in die Reihen der Alten Herren getreten. Die Stunden, wenn ich im Frühjahr die jungen Bundesbrüder zu mir einlud, ihnen als Fuxmajor von meinen Interessen erzählte und sie, sei es bei Beschäftigung mit Dingen aus dem Komment oder der Tendenz, mit russicher Literatur oder Dingen des täglichen Lebens, mit welchem Gebiet auch immer, sie über die Tatsachen hinaus zum Verständnis dieser Dinge zu führen suchte, wo ich in bescheidenem Maße das erstrebte, was den Kern des vielleicht größten Deutschen Mysteriums, des II. Teil vom Faust, bildet, das Hinabsteigen zu den Quellen, den Grundlagen, den „Müttern", die Stunden sind mir im Verbindungsleben die wertvollsten geblieben, wertvoll, weil wir da gemeinsam eine 'geistig vielleicht nicht ganz wertlose Arbeit betrieben, wertvoll, weil die Bundesbrüder sich da als Menschen und Freunde gegenübertraten. So dachte ich einen Weg zu finden zum höchsten Ziel der Korporationserziehung, zur Ausbildung der Persönlichkeit. Zur Kompetenz der Landesverbände. Von Dr. jur. Philipp Wallach (Frib.-Ghib.>. Die nachstehende Frage, die eine ganze Reihe von Konventen des Hanseatischen Landesverbandes beschäftigt hat und wohl auch in anderen Landesverbänden schon aktuell geworden sein mag, sei hiermit zur Erörterung gestellt. Es ist wünschenswert, daß an dieser Stelle eine Aussprache über das Problem stattfinden möge. Der Hanseatische L.V. sorgt in geradezu vorbildlicher Weise für einen möglichst engen Zusammerchalt der immer zahlreicher werdenden, in Hamburg und Umgebung ansässigen Kartellbrüder. Bei den Zusammenkünften macht man jedoch die Beobachtung, daß es, im Grunde genommen, immer dieselben Menschen find, die den Einladungen Folge leisten, und dieselben, die ausbleiben. Cs ist erklärlich, daß der Vorstand mit der Zeit verärgert wird, wenn er stets von neuem die Mühen und Unkosten der Benachrichtigungen für diejenigen Kartellbrüder auswenden muß, von denen er vorher weiß, daß fie der Einladung kaum Folge leisten werden. Man suchte daher nach einem Mittel, um dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.