KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 3 (August 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 40 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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40 besser gesagt: eine idealistische Energie, die gerade bei Menschen vorhanden ist, deren Lebensberuf und Lebenssphäre zu ihm — nach allen Erfahrungen in gleichgelagerter Umwelt zu schließen — nicht „paßt" und „stimmt". Hier glüht die Lichtseite alles Lebens auf, das Sehnen und Drängen nach Befreiung und Erlösung. Aber nicht Erlösung in Schönheit oder Wahrheit (Kunst und Wissenschaft), sondern in Gerechtigkeit und Güte: die idealistische Energie der Juden hat e t h i s ch e Prägung und Richtung. Man mag das in gewisser Hinsicht als Säkularisierung des religiösen Geistes auffassen, wie Wiener-Stettin in seinem Aufsätze (K.C.-Blätter 1924 2. Heft) es tat (hierzu wird noch einiges anzumerken sein); man mag auf andere Art es erklären: vorhanden ist diese Energie jedenfalls und hat edle und auch seltsame Blüten seit Jahrtausenden getrieben. Nun aber liegt das s p e z i fi s ch Jüdische, so wie es sich in den repräsentativen Persönlichkeiten des Stammes spiegelt, in dem eigentümlichen Durchdringungsverhältnis, das zwischen den beiden Komponenten besteht. Es entsteht so eine Lebensenergie und eine auf ihrem Grunde ruhende Weltanschauung, die ich auf die Formel bringen möchte: Idealismus der Realität! Diese Formel stellt — philosophisch betrachtet — eine formale Kategorie dar, eine Begriffshülse, in die sich ein jeweiliger an Raum und Zeit gebundener und durch sie bedingter Inhalt einschieben läßt. Erst durch diese Einschiebung erhält die Formel konkrete Bedeutung und Gültigkeit. Abstrakt kann diese Einstellung nur als Vergleichsobjekt dienen. Auf die religiöse Sphäre beispielsweise übertragen, stellt sie etwa Christentum und Judentum in den Gegensatz zwischen Idealismus der Transzendenz und Idealismus der Realität, oder — wie Baek es formuliert: zwischen romantischer und klassischer Religion. Geistesgeschichtlich erhält so die jüdische Weltanschauung in ihren religiösen Bezirken einen Mittelplatz zwischen Christentum und Heidentum (beide im allgemeinsten Sinne verstanden und auf ähnliche Formeln gebracht). Heidnische Sinnenseligkeit und christliche Askese flankieren den jüdischen Weg der Mitte, den Weg gereister Männlichkeit, die an Menschenkenntnis und Erfahrung sich gestaltet hat. Die spezifisch jüdische Einstellung läßt sich durch alle Gebiete hindurch verfolgen: ein wundervolles Thema für den jüdischen Forscher. — Ein sehr kluger Mann hat einmal behauptet, es fehle dem Juden zur Größe ein fast unmerklicher Zug: die Unerbittlichkeit. Und diesen Gedanken auf tieferer Ebene vergröbernd, haben gar viele uns vorgeworfen, das jüdische Leitmotiv sei fast immer: „Hier stehe ich, ich kann — auch anders!" Vergleichend werten kann man nur auf gleichen Ebenen. Das räumliche Symbol für die Schichtung, einer Menschengruppe in fast jedem Sinne ist der Kegel und nicht etwa der Würfel: in je größerer Höhe man den Schnitt parallel zur Grundfläche führt, desto kleiner wird die Schnittfläche: Natur und Kultur verteilen ihre Gaben nicht nach demokratischen Grundsätzen . . . „Aber nicht auf die Vielen, sondern' auf die Wenigen kommt es an." Wer die Spitzen jüdischer Art mit anderen Spitzen vergleicht, der findet ein anderes, aber wohl kein schlechteres, wie ich glaube. . - Der Geschlossenheit einer Lehre steht es wohl an, apriorische Forderungen zu erheben ohne Rücksicht darauf, ob Menschen sie auf die Dauer verwirklichen können. Der Geschlossenheit eines Menschentums steht es wohl an, radikale Forderungen zu verwirklichen; ihm eignet Unerbittlichkeit und Größe. Es gibt aber noch eine andere Größe. Sie ruht in der tiefen, ahnungsvollen Einsicht in die Zwiegespaltenheit, die Polarität alles Menschlichen. Und diese Art Größe holt ihre Weltansicht nicht aus dem Apriorischen, sondern aus der Erfassung und Abbildung dessen, was i st. Und das, was ist — ist gespalten. Hier rühren wir an letzte Grenzen.. Mag ein jeder weiter denken. Vielleicht überkommt ihn. an einem Punkt seines Denkens das unsägliche beglückende Gefühl, das der hat, der die Gedankenwelt, in die er hineingeboren ist, durch eigenes Denken sich bestätigt. Er gewinnt die Einheit in sich und mit der Welt zurück und fühlt, daß er ja nur das zeitweilige Endglied einer Kette ist. Dann wird ihm auch dasfEigene jüdischen Weltanschauens offenbar und die reife, tiefe Weisheit, die sie umschließt: Idealismus der Realität: die Paradoxie des Lebens in eine zeugende Formel gefaßt!! Zur Korporatrauserrielsung. Von cand. med. Fritz Rofenlhal (Spreviae). Zur Korporation gehören 'die alten schönen . studentischen Bräuche, mit ihnen würde das Beste des Studentenlebens, feine Romantik schwinden. Doch mit Bierseidel und Klinge allein wird.'die