KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 3 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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42 gesetzten Synthese von Deutschtum und Judentum, dem Bewußtsein vom Wesen dieser beiden Faktoren, ist das Bewußtsein vom Menschen, seinem Wesen, Sinn und Ziel. Zu dessen Erlangung ist ein weiter, ernster Weg und Kampf erforderlich, ein Ringen mit Hemmungen gen innen und außen. Nicht viele gelangen an dies Ziel, aber unser Bemühen muß so gerichtet sein, als könnte man alle aus dem Dunst des Alltags zu solcher Erkenntnis emporführen. Und das Leben war nicht umsonst gelebt, das erklommen die steilen Höhen menschlichen Daseins hat. Doch dazu gehört unendlich viel und nicht zuletzt ein den Menschen ausfüllender Beruf. Zu diesem soll euch euer Studium, eure Studentenzeit vorbereiten. Von all der Arbeit aber, die ihr eurer Entwicklung als Menschen schuldet, läßt sich in einem Aussatz auch nicht annähemd hinreichend sprechen, der Rahmen einer solchen Arbeit müßte gleichsein dem Rahmen eines ganzen Lebens. Wenn ich sehe, wie viele von euch gleich alten Großvätern ihre Ferien in Ruhe und Bequemlichkeit in einem der bekannten Badeorte auf Vergnügungsreisen sitzen, so bedaure ich darum euch und eure Zeit. Denn Ruhe und Bequemlichkeit in jungen Jahren sind die stärksten Hemmungen geistiger Entwicklung, ich möchte sagen, machen eine Reise der Persönlichkeit unmöglich. Unternehmt für das gleiche Geld Studienreisen in fremde Länder, um deren Sprachen und Menschen, Kunst und Wirtschaft kennen zu lernen. Was ihr in Cafes und Kinos im Laufe eines^Winters ausgebt, es reicht fast für eine Reise von einem Monat. Und für eine größere Studienreise sind die wesentlichen Grundbedingungen die Entschlußfähigkeit zur Reise, die Aufnahmefähigkeit und Anspruchslosigkeit auf der Reise, der ernste Wille zum Studium. Denn wolltet ihr euch in Venedig nur an den Barkarolen der Gondelfahrer erfteuen und so den großen Kanal kennenlernen, ohne dabei einen Hauch von der Renaissance eines Sanmicheli oder Sansovino verspürt zu haben, so bleibt lieber in den vier Wänden eures Heimatdorfes. Denn von dem so oft gerühmten Eindruck Italiens, werdet ihr garnichts verspüren bei einem Vergnügungsaufenthalt. Das, was gerade uns Deutsche immer wieder nach Italien zieht, das erschließt sich nur dem, der seinen Aufenthalt dort mit ernstestem Studium ausfüllt. Es ist nichts für wirkliches Verständnis getan, wenn ihr einmal ein Werk von Haydn oder Beethoven gehört habt, einmal Porträts von Rembrandt gesehen oder einmal ein Drama Shakespeares gelesen oder gar nur gelegentlich eine oberflächliche Unterhaltung darüber geführt habt. Auf solche Weise werdet ihr mit euch selber nie vorwärts kommen. Sucht die Stätten auf, wo die Großen unter den Menschen lebten, wo ihre Werke erhalten sind und aufbewahrt werden oder zur AuMhrung gelangen. Aber das Wichtigste bei allem, was ihr tut, bleibt, daß ihr euch gründlich in die Dinge vertieft und euer Studium beseelt ist vom ernsten Willen nach Erkenntnis. Rüttelt euch aus aus euerm bequemen, gemütlichen, genießenden Dasein und nutzet in diesem Sinne eure Studentenzeit. Kein trockenes Bücherstudium, kein endloses Fachsimpeln führt vorwärts. Die Fülle der Ausbildungsmöglichkeiten gilt es zu nutzen und zu vertiefen. Als Student kann man nicht Reisen machen, man muß es. Als Student kann man nicht Dinge aus andern Fakultäten treiben, man muß es. Als Student hat man sich nicht in erster Linie aufs Examen einzupauken, sondern zuerst daran zu denken, daß der Gedanke der Universität, der Universitas oinniuin artiuin litterarumque, es als Forderung, nicht als Möglichkeit hinstellt, sich eine gründliche Allgemeinbildung zu verschaffen. Hier einzusetzen gehört zu den Aufgaben der studentischen Verbindung. Mit Komment allein erreicht sie ihr Ziel der Ausbildung zur Persönlichkeit nie und nimmer. Hier die erforderlichen Anregungen zu geben sei die wertvollste Aufgabe des Fuxmajors. Mag ich den Herren des absoluten Komments, denen der hohen Politik, denen der jüdischen Tendenz auch nicht nach dem Munde sprechen, so gipfelt meine Überzeugung doch darin, daß ein Fuxmajor, der auch wirklich nicht jede Stunde den jungen Bundesbrüdern diese, drei Momente vorsetzt, sondern mehr daran denkt, daß er junge Menschen vor sich hat und die Erziehung zu Menschen etwas Höheres ist als zu Paukbodenvorstehern oder Geheimräten für Politik und Geschichte, sich zweifellos ein größeres Verdienst erwirbt. So habe ich es gehalten, wie ich Fuxmajor war, so rate ich es jedem, der mal Fuxmajor wird. Welches Gebiet er da heranzieht, sei ihm überlassen, ob mehr Musik, ob Kunst, ob Literatur. Aber, was er auch treibt, er komme mit den Füxen auch außerhalb der Verbindung zusammen. Fuxenstunden seien wie ein Freundeskreis, in dem es der Persönlichkeit des Fuxmajors ein leichtes sein kann, straffste Disziplin zu halten, ein Freundeskreis, den gemeinsame Interessen binden. So gewinnt der Fuxmajor das Vertrauen der Confuxia und kann sie leicht zur Beschäftigung mit den Dingen veranlaffen, die hinführen zu Allgemeinbildung und Vertiefung. Und daran denkt, daß diese beiden Faktoren mit die Straße bilden zum Ziel der harmonischen Persönlichkeit, mit deren Erreichung für mich die