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KC-Blätter · 1924-08-01 · Heft 3 (August 1924) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1924
Issue
Heft 3 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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35 üBriqen mit Liberalismus, so wie er meist verstanden wird, nichts zu tun hat, denn gerade das sogenannte freie Spiel der Kräfte im Wirtschaftsleben wird in der Demokratie nicht geduldet — kann nicht verschwinden, denn sie ist die Grundlage unseres Staates. Nur mit ihm mag sie untergehen. All das hat übrigens mit der Frage der Staatsform nichts zu tun. Än sich verträgt sich Monarchie und Demokratie durchaus. Bloß dort, wo sie sich mit den neuen demokratischen Kräften nicht zu stellen vermochte und daher das Feld räumen mußte, wird sie für die Dauer nicht mehr wiederkehren, weil das dann eben eine Rückentwicklung darstellen würde. Man braucht nur an Ungarn zu denken, das die sogenannte Reaktion am ausgiebigsten durchgemacht hat und sich nun bereits seit vier Jahren wieder Königreich nennt und doch noch immer nicht daran denkt, dem König wirklich zu geben, was des Königs ist. Es wird es wahrscheinlich auch nicht mehr tun; aber es ist nicht die Aufgabe dieses Referats, billige Prophezeiungen abzugeben, sondern uns die selbstverständlichen Grundlagen unserer politischen Stellung zum Bewußtsein führen. Ich komme zum Schluß! Es ist nicht damit getan, wenn wir uns politisch nur mit der Selbstverständlichkeit begnügen, daß wir die antisemitischen Parteien ablehnen. Diese Basis der Selbstverständlichkeit ist als Kampfbasis zu schmal: denn wir stehen im politischen Kampf, nicht im Kampf gegen zersetzende revolutionäre Bestrebungen der Völkischen mit gütiger Unterstützung der Mächte des Ordnungs- und Ruhestaates, sondern im Kampf gegen jeden, der uns unser Recht nehmen will, mag er es mit revolutionären oder legitimen Methoden tun. Wir haben es erlebt, daß sich in den letzten Jahren eine ganze jüdische Richtung aufgemacht hat, die, wir wollen hoffen, besten Glaubens sich hat einfangen laßen von trügerischen Versprechungen der Ordnungsmächte im sogenannten Kampf gegen die zersetzenden Momente von links und von rechts. Es ist nicht die Aufgabe dieses Referats, sich mit dieser Bewegung auseinanderzusetzen; darzulegen, wie grundlegende Verschiedenheit auch in der Stellung zu jüdischen Dingen sich aus dieser Verkennung der allgemeinen politischen Situation ergibt, wie dadurch, daß der deutsche Jude hereingezwungen werden soll in ein bestimmtes politisches Denken, das Hauptelement, das den deutschen Juden erst zu dem macht, was er ist, der freie Wille zum Deutschen, meinem Empfinden nach in unzulässigster und verderblichster Weise eingeschränkt wird. Ich brauche auf diese Bewegung hier nicht einzugehen, diese Auseinandersetzung ist im Wesen innerjüdischer Art und wird am anderen Orte und zu anderer Zeit erfolgen. Unsere politische Stellung kann sich nicht durch die revolutionären Methoden des Gegners in eine schiefe und verhängnisvolle Bundesgenossenschaft mit unseren alten Gegnern, den Anhängern des Ordnungsstaates, des christlichen Staates, der legitimen Idee hereindrängen lassen. Sie ist durch die historische Entwicklung, die wir im deutschen Volk erlebt haben eindeutig bestimmt. Wir dürfen nicht vergessen, daß uns die ersten Anfänge des freien Volksstaates aus dem Ghetto in das deutsche Volk hineingeführt haben. Freier Volksstaat auf allen drei Stammsilben liegt der Ton: Frei, vorn Volk beherrscht, und Staat! Gerade der Staat als solcher ist mit die wichtigste Gewähr unserer politischen Existenz. Ich habe gezeigt, daß die politische Idee unserer Gegner, die völkische Idee eben als politische Idee unmöglich ist, solange der Staat besteht. Die Verderber des Staates sind auch unsere Feinde; mögen es die völkischen Revolutionäre, mögen es die großkapitalistischen Trusts, die in der Inflationszeit mit dem Staat Schindluder getrieben, nun sein. Der freie Volksstaat ist so unsere naturgegebene politische Parole. . Wenn wir für ihn wirken, so ist das kein Bruch mit einem Dogma politischer Neutralität, sondern es ist Ausfluß unserer Tendenz. Bekennen wir uns ruhig zu politischem Streben in diesem Sinne. Es ist Streben für unser Judentum, ist Streben für unser Vaterland, „auf das es glücklich sei und frei." Kam jüdischen Knliurbegrisf*) Von vr. Felix Goldmann (Thur.,Saxo-Bav.) Daß eine jüdische, nationale Volkskultur einst blühte, ist gewiß! Gab es doch einen jüdischen Staat und ein jüdisches Volk, das auf gemeinsamem Boden in gemeinsamer Sprache, in wirtschaftlicher Einheit verbunden, in seinem politischen wie in seinem Kulturwillen übereinstimmte. War auch im Ursprünge dieser Kultur babylonisches und ägyptisches Gut in reicher Fülle zu finden, konnte sie auch in ihrem späteren Verlaufe sich weder dem philosophischen und künstlerischen Einfluß Griechenlands, noch der Macht römische n Rechtes entziehen, so war sie doch ein selbständiges Gebilde, da ihr die Kraft zur Umbildung alter fremder Bestandtelle im Sinne ihrer nationalen Eigentümlichkeit gegeben war. *) Vgl. den Aufsatz über den „deutschen Kulturbegriff" in der letzten Rümmer.

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