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KC-Blätter · 1924-08-01 · Heft 3 (August 1924) · p. Seite 32

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Journal
KC-Blätter
Volume
1924
Issue
Heft 3 (August 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 32 (sequence 6)
Language
German
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32 der alten konservativen Partei, im Gegenteil im weitesten Maße dgs alte liberale Bürgertum mitumfaßt, eine neue Gruppe, die alles andere ist, wie Vertreter eines Ordnungsstaates, vielmehr durch und durch eine revolutionäre Partei. Der . revolutionierte deutsche Kleinbürgerstand mit einigen Desperadoanhängseln aus sozial niederen und höheren Nachkargruppen, als das stellt sich die deutsch-völkische Freiheitspartei heute dar. Man halte nicht entgegen, daß es den antisemitischen Radaubruder schon im Frieden gegeben hat, man spreche nicht von Ahlward und den Seinen. Sie waren eben nur Radaubrüder und Desperados ohne die weite soziale Verankerung, die die deutsch-völkische Partei heute hat. Wir brauchen nur an die Wahlen in Mecklenburg zu denken, die die Deutschvölkischen im wesentlichen mit dem sozialistischen Schlagwort unter den Landarbeitern gemacht haben, mit dem jedem Ordnungsstaatsanhänger verhaßten 8-Stundentag und ähnlichen Propagandamomenten. Man halte mir nicht entgegen, daß es schon im Frieden eine christlich-soziale Partei gegeben hat, die Antisemitismus und Sozialismus vereinen wollte. Ich weiß von Mumm und von Stöcker. Ich weiß aber auch, daß abgesehen von den tumultuosen Erleb nisten der 80iger Jahre die Zugkraft dieser Spielart des Antisemitismus eine ziemlich geringe war, und ferner war das soziale Programm dieser Leute ein durchaus antisozialistisches, wirtschaftsfriedliches, gelbes, während der deutschvölkische Schlagwortsozialist von heute den Gedanken des Wirtschaftsfriedens durchaus von .sich weist. Wir brauchen ja auch nicht darauf einzugehen, wie weit es den völkischen Führern mit ihren sozialistischen Tendenzen ernst ist, wie weit sie sie nur als Lockspeise für ihre nationalistischen Tendenzen, ja wie weit einzelne sie nur als Werberuf für reaktionärmonarchistische Ziele verwenden. In der Politik ist die Grenze zwischen der J-dee und dem Schlagwort, zwischen dem wahren und zweckbewußten Ziel für den Außenstehenden meist sehr schwer erkennbar. Es lohnt sich hier die Prüfung auch aus dem Grunde nicht, weil die Tatsache besteht, daß man die breiten Massen jedenfalls wahrscheinlich nur mit diesem Schlagwort gefangen hat. So sehen wir die Reihe unserer Gegner merkwürdig verbogen. Hatten wir bis zum Kriege die Front der Reaktion, der Verfechter des christlichen Ordnungsstaates gegen uns, die nur auf irgendwie legalem Wege, wenigstens, wenn er sich äußerlich als solcher zeigte, uns um unser Recht zu bringen hofften, so sehen wir heute als Hauptstützpunkt der Front unserer Gegner eine revolutionäre Partei. Eine revolutionäre Partei, revolutionär in der Methode und in der Idee, die selbst an dem festen Gefüge des Ordnungsstaates, dessen starre reaktionäre Vertreter unsere Gegner von einst waren, mit aller Kraft rüttelt, revolutionär, auch wenn vielen ihrer Führer, für die die völkische Propaganda nur Deckmantel für reaktionäre Ziele ist, bei diesem revolutionären Gebaren angst wird. Sie kann gar nicht mehr anders sein, als revolutionär, oder sie wird nicht sein, denn die große Masse ihrer Anhänger folgt ihr, um in ihr den Kampf zu führen gegen die heutige Gesellschaftsordnung, die sie nach dem Kriege ihr alles hat verlieren lassen, ohne natürlich daran zu denken, daß die vielen Geldgeber und heimlichen Drahtzieher ihrer Partei, die sie als Sturmbock gegen den Sozialismus benutzen wollen oder zu benutzen glauben, die wahren Nutznießer ihres Unglücks sind. Dieser revolutionäre Zug bestimmt ja insbesondere ihre Methode. Mecklenburg habe ich schon erwähnt, Hitler brauche ich nicht zu erwähnen. Und hier bei der Erkenntnis dieser grundlegenden Umstellung der Verhältniffe im gegnerischen Lager kommen wir auch zu dem Puntt, der uns nürigi, unsere eigene politische Stellungnahme scharf zu erkennen. Der revolutionäre Zug unserer Gegner läßt unsere Freunde ganz inftmftto den Schutz bei den alten Gegnern suchen, den Leuten des Ordnungsstaates. Bayrische Volkspartei war Trumpf bei den durch Hitler terrorisierten bayrischen Juden. Jede Aufforderung zur Besonnenheit im Berliner Lokal-Anzeiger, in der Deutschen Allgemeinen Zeitung und in der Kreuzzeitung von seiten der Leute, die die Geister, die sie riefen, nicht mehr los werden, wird von einer gewissen jüdischen Oeffentlichkeit mit Freude und Befriedigung vermerkt. Man rühmt in den Kreisen unserer Bundesürüder den vornehmen S.C., die besonnenen und aus sich selbst bewußten Mitglieder anderer feudaler Korporationen, die sich von dem pöbelhaften Treiben ihrer antisemitische Kommilitonen fern halten. Es ist verständlich, daß in Zeiten unmittelbarer physischer Bedrohung, wie etwa in den Novembertagen in München Anlehnung und Schutz gesucht wurde bei den einzigen Machtfaktoren, die dem revolutionären Treiben der Völkischen entgegenstanden. Und das war eben leider in Bayern nur Herr Kahr und seine partikularistische, legitimistische Anhängerschaft, nicht Sozialdemokratie oder Deutscher Block. Es ist dieselbe Situation, die einen großen Teil der ungarischen Juden zu den habsburgischen Legitimisten getrieben hatte, bei denen sie Schutz suchten gegenüber den erwachenden Magyaren und anderen radikal rechts gerichteten Unruhestiftern. Ein solches, durch die Not erpreßtes Der-

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