KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 3 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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41 korporationsstudentische Erziehung nicht gekrönt. Nur wo Vertiefung erreicht wird, Vertiefung der Lebensauffassung, da kann das Ziel aller Erziehung, Ausbildung zur Persönlichkeit, erlangt werden. Persönlichkeit ist mehr als jemand, der einige Schmisse mehr oder weniger zu zeigen, einige Maß mehr oder weniger zu melden weiß, mehr als jemand, der eine Fülle von Büchern gelesen und noch so gescheit über neueste Revuen den Mund voll zu nehmen verstünde. Persönlichkeit ist der Ausdruck einer festen, starken Weltanschauung, die gegründet ist in der Schule des Ringens und Verlangens um Erkenntnis, die geschliffen ist durch weitgehende Allgemeinbildung, die aber nur erlangt wird durch gründliche Vertiefung. Wo es an Vertiefung fehlt, da fehlt es an Weltanschauung, da fehlt es an der vorbildlichen Persönlichkeit, die zum Führer bestimmt ist für die Jüngeren, die imstande ist, an verantwortlicher Stelle zu wirken. Mitglieder einer Korporation aber sind Studenten, Menschen, die ihrer Ausbildung nach einmal eine Führerstellung im Leben einnehmen sollen, sei es im höheren akademischen, sei es im wirtschastlichen. Darum verlange ich vor allem Vertiefung der Weltanschauung. Dann fechtet im Kartell oder tut es nicht, dann haltet wöchentlich Kneipen, dann genießt eure Jugend, wie ihr wollt. Ich habe doch die Gewißheit, ihr werdet Persönlichkeiten. Aber wo ihr Intelligenz und Bildung verwechselt, wo ihr die Schale für den Kern nehmt, da werdet ihr die Schar jener Hohlköpfe vermehren, deren Schädel mit dem Monokel als komische Figur der Witzblätter erscheint, deren Weg Stillstand, deren Freude oberflächlicher Genuß, deren Arbeit wertlos, deren Ziel nur Titel sind. Doch wer sich seiner Ausgabe als Schüler des von ihm zu vertretenden Wissengebietes recht bewußt ist und sich verantwortlich weiß seiner Pflichten als Mensch, dessen Weg muß Entwicklung, dessen Freude Vertiefung, dessen Arbeit ein höheres Gebot, dessen Ziel Pflichterfüllung sein. Aber nicht beim Perkeo, noch im Bürgerbräu oder am Kurfürstendamm werdet ihr diese Grundlagen für eure Entwicklung legen. Eines ist sicher: Wollte man das geistige Niveau eines Abiturienten mit dem eines Studenten vergleichen, beschämend würde dieser Vergleich für den Studenten ausfallen. Vielleicht ist mit dem Abitu-' rium überhaupt ein gewisser geistiger Höhepunkt erreicht, eine Spitze, über die gar mancher seinen Anlagen nach nicht hinauskommen kann. Bei diesen könnte man zufrieden sein, wenn diese Spitze wenigstens erhalten bliebe und hinzukäme eine Erweiterung der Kenntniffe und Fähigkeiten^ wo eine Erhöhung nicht mehr möglich. Doch weit gefehlt. Eine Entwicklung in die Breite ist wohl die Regel, aber fast immer aus Kosten der Höhe, einer schärferen Anspannung, und der Tiefe, einer gründlichen Verarbeitung der Anforderungen. Dieses geistige Versumpfen, diese Schlamperei ist für mein Empfinden die einzige, aber mit Recht zu verachtende Art des kümmerlichen Philisters. Wer auf dieses Niveau sinkt, ist schon Philister während seiner Studentenzeit, und wer es nie so weit kommen läßt, bleibt Student Zeit seines Lebens, Student im schönsten Sinne des Wortes, der immer strebend sich bemüht. Heute habe ich nicht zu sprechen über Fechten und Bierkomment, nicht über Deutschtum und Judentum. Diese vier Momente sind für mich Möglichkeiten und Wege einer studentischen Erziehung -und zufällig die unfrigen. Was mich an der Korporation am meisten interessiert, ist, abgesehen vom Freundschaftsgedanken, die Frage der Persönlichkeitserziehung; und zu lösen gibt es immer und immer wieder das Problem, wie kann dem im allgemeinen trostlosen Zustand der Geisteskultur des Studenten begegnet werden. Da hört man oft, diese Fragen sind überflüssig in einer jüdischen Verbindung, deren Mitglieder sich ohnehin zu sehr geistig beschäftigen, man solle nur körperliche Ertüchtigung predigen. Besser als durch diesen Einwand könnte ich gar nicht mißverstanden werden in dem, was ich sage. Denn am Verschlingen von einigen Dutzend Romanen und Dramen liegt mir gar nichts. Intelligenter kann man so bestenfalls werden, für die Gestaltung der Weltanschauung, für die Durchbildung der Persönlichkeit wird so allein nichts geleistet. Zu viel Oberflächlichkeit liegt in allem, was ihr betreibt, zu wenig Streben nach Erkenntnis der Zusammenhänge, zu wenig Mühen um Verstehen der Grundlagen. In späteren Blättern werde ich darzustellen suchen, wie ich mir im besonderen eine Vertiefung der eigentlichen Tendenzausgaben denke. Denn, deutlich und klar sei es gesagt, ich verlange von jedem K.-Cer eine einwandfrei klare Stellungnahme zu Deutschtum und Judentum, ich Haffe das schlafmützige Hinweggehen über diese Kernftagen unseres Verbandes. Doch ein anderes Thema sei heute vorweggenommen, die Frage der Beschäftigung mit den Dingen, die zu einer vertieften Allgemeinbildung führen. Zur Lebensaufgabe des einzelnen gehört es, die Fülle der Lebenserscheinungen, der geistigen Strömungen zu einer harmonischen Synthese, seiner Weltanschauung zu gestalten. Die Voraussetzung für die Erreichung der unserm Verband als Ziel