KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 2 (Mai 1924)
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 26 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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26 lichen Stellung, den Juden den Parteien auf der Linken zugeführt hat. Daß solche Zweckmäßigkeitserwägungen mitsprechen, wird natürlich nicht geleugnet; aber wenn wir uns einfühlend seiner Seele bemächtigen, so finden wir doch, daß die grundlegenden Aufstellungen einer liberalen und auch sozialistischen Gesinnung ganz positiv in seinem Herzen verwandte Saiten zum Tönen bringen. Es ist ja eine Fülle von einander durchwirrenden Motiven vorbanden, welche ein klares Entweder — Oder so erschweren; und die moderne Verstrickung oder jedenfalls heute klar zutage tretende Verflechtung der eigentlich politischen d. h. gemeinschaftsmoralischen mit den wirtschaftlichen Interessen trübt jedes Blld von diesen Dingen. Aber wir bleiben doch dabei, daß über alle ablenkenden Beweggründe hinaus der jüdische Geist, wie ihn vor allen andern Einwirkungen die Religion geprägt hat, im naiven Glauben an die Kraft des Menschen und der menschlichen Gemeinschaft, dazu neigt, rational erschaubare Ziele verwirklichen zu wollen. Gottgewollte Abhängigkeiten, „historisches" Recht, organische Gliederung und alles, was rat Gefolge der „positiven" politischen und juristischen Schule austritt, das dürste doch mehr oder weniger klar das . weltliche Korrelat einer religiösen Gesinnung sein, deren Zentrum die im Luthertum erneuerte paulinische Gnadenlehre ist. Solchem Gedankennnd Gefühlskreis steht das Judentum rat Hauptstrang seiner geistigen Entwicklung zu fern, als daß man glauben könnte, nur äußere Erwägungen praktisch politischen Interesses hätten es der entgegengesetzten Richtung zuoekehrt. Die ausschlaggebende Deutung des Urgeheimnisses, die von der Bibel an unsere geschichtliche Straße vorgezeichnet hatund erleuchtet, ist die vom gesetzgebenden, richtenden, der Menschengemeinde Aufgaben stellenden, wollenden und die Stärke unsres Willens fordernden Gottes. Die Gnade steht ganz am Anfang: Gott hat dem Menschen durch sein Gebot die Selbstleituna zur Seligkeit in seine Hand gegeben. Zwar ist Offenbarung an ein bestimmtes Volk, Auserwähltheit, gemeint, aber es ist die Auserwähltheit, der Aufruf zum bestimmten aus der Selbstentscheidung zu gewinnenden Lebenswege. Nichts ist leichter aus seinem spezifischen erligiösen Rahmen zu lösen, ins Universale, allgemein Humame auszuweiten als die Form, welche sich der althebräische Geist etwa im Deuteronomium geprägt hat. Es ist nicht richtig, daß der jüdische Rationalismus ein Verfallsprodutt der durchgängigen Bewegung von Kultur zu Zivilisation ist. Er liegt vielmehr in dem Ursinn des Bundesgedankens beschlossen, der als Fundament unsre Religion trägt. Die Zeugenschast der Vernunft, der „Weisheft", die jenes deuteronomische Bundesgesetz mit solcher Emphase anrust, wirtt als starkes Motto für die.Universalisierung der der religiösen Forderung eingeschmolzenen ethischen und rechtlichen Momente; und so war es für einen an sich der religiösen Gesttmmtheit ftemd gewordenen Geist ein leichtes, sich von der Basis zu enffernen und dabei doch temperament- und willensmäßig dem darüber errichteten Gehalt aufs engste verwandt zu bleiben. Es ist merkwürdig, wie nahe die Denkart des Juden noch heute der Mentalität der europäischen Ausllärung vom 17. und 18. Jahrhundert steht, in allen Schwächen und Stärken dieser Haltung. Diese Denk- und Fühlsrichtung hat von England her den europäischem Geist erobert, von jenem England, das durch die puritanische Reform mit alttestamenttichem Geist durchträntt worden ist wie wohl kaum je ein anderes christliche? Volk. Wir behaupten nicht, daß es nicht noch andre Triebttäste für die Entfaltung jenes Rattonalismus gegeben hätte; aber den hier berührten gebührt sicherlich ein starker Anteil. Und man möchte in lockerem Zusammenhang mit dem Schicksal des jüdischen Geistes auch auf die Säkularisierung aufmerksam werden, welche die calvinisttsche Religion Englands im modernen angelsächsischen Wesen gefunden. Die geschäftlich kommerzielle Engerie, das wirtschaftliche Ethos, der Weltherrschaftsanspruch des Englandertums, Dinge,, die so entfernt von der Sttlle mensch-göttlicher'Seinsverknüpfung aufzutteten scheinen, sie sind ohne die Erziehung durch den puritanischen Gedanken vollkommen unerklärlich, obwohl in der Masse ihrer Vertreter das Bewußtsein von ihrer Qulle sich längst verflüchtigt hat. Es handelt sich hier fteilich um den Mederschlag ursprünglicher geisttger Antriebe in einer gewalttgen polittschen Leistung, während beim Juden, gemäß seinem geschichtlichen Schicksal, das Religiöse, aus der Bewußtheit ursprünglicher Wesensrichtung und eigenständigen Sinnes abgelöst, sich mit der bescheidenen Rolle begnügen muß, Temperament und Willen, Daseinsgeftihl und Wirklichkeitsideal zu durchfluten, ohne daß, es noch die Kraft aufbringt, wie einst ttotz aller Not, den glaubensstarken Kindern unsres Stammes eine wirkliche wohlige Heimat zu bereiten. Dir Mappe« der K. C.-Verbindungen." Wenn man die Wappen der K. C.-Verbindungen betrachtet, so bemerkt man mit Verwunderung, wie wenig Typisches, die Tendenzen i) Von einem A. L. des V. (L, der sich viel mit studentischer Geschichte und Leraldik beschäftigt, erhalten wir diesen Aufsatz, der unseren K. V. K. V. manche berechtigte Kritik gibt und vor allem mahnt, bei der Zusammenstellung des Wappens den Grundgedanken der Verbindung im Auge zu behalten.